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Corona Deutschland: Die Covid-19-Kranken werden immer jünger

Corona-Lage in Deutschland : Die Covid-19-Kranken werden immer jünger

Die aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen: Die Effekte der Impfung sind bereits zu spüren, die Einflüsse hochaggressiver Mutationen aber auch. Immer mehr Jüngere kommen auf die Intensivstationen.

Wie entwickeln sich die Covid-19-Zahlen in den verschiedenen Altersgruppen?

In seinem Lagebericht vom 22. März listet das Robert-Koch-Institut für die Menschen in der Altersgruppe 60-79 Jahre eine Sieben-Tage-Inzidenz von 68 auf. Bei den über 80-Jährigen sind es 60 Fälle pro 100.000 Einwohner. Eine relativ neue Entwicklung bezieht sich auf jüngere Bevölkerungsgruppen: Insbesondere in den Altersgruppen unter 60 Jahre, Kinder ausdrücklich eingeschlossen, nehme die Inzidenz zu, so das RKI.

Wie sieht die Verteilung nach Alter und Geschlecht aus?

Hierzu gibt die Seite Statista Anhaltspunkte: Demnach versterben generell mehr Männer als Frauen an Covid-19. Einzige Ausnahme ist die Altersgruppe der über 90-Jährigen. Hier sterben fast doppelt so viele Frauen wie Männer. Allerdings ist hier statistisch zu bedenken, dass in dieser Altersgruppe der Anteil von Frauen in der Bevölkerung um fast das Doppelte höher ist im Vergleich zu Männern. Die höchste Sterberate haben die 80- bis 89-Jährigen, gefolgt von den 70 bis 79-Jährigen. Die Statistik (Stand 16. März 2021) zeigt deutlich: Ab 50 Jahren nehmen Todesfälle durch Corona zu.

Wer gehört zur Hochrisikogruppe?

Das Robert-Koch-Institut zählt 21,6 Millionen Menschen in Deutschland zur Hochrisikogruppe für schwere Covid-19-Verläufe. Als stark erhöht wertet das Institut das Risiko bei Menschen, die über 65 Jahre alt sind oder bestimmte Vorerkrankungen haben, etwa Diabetes, chronische Nierenleiden oder die schwerste Form von Adipositas.

Wie ist die Lage auf den Intensivstationen?

Aktuell bewerten Mediziner die Lage auf den deutschen Intensivstationen als ähnlich angespannt wie im Frühjahr 2020. Man starte jetzt auf den Intensivstationen in die dritte Welle – und das auf einem sehr hohen Niveau, sagt Gernot Marx, Präsident des Registers der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi). Konkret verzeichnete man dort am Dienstag, 23. März 3171 belegte Intensivbetten. Tendenz steigend. Davon wurden 1708 Menschen invasiv beatmet. Man erwarte in den kommenden Wochen einen Anstieg der Patienten auf den Intensivstationen, so Marx. Notfallmediziner prognostizieren bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 200, dass Anfang Mai rund 5000 Covid-19-Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

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Wie ist die Altersstruktur auf den Intensivstationen?

Es sind keineswegs nur alte Menschen, die wegen Covid-19 auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Bereits in der ersten Pandemiewelle waren nur etwa ein Viertel der Patienten auf Intensivstationen 80 Jahre oder älter. Durchschnittlich lag bei der ersten und zweiten Welle das Alter der Intensivpatienten bei 68 Jahren. Inzwischen jedoch scheint sich die Lage dort zu verändern. Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-instituts bewertete gegenüber dem „Tagesspiegel“ die aktuelle Lage so: „Wir sehen das jetzt schon auf den Intensivstationen, dass sich die Patienten dort ändern: Die werden jünger.“ Erklären lässt sich dies aus der Tatsache, dass inzwischen ein Großteil der 80-Jährigen geimpft und diese dadurch vor schweren Verläufen geschützt sind.

Warum der Blick nicht nur auf die Intensivbetten gerichtet sein darf

Auch wenn immer noch weniger jüngere als ältere Menschen auf der Intensivstation landen, sollte man ihre Bedrohung durch Sars-CoV-2 ebenso ernst nehmen: Denn immer mehr gerade jüngere Menschen leiden an nachhaltigen Spätfolgen durch Covid-19. Die Rehakliniken mit Long-Covid-Patienten füllen sich. Und diese sind häufig zwischen 20 und 40 Jahre alt.

Welche Rolle spielen die Virusmutationen?

Virusmutationen spielen eine immer größere Rolle. Doch ist die Verteilung in Deutschland noch nicht ganz gleichmäßig. Es gibt Städte und Regionen, bei denen die englische Variante bereits 80 Prozent aller per PCR getesteten Fälle ausmacht, in anderen sind es noch weniger. Es hängt auch damit zusammen, wie viele Positiv-Fälle per Sequenzierung auf Mutationen getestet werden (können).