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Autobombe tötet Atomwissenschaftler: Clinton bestreitet Beteiligung an Anschlag

Autobombe tötet Atomwissenschaftler : Clinton bestreitet Beteiligung an Anschlag

In Teheran ist am Mittwoch ein Atomwissenschaftler bei einem Autobombenanschlag getötet worden. Zwei weitere Menschen wurden verletzt, einer starb später. Die tödliche Explosion ereignete sich am Jahrestag des Anschlags auf einen iranischen Physikprofessor.

Abermals ist im Iran ein Atomwissenschaftler Opfer eines tödlichen Bombenanschlags geworden. Zwei weitere Menschen wurden bei dem Anschlag auf Universitätsprofessor Mostafa Ahmadi Roschan am Mittwoch in Teheran verletzt, einer von ihnen erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtete.

Zwei Angreifer auf einem Motorrad brachten demnach magnetische Sprengsätze am Auto des Professors an. Der Anschlag ähnelte Attentaten auf iranische Atomwissenschaftler in den vergangenen zwei Jahren.

"USA strebt nach internationaler Verständigung"

Für diese hatte der Iran den israelischen Geheimdienst Mossad und die USA verantwortlich gemacht. Außerdem wirft der Iran westlichen Geheimdiensten vor, durch die Einschleusung des Computerwurms Stuxnet im Jahr 2010 seine Anlagen zur Urananreicherung sabotiert zu haben. Beide Länder haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hat jegliche Beteiligung der USA an dem Anschlag abgestritten. Die USA würden nach einer internationalen Verständigung mit dem Iran streben, die das iranische Urananreicherungsprogramm beendet. Eine Verwicklung in den Tod des Wissenschaftlers Mostafa Ahmadi Roschan verneinte Clinton kategorisch.

Die jüngsten iranischen Drohungen, die Straße von Hormus zu schließen, nannte Clinton provokativ und gefährlich. Sie sagte, die USA seien entschlossen, die internationalen Wasserstraßen offen zu halten. Sie nannte sie "Teil der Lebensader, die Öl und Gas in der ganzen Welt fließen lässt".

Die USA und ihre Verbündeten fordern vom Iran einen Stopp der Anreicherung von Uran. Angereichertes Uran kann unter anderem für Atomsprengköpfe verwendet werden. Der Westen vermutet, dass Teheran im Rahmen seines Atomprogramms die Entwicklung von Atomwaffen anstrebt. Nach iranischer Darstellung dient das Programm friedlichen Zwecken - also zur Energiegewinnung und für medizinische Anwendungen.

Opfer war Direktor in Atomanlage

Der 32-jährige Roschan war Chemieexperte und ein Direktor der Urananreicherungsanlage Natans. Laut Fars studierte er an der renommierten Technischen Universität Scharif in Teheran. Er war beteiligt an der Entwicklung von Polymermembranen zur Trennung von Gasen. In Natans war Roschan nach Angaben der Internetseite mashreghnews.ir für die Beschaffung von Ausrüstung verantwortlich.

Natans ist die größte Anlage zur Urananreicherung im Iran. Allerdings gab der Iran vor wenigen Tagen die Inbetriebnahme eines weiteren Komplexes zur Urananreicherung bekannt. In dem unter rund 90 Metern Fels liegenden Bunker soll Uran auf bis zu 20 Prozent angereichert werden.

Fars sprach von einem Terroranschlag und zitierte den ranghohen Sicherheitsbeamten Safar Ali Baratlu mit den Worten, es handele sich um eine Tat von Israelis. "Die magnetische Bombe ist vom selben Typ, der bereits früher eingesetzt wurde, um unsere Wissenschaftler zu töten."

"Sauber, leicht und effizient"

Am 12. Januar 2010 war in Teheran ein Physikprofessor getötet worden, als neben seinem Auto ein Motorrad mit einer Bombe explodierte. Im November 2010 wurde bei einem Anschlag in der iranischen Hauptstadt ein Atomwissenschaftler getötet, ein weiterer wurde bei einem zweiten Anschlag verletzt. Dieser, Fereidun Abbasi, wurde umgehend zum Leiter der iranischen Atomenergiebehörde ernannt.

Im Juli 2011 töteten Bewaffnete auf einem Motorrad einen Elektronikstudenten. Andere Berichte bezeichneten ihn als Wissenschaftler, der an der mutmaßlich angestrebten Entwicklung einer Atombombe beteiligt gewesen sei.

Statt tatsächlich einen konventionellen Krieg zu führen, scheine sich der Westen auf verdeckte Kriegstaktiken zu stützen, um Fortschritte beim iranischen Atomprogramm zu stören, sagt Theodore Karasik, Sicherheitsexperte am Institut für militärische Analyse im Nahen Osten und am Golf (INEGMA) mit Sitz in Dubai. Die Verwendung magnetischer Bomben trage die Züge verdeckter Operationen. "Es ist eine sehr verbreitete Art, jemanden zu eliminieren. Es ist sauber, leicht und effizient."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Anschlag in Teheran: Iranischer Wissenschaftler stirbt

(dapd)