EU-Sanktionen werden früher verschärft: Iran fährt Uran-Anreicherungsanlage hoch

EU-Sanktionen werden früher verschärft : Iran fährt Uran-Anreicherungsanlage hoch

Mit Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) vertraute Diplomaten haben den Beginn der Urananreicherung in der iranischen Atomanlage Fordo bestätigt. In dem Komplex seien 348 Zentrifugen in zwei Kaskaden in Betrieb. Ferner wurde bekannt. dass die Sanktionen der EU gegen den Iran werden früher als bisher geplant verschärft.

Die EU-Außenminister werden bereits am 23. Februar in Brüssel über einen Stopp der Öleinfuhren aus dem Iran und über zusätzliche Verbote gegenüber iranischen Banken entscheiden.

Nach Angaben von EU-Diplomaten vom Dienstag wird das ursprünglich für den . 30. Januar geplante Treffen der Außenminister um eine Woche vorgezogen. Damit soll eine Terminkollision mit dem Brüsseler EU-Sondergipfel Ende Januar verhindert werden.

Die EU-Außenminister hatten Anfang Dezember beschlossen, im Streit um das Atomprogramm des Irans Sanktionen vorzubereiten, die den Finanzsektor des Irans "schwer treffen" sollen. Zudem wollen sie ein Ölembargo gegen den Iran beschließen.

Anlage in Fordo galt lange als geheim

Teheran kündigte im vergangenen Monat an, in dem unterirdischen Bunker nahe der Stadt Kom solle Uran auf 20 Prozent angereichert werde. Derart vorbereitetes Uran ließe sich deutlich schneller zu atomwaffenfähigem Material weiter anreichern, als das bislang in der Anlage Natans auf 3,5 Prozent angereicherte Uran.

Die nahe der Stadt Kom gelegene Anlage in Fordo galt lange als geheim und ist zum Schutz vor möglichen Luftangriffen in einen Berg gebaut worden. Die größte iranische Atomanlage befindet sich am Standort Natans im Zentrum des Landes.

Der Westen wirft dem Iran vor, mit seinem Nuklearprogramm die Entwicklung von Atombomben zu verfolgen. Teheran hat das stets zurückgewiesen. Das höher angereicherte Material sei für die Herstellung medizinischer Isotopenquellen für die Behandlung von Krebspatienten bestimmt, hieße es.

Für Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) ist die Aufnahme des Betriebs zur Anreicherung von Uran auf 20 Prozent ein Schritt zur weiteren Eskalation, wie das Auswärtige Amt am Montag mitteilte.

Solange sich der Iran nicht bewege, gebe es zu schärferen Sanktionen keine Alternative, hieß es. Bereits Ende Januar könnten diese bei einem Treffen des EU-Außenrats beschlossen werden. Allerdings bestehe vonseiten Deutschlands und seiner Partner weiter Gesprächsbereitschaft. Dazu müsse der Iran allerdings entsprechend reagieren, hieß es.

Iran legt Grundlagen für Nuklearwaffenbau

US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte in einem am Wochenende ausgestrahlten Interview mit dem US-Fernsehsender CBS, der Iran sei vermutlich noch nicht dabei, eine Atombombe zu bauen.
Allerdings lege das Land derzeit die Grundlagen für ein solches Vorhaben. Die internationale Gemeinschaft müsse daher den diplomatischen und wirtschaftlichen Druck aufrechterhalten, um Teheran von diesem Schritt abzuhalten.

Panetta warnte hingegen erneut vor einem unilateralen militärischen Angriff auf die iranischen Atomanlagen, etwa durch Israel. Ein solcher könne leicht zu Racheakten vonseiten des Regimes in Teheran führen, sagte er. Diese könnten auch die in der Region stationierten US-Truppen betreffen.

Iranische Führung könnte Seeblockade Umsetzen

Die iranische Führung entschloss sich offenbar dazu, für den Fall einer Behinderung iranischer Ölexporte die für den weltweiten Transport wichtige Straße von Hormus tatsächlich zu blockieren.

Die strategische Entscheidung sei von der Staatsspitze gefällt worden, berichtete die iranische Zeitung "Chorasan" am Sonntag unter Berufung auf Ali Aschraf Nuri, einem hochrangigen Kommandeur der Revolutionsgarden. In der Vergangenheit drohten iranische Politiker verschiedene Male mit der Schließung der wichtigen Meerenge.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Iran testet Kurz- und Langstreckenraketen

(DPA/APD)