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Schießerei bei Demonstration: Französischer Journalist in Syrien getötet

Schießerei bei Demonstration : Französischer Journalist in Syrien getötet

Erstmals seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad ist in Syrien ein ausländischer Journalist getötet worden. Der Sender France 2 bestätigte am Mittwoch den Tod des Reporters Gilles Jacquier in der Stadt Homs.

Nach einem Bericht des syrischen Senders Addunia TV wurden bei dem Angriff insgesamt acht Menschen getötet. Unter den 25 Verletzten sei auch ein Journalist aus den Niederlanden.

Unterdessen wächst die Kritik an Assad und seinem Vorgehen gegen syrische Oppositionelle. Ein Beobachter der Arabischen Liga beendete aus Entsetzen über die Gewalt in Homs seinen Einsatz und bezeichnete die Mission als Farce.

Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders France 2 reiste der Reporter Jacquier auf Einladung der syrischen Regierung ins Land. Nach Beginn der Proteste gegen Assad im vergangenen März hatte die Regierung die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen. Im Zuge des Beobachtereinsatzes der Arabischen Liga wurden zuletzt aber wieder einige ausländische Medienvertreter zugelassen. Jacquier berichtete seinem Sender zufolge auch schon aus dem Irak und Afghanistan.

Der Angriff in Homs ereignete sich einem Augenzeugen zufolge bei einer Demonstration für Assad. Dabei seien Panzerfäuste abgefeuert worden. Er selbst habe drei Leichen gesehen, sagte der Augenzeuge. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe Syrian Observatory for Human Rights hielten sich die Journalisten in der Nähe des Stadtteils Akrama auf.

Der französische Außenminister Alain Juppe forderte die syrischen Behörden auf, die Umstände des Vorfalls aufzuklären. Es sei Aufgabe der syrischen Behörden, für die Sicherheit der internationalen Korrespondenten zu sorgen.

Beobachter: Wir wurden an der Nase herumgeführt

Der aus Algerien stammende Beobachter Anwar Malek erhob im Fernsehsender Al-Dschasira schwere Vorwürfe gegen Assad: "Das Regime verübt nicht ein Kriegsverbrechen, sondern eine ganze Reihe von Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung." Er räumte das Scheitern der Arabischen Liga ein: "Der Einsatz war eine Farce, und die Beobachter sind an der Nase herumgeführt worden." Er sei Zeuge fürchterlicher Szenen geworden und habe diese nicht verhindern können. Im Gegenteil: Durch seine Tätigkeit habe er es Assads Regime erleichtert, das Töten fortzusetzen. Er sei mehr als 15 Tage in der Stadt Homs gewesen. "Ich habe Horrorszenen gesehen, verbrannte Körper, Leichen mit Folterspuren, Menschen ohne Haut, Kinder, die getötet wurden."

In Syrien sind 165 Beobachter der Arabischen Liga im Einsatz, um die Umsetzung eines von der Organisation vermittelten Friedensplans zu überwachen. Seit Beginn der regierungsfeindlichen Proteste vor zehn Monaten sind nach UN-Schätzungen mehr als 5000 Menschen getötet worden. Die Regierung spricht dagegen von Terroristen und bewaffneten Banden, die 2000 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet haben sollen. Nach UN-Angaben ging Syrien nach dem Eintreffen der Beobachter der Arabischen Liga noch härter gegen Demonstranten vor.

Assad: Wir werden ohne Zweifel siegen

In Damaskus tauchte Assad überraschend auf einer Kundgebung von Anhängern auf und bekräftigte seine harte Haltung gegen Kritiker. "Wir werden diese Phase zu einem Ende für sie und ihre Pläne machen", sagte der Präsident vor Tausenden jubelnden Demonstranten in Begleitung seiner Frau Asma und ihrer beiden Kinder. "Wir werden ohne Zweifel siegen." Hinter den Protesten stünden ausländische Kräfte und Verräter.

Angesichts der Gewalt in Syrien forderte die Bundesregierung Russland auf, seinen Widerstand gegen eine UN-Resolution aufzugeben. "Wir brauchen eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, in der das syrische Regime unmissverständlich aufgefordert wird, die Gewalt gegen seine eigene Bevölkerung einzustellen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Außenamtssprecher Andreas Peschke fügte hinzu, als ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat habe Russland eine besondere Verantwortung. Bislang habe die Regierung in Moskau Sanktionen gegen Syrien skeptisch gegenübergestanden. "Und da muss man schon sehen, dass die Entwicklungen der letzten Tage aus unserer Sicht uns eher Recht geben."

(APD)