Las Vegas: Ermittler rätseln über Motiv des Todesschützen Stephen Paddock

Bluttat in Las Vegas: Ermittler rätseln über Motiv des Todesschützen

Was hat Stephen Paddock – einen vermögenden und zuvor unauffälligen Rentner – dazu bewegt, 59 Menschen brutal zu ermorden? Laut Polizei hat er keine Erklärung für seine Bluttat hinterlassen. US-Präsident Trump spricht von einer "Tat des reinen Bösen".

Was hat Stephen Paddock — einen vermögenden und zuvor unauffälligen Rentner — dazu bewegt, 59 Menschen brutal zu ermorden? Laut Polizei hat er keine Erklärung für seine Bluttat hinterlassen. US-Präsident Trump spricht von einer "Tat des reinen Bösen".

Paddocks Tat ist das schlimmste Massaker in der jüngeren US-Geschichte. Sheriff Joseph Lombardo sprach von mindestens 59 Toten und 527 Verletzten. Die Zahl der Opfer aktualisierte die Polizei bei der jüngsten Pressekonferenz. Im Hotelzimmer des Täters in Las Vegas und seinem Wohnhaus stellten Beamte demnach große Mengen Waffen, Munition und Sprengstoffe sicher.

Ermittler rekonstruierten den Tatablauf bisher wie folgt: Am Sonntagabend durchbrach Paddock mit einem Hammer oder ähnlichem die Scheibe seines Zimmers im 32. Stock des Hotels "Mandalay Bay" in Las Vegas. Er schoss mit automatischen Waffen auf Tausende wehrlose Menschen, die sich zu einem Freiluftkonzert eingefunden hatte. Bevor Sondereinheiten sein Zimmer stürmen konnten, erschoss er sich. Ermittler stellten in dem Zimmer 16 Schusswaffen sicher.

Bei einer Razzia in Paddocks Privathaus in Mesquite 130 Kilometer von Las Vegas entfernt fanden Beamte dem Sheriff zufolge weitere 18 Schusswaffen, Tausende Schuss Munition, den Sprengstoff Tannerit sowie Ammoniumnitrat, das zum Bombenbau verwendet wird. Auch das zweite Wohnhaus des Mannes in Reno sollte untersucht werden.

Eine Frau zündet eine Kerze an: Trauer in Las Vegas. Foto: afp

"Psychopath" und "einsamer Wolf"

Trotz mehr Details zum Tathergang bleiben die Beweggründe des Täters unklar: Die Bundespolizei FBI und der Auslandsgeheimdienst CIA reagierten skeptisch auf eine Mitteilung der Dschihadistenmiliz IS, der zufolge Paddock zum Islam konvertiert war und die Tat als "Soldat des IS" beging. Laut Polizei gab es dafür zunächst keinerlei Belege. Ein CIA-Sprecher warnte vor "vorschnellen Schlüssen, bevor alle Informationen ausgewertet sind".

Die Ermittler gingen bis auf weiteres davon aus, dass es sich bei Paddock um einen Einzeltäter handelte. Sheriff Lombardo bezeichnete ihn als "Psychopathen" und "einsamen Wolf".

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Paddocks Bruder Eric schilderte ihn in US-Medien als unauffälligen und wohlhabenden Mann. "Er hatte wahrscheinlich nicht mal einen Strafzettel", sagte Eric Paddock. Stephen Paddock habe keine "politischen oder religiösen Verbindungen" gepflegt und sei "absolut kein Waffennarr" gewesen. Die Familie könne sich keinen Reim auf das Geschehen machen.

Der Vater war Bankräuber

Allerdings habe sich Stephen Paddock einer starken Spielleidenschaft hingegeben und oftmals tausende Dollar beim Glücksspiel eingesetzt. "Er hat mir einmal eine SMS geschickt und geschrieben, dass er 250.000 Dollar im Casino gewonnen hat", berichtete Eric Paddock.

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Der familiäre Hintergrund des Täters ist interessant: Sein vor einigen Jahren verstorbener Vater war ein Bankräuber und wurde zeitweise von der Bundespolizei FBI auf der Liste der zehn meistgesuchten Verbrecher geführt. Nach Darstellung von Eric Paddock hatten er und sein Bruder jedoch keinen Kontakt zum Vater.

Der Schütze war vermögend: Er hinterlässt zwei Privathäuser neueren Datums im Bundesstaat Nevada. Immobilienexperten schätzten deren Wert auf mindestens 700.000 Dollar (knapp 600.000 Euro).

Das Blutbad löste allgemeines Entsetzen aus. US-Präsident Donald Trump sprach von einer "Tat des reinen Bösen" und kündigte für Mittwoch seinen Besuch in Las Vegas an. Gleichzeitig rief Trump sein Land zur Geschlossenheit. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die britische Premierministerin Theresa May sowie Papst Franziskus zeigten sich erschüttert.

In den USA gibt es immer wieder tödliche Angriffe mit Schusswaffen. Trotz mehrerer Amokläufe an Schulen und Universitäten gelang es Trumps Vorgänger Barack Obama nicht, gegen den Widerstand der Republikaner schärfere Waffengesetze durchzusetzen. In jüngster Zeit gab es zudem mehrere blutige Anschläge auf Bars oder Veranstaltungsorte. Das Weiße Haus erklärte nach den Schüssen von Las Vegas, eine Debatte über eine Verschärfung der Waffengesetze sei "verfrüht", bevor nicht die Hintergründe geklärt seien.

(vek)