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Die Höhle der Löwen 2018: Eine-Million-Euro-Deal für „Caligraphy Cut“

Neue Staffel „Die Höhle der Löwen“ : Bonner Start-up schlägt Angebot von Investor Frank Thelen aus

Die fünfte Staffel der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ hat begonnen: Gleich drei Start-ups aus NRW präsentierten vor der Experten-Jury ihre Gründerideen. Mit dabei: eine kulinarisch Neuheit, eine Hilfe im Haushalt und der „Tesla der Friseurbranche“.

Jeder kennt das Problem: Beim Staubsaugen landet nicht nur Staub und Dreck im Beutel, sondern versehentlich auch Schmuck und Kleinteile. Und was jetzt? Das fragte sich auch Tobias Gerbracht vor zwei Jahren, als er seiner Oma helfen sollte, ihren eingesaugten Ohrring im Staubbeutel zu suchen. Zwei Jahre Forschung später stellte der 20-jährige Wuppertaler seine Lösung auf das Alltagsproblem vor – als Auftakt der neuen Staffel der Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“.

Tobias Gerbracht präsentierte in der Show den „Catch Up“ (deutsch: Fang auf). Dabei handelt es sich um einen Staubsauger-Adapter mit einem Auffangbehälter, der an unterschiedliche Staubsauger angeschraubt werden kann. Durch einen speziellen Filter wird Staub und Dreck in den Filter gesaugt, Gegenstände wie Schmuck oder Kleinteile landen aber im Filter. „Eltern müssen sich zukünftig nicht mehr über eingesaugte Legosteine ärgern“, sagte Gerbracht.

Ein starker Auftakt in das fünfte Jahr „Höhle der Löwen“: Auch in dieser Staffel stellen Gründer ihre Geschäftsideen vor und buhlen um finanzielle Unterstützung sowie Expertise der Investoren. Die Jury besteht aus Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer, Tech-Investor Frank Thelen, Vertriebsexperte Ralf Dümmel, Teleshopping-Expertin Judith Williams, Familienunternehmerin Dagmar Wöhrl und Manager Georg Kofler.

Mit seinen 20 Jahren hat Gerbracht schon einiges vorzuweisen: In den Jahren 2016 und 2017 gewann er beim Nachwuchs-Wettbewerb „Jugend forscht“. „Ich habe schon mit sechs oder sieben Jahren angefangen, Maschinen aus Lego zu bauen“, erzählt er in einem Einspieler. Außerdem habe er als Kind einen Toilettenpapierspender konstruiert. Im Gymnasium in Wuppertal entwickelte er zudem eine Messstation für Schadstoffbelastung. Mittlerweile studiert er „Industrial Design“ in Wuppertal und arbeitet als Dozent an der Jugend-Uni.

„Ich habe alle Energie und Zeit da rein gesteckt“, sagte der 20-jährige Erfinder. „Mein Traum ist es, dieses Produkt auf den Markt zu bringen – alleine schaffe ich es aber nicht.“ Er forderte 100.000 Euro für 35 Prozent Firmenanteile. Es gebe 36 Millionen Haushalte in Deutschland, die Bodenstaubsauger nutzen – „der Markt ist groß, und ich möchte ihn erobern“, sagte Gerbracht.

Sowohl Carsten Maschmeyer als auch Ralf Dümmel stimmten den vorgeschlagenen Konditionen zu. Frank Thelen stieg aus, weil er „noch nie in seinem Leben“ gesaugt habe und an Staubsaugroboter glaube. Der Wuppertaler entschied sich für Dümmel: „Sie haben die Möglichkeiten in der Fertigung und im Vertrieb“, erklärte er seine Entscheidung.

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Mit einer kulinarischen Neuheit kam Julia Huthmann (34) in die „Höhle der Löwen“: Sie präsentierte „Jacky F.“, einen veganen Fleischersatz aus Jackfruit vom Jackfruchtbaum. Das Start-up kommt aus Bonn. Das Produkt ist laut ihren Erklärungen reich an Ballaststoffen, kalorienarm, enthält weder Zucker noch Fett und besitzt Bio-Qualität. Die Idee kam ihr 2015, denn sie lebte zweieinhalb Jahre in Sri Lanka. Dort gelte die Jackfruit als „Arme-Leute-Essen“, da an jedem Straßenrand ein Jackfruchtbaum stehe.

Beim Geschmackstest durch die Investoren fielen viele Vergleiche zu Fleisch. „Das kommt einer Frikadelle sehr nah“, waren sich die Löwen einig. Das bestätigte den Eindruck der Bonnerin von Messen, wo sie auch ein positives Feedback erhalte.

Für Dosen mit Jackfruit, eingelegt in Salzlake, forderte Huthmann 260.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile. Die Dosen werden in Sri Lanka abgefüllt, hier kosten sie 3,69 Euro pro Stück. „In einer ersten Verkaufsphase waren innerhalb von zwei Wochen alle Dosen ausverkauft“, erzählte sie. Bislang liege der Umsatz bei 110.000 Euro. Außerdem gebe es bereits zahlreiche Anfragen aus dem Ausland. Das bestätigte die Bonnerin selbstbewusst, als die Investoren ihre Konditionen nicht akzeptieren wollten. Frank Thelen verlangte erst 25 Prozent, korrigierte sich selbst dann auf 30. Georg Kofler wollte sogar 35 Prozent der Unternehmensanteile. Nach einem kurzen Telefonat mit ihrer Schwester war sich Huthmann sicher: „Ich bin überzeugt von meiner Unternehmensbewertung.“ Sie bot Thelen als Kompromiss 20 Prozent an, er kam ihr auf 25 Prozent entgegen – zu wenig. „Das liegt unter meiner Marke“, sagte Huthmann. Kein Deal für die Jackfruit. „Ich versuche es alleine“, sagte sie.

Ein dritter Teilnehmer aus Nordrhein-Westfalen präsentiert in der Erfinder-Show den „Tesla der Friseurbranche“: Friseurmeister Frank Brormann aus Oelde im Münsterland stellt den „Caligraphy Cut“ vor: Mit dem Werkzeug – optisch eine Mischung aus Messer und Pinsel – sollen die Haare schräg angeschnitten werden, sodass sich ihre Oberfläche vergrößert. Das Versprechen von Brormann: „Mehr Volumen ohne Chemie“. Durch seine Erfindung gebe es keinen Spliss mehr und das Styling werde einfacher gemacht. „Ich versuche, Friseuren weltweit das Handwerk leichter zu machen“, erklärte er. Brormann forderte 500.000 Euro für 20 Prozent Unternehmensanteil. Ein gutes Argument: In elf Ländern habe der „Caligraphy Cut“ im vergangenen Jahr 900.000 Euro Umsatz gebracht.

Frank Thelen wollte das Geld geben – allerdings für 25 Prozent. Da begannen Wöhrl und Maschmeyer gemeinsame Pläne zu schmieden, um ihn zu übertreffen. Judith Williams bot die geforderte Summe für 25 Prozent Anteile und warb mit ihrem Vertriebsnetz. Daraufhin kündigten Wöhrl und Maschmeyer an, zusammen eine „Jahrtausende alte Industrie revolutionieren“ zu wollen: Sie erhöhten auf eine Million Euro und stellen eine weitere Million Euro Finanzierung in Aussicht. Daraufhin machten auch Williams und Thelen gemeinsame Sache: Für 25 Prozent zogen sie ebenfalls ein Eine-Million-Euro-Angebot nach. Brormann ließ sich schließlich von der Expertise des Duos Thelen/Williams überzeugen.