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"Polizeiruf" aus München: Töten, weil es einfach ist​ - so war der Fall

„Polizeiruf“ aus München : „Töten, weil es einfach ist“

Zwei junge Menschen in gegenseitiger Abhängigkeit gefangen. Eine Mutter, deren Tochter verschwunden ist. Und mit „Polizeiruf“-Ermittlerin Bessie Eyckhoff eine Frau, die auf ihren Bauch hört. „Das Licht, das die Toten sehen“ ist ein toller Krimi – dank einer Meisterin der Manipulation.

Worum es ging Junge Frauen mit raspelkurzen Haaren leben gefährlich in Münchens Hochhaussiedlungen. Vor zwei Jahren verschwand Anne, sie stieg nach einem Streit mit ihrer Mutter in einen Bus nach Italien. Seitdem fehlt jede Spur von ihr, jedes Lebenszeichen. Ihre Mutter Caroline Ludwig (Anna Grisebach) ist alarmiert, als eines Tages eine Mädchenleiche gefunden wird. Sie wendet sich an Polizistin Bessie Eyckhoff (Verena Altenberger), die auch bei Annes Verschwinden ermittelt hat. Doch die zerstört und nährt die Hoffnung der Mutter auf Klarheit, denn die Tote ist nicht Anne, sondern Eisläuferin Laura. Auch sie hatte kurze blonde Haare. Genau wie die junge Stefanie Reither (Zoë Valks), die immer wieder in Kontakt mit den Ermittlungen gerät. Wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Opfern scheint sie in Gefahr zu schweben. Stephanie lebt mit Patrick Kundisch (Aniol Kirberg) in einer kleinen Bude, sie dealt und ist geschickt darin, Menschen für sich einzuspannen. Bei Bessie Eyckhoff beißt sie jedoch auf Granit. Nach und nach macht sich Caroline Ludwig verdächtig, auch wenn Eyckhoff sie sich eigentlich nicht als Täterin vorstellen kann. Die Ermittlerin, für die Polizeiarbeit immer auch aus Beziehungsarbeit besteht, baut Vertrauen zu ihr auf und mag auch angesichts vermeintlicher Beweise nicht glauben, dass ihr Baugefühl sie getrogen hat.

Worum es wirklich ging Stephanie und Patrick leben in einer seltsamen Abhängigkeit: Sie nennen sich „Babe“, er engt sie ein, sie ist genervt von ihm. Unklar bleibt, ob sie wirklich ein Liebespaar sind. Je länger der Film dauert, desto mehr landen sie auf dem Radar der Ermittler, am Ende stellt sich heraus, dass sie die Verantwortung tragen. Das Motiv: Langeweile. Töten, weil man es kann. Weil es einfach ist. Stephanie spricht diese Sätze mit Eiseskälte aus. Das Wort „Sterbenslangweilig“ bekommt in diesem Fall eine neue Bedeutung, denn Stephanies und Patricks Leben ist so inhaltsleer, dass ihnen ein Verbrechen einen Kick versprach. Unklar bleibt am Ende, wer die treibende Kraft bei den Taten war. Das spielt aber für die Abgründe, in die man in „Das Licht, das die Toten sehen“ schaut, keine Rolle.

Was war toll Der Münchner „Polizeiruf“ besticht durch eine eigene Erzählweise. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen fesselnden Film voller Menschlichkeit und Abgründe. Manches – wie die drei fast gleich aussehenden Mächen Laura, Anne und Stephanie – war zu Beginn verwirrend, doch nach und nach lösten sich alle Fragen auf und ergaben ein erschreckendes Finale. Und: Anna Grisebach spielte die Hauptverdächtige Caroline Ludwig herausragend. Wie sie einsam an der Tankstelle trinkt oder allein zu „Let You Love Me“ von Rita Ora – anscheinend Annes Lieblingslied – an deren 20. Geburtstag in der Küche tanzt – irgendwie wirkt diese Frau seit dem Verschwinden ihrer Tochter wie abgeschaltet. Andererseits ist ihr die Verzweiflung, ihre Hoffnung und ihr Drang, andere junge Mädchen zu beschützen, deutlich anzumerken.

Der beste Spruch „Tod auf dem Eis – der Schlittschuhmörder von der Isar“ – schön, wie Bessies Partner Dennis Eden (Stephan Zinner) seine Fälle in Boulevard-Schlagzeilen denkt.