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Langzeitarbeitslosigkeit in NRW hat in Pandemie deutlich zugenommen

Ein Jahr und länger ohne Job : Langzeitarbeitslosigkeit in NRW hat in Pandemie deutlich zugenommen

Vor sieben Jahren waren zum letzten Mal im bevölkerungsreichsten Bundesland so viele Menschen ein Jahr und länger arbeitslos. Das Problem: Es fehlt an Möglichkeiten zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen in Nordrhein-Westfalen hat in der Corona-Krise deutlich zugenommen. Insgesamt waren im April fast 338.000 Menschen im bevölkerungsreichsten Bundesland ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet. Das waren fast 33 Prozent oder gut 83.000 Personen mehr als ein Jahr zuvor, wie die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag mitteilte. Zum Vergleich: Die Zahl der Arbeitslosen insgesamt stieg in der Pandemie in NRW „nur“ um 4,3 Prozent auf 749.228.

„2014 waren in NRW zum letzten Mal so viele Menschen länger ohne Arbeit“, sagte der Chef der Regionaldirektion NRW Torsten Withake. „Für diese Menschen besteht aktuell die größere Herausforderung, dass es derzeit weniger Möglichkeiten zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gibt, da das Angebot an offenen Stellen aufgrund der Pandemie geringer ist.“ Die Arbeitsagentur will hier nun nicht zuletzt mit Qualifizierungsangeboten gegensteuern.

Insgesamt ging die Zahl der Arbeitslosen in NRW im April - wie in dieser Jahreszeit üblich - leicht um 1 Prozent auf knapp 750.000 zurück. „Der Arbeitsmarkt hat im April eine absolut saisonübliche Entwicklung genommen. Das ist angesichts der weiter andauernden Einschränkungen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens eine gute Nachricht“, sagte Withake. Die Arbeitslosenquote im bevölkerungsreichsten Bundesland lag unverändert bei 7,7 Prozent. Bundesweit lag die Arbeitlosenquote bei 6,0 Prozent. Stichtag für die Erhebung der Daten war der 13. April.

„Rund 44.500 Menschen konnten im April aus der Arbeitslosigkeit wieder eine Arbeit aufnehmen. Damit lagen wir bei den Neueinstellungen knapp über dem Niveau von vor der Pandemie - und das, obwohl das Angebot an offenen Stellen nach wie vor um rund ein Viertel unter dem Niveau der vergangenen Jahre liegt“, sagte Withake. Zugpferde bei Neueinstellungen seien neben den Gesundheits- und Sozialberufen, dem verarbeitenden und dem Baugewerbe auch viele kleinere Unternehmen aus dem Bereich der wirtschaftlichen Dienstleistungen, etwa der Vermietung und Instandhaltung, Beratung und Kommunikation oder auch Verwaltung und Sicherheitsdienste. Bei Reisebüros, in der Gastronomie und in Teilen des Handels sehe es allerdings noch anders aus.

Für die Zukunft ist Withake insgesamt optimistisch. Sobald beim Impfen weitere Erfolge erzielt seien und zum Beispiel auch die Gastronomie wieder öffnen könne, werde nach Einschätzung vieler Wirtschaftsforscher auch die Konjunktur wieder anziehen. „Wir glauben, dass es dann auch zu einem schrittweisen Rückgang der Arbeitslosigkeit kommen kann, der über das saisonale Maß hinaus geht“, sagte er. „Doch aktuell sind wir noch nicht an diesem Punkt.“

Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) über den „Corona-Effekt“ am Arbeitsmarkt in NRW zeigte, dass die Pandemie vor allem in den ersten Monaten drastische Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hatte. Vor allem im April und Mai 2020 stieg die Zahl der Arbeitslosen deutlich, während die Zahl der erfolgreichen Stellenvermittlungen einbrach. Ab August begann der Arbeitsmarkt sich dann allmählich wieder zu erholen. Dieser Trend dauert aktuell noch an. Besonders hart traf der „Corona-Effekt“ laut IAB Frauen, ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung.

(chal/dpa)