Xanten: Drei neue Glocken für das Dom-Geläut

Xanten: Drei neue Glocken für das Dom-Geläut

Vor 18 Jahren hatte die Familie Underberg die Xantener Viktor-Gemeinde mit den Glocken beschenken wollen. Am nächsten Sonntag werden sie nun doch geweiht und einen Tag später in den neuen Stuhl des Westwerks gehoben.

Noch warten sie auf ihren ersten Einsatz, die drei neuen Glocken des Xantener Doms. "Aushalten" können sie die wenigen Tage bis zur Weihe am dritten Adventssonntag und zum ersten Einsatz zu Weihnachten sicher noch - nach 18 Jahren auf Haus Balken. Damals hatte die Familie Underberg sie aus Anlass des 150. Firmenbestehens gießen lassen und der Viktor-Gemeinde als Geschenk vors Domportal gestellt. Doch der Kirchenvorstand spielte nicht mit - aus verschiedenen Gründen, wie es diplomatisch heißt. Heute ist das anders: Die massive Belastung der aktuell sechs Glocken durch die Jahrhunderte hindurch habe zum Umdenken geführt, sagt Dompropst Klaus Wittke. Neben der Entlastung sei auch die Möglichkeit zusätzlicher Läutemotive sicher reizvoll.

"Ich bin unsere Liebe Frau vom Rosenkranz" und "Betet täglich...": Inschriften auf der Marien-Glocke. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Will heißen: Das derzeitige Ensemble mit der ältesten Glocke (Johannes, Gussjahr 1401) entspricht in wesentlich Teilen ohnehin schon nicht mehr dem Geläut, das seit dem 30-jährigen Krieg aufgebaut worden war. Im Jahr 1945 stürzte die Barbara-Glocke aus dem Nordturm ab. Die vom hochgelobten Glockengießer Gerhard de Wou gegossene Anna wurde zerschlagen, die Große Viktor durch Granaten schwer beschädigt. Die um 1400 gegossene Ave Maria mit ihrem zweigestrichenen as-Ton überstand mit Schäden dem Ansinnen der Nazis, sie einzuschmelzen. Und die Kleine Viktor war gerissen.

Nach Reparaturen und einem Neuguss ergibt sich seit dem Jahr 1962 ein Ensemble mit Tonlagen, die ihre Xantener Liebhaber gefunden haben. Die Tonlage ho, cis', e', g' c'' und noch einmal c'' erfahren nun aber durch a', d'' und e'' eine größere Modulationsweite, weiß der Glockensachverständige des Bistums Münster, Michael Gerding. Eben diese neuen Varianten machen Karl Leisner, Kardinal von Galen und Gottesmutter Maria - so die Namen der neuen Glocken - möglich.

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Neben der Großen Viktorglocke, die auch mit einem neuen Klöppel ohnehin nur noch zu Festtagen erschallen soll, werden Helena sowie Anna und Antonius weiterhin von Hand geläutet werden. Johannes, Barbara und Kleiner Viktor, die bisher von einem Läutemotor ins Schwingen gebracht werden, können bald - wie ihre neuen Partner - elektrisch angetrieben werden.

Daneben wurde bereits ein komplett neuer Stuhl gezimmert. Die Dorstener Firma Diegner & Schadem, die bereits lange Jahre für die Wartung der Dom-Glocken zuständig ist, hat eine gut zwei Tonnen schwere Holzkonstruktion aus Eiche nach alter Zimmermannsart mit Zapfen und Holznägeln erbaut. Zusammen mit dem Gewicht der neuen Glocken komme so eine Auflast von gut drei Tonnen samt neuer Technik hinzu, sagt der Leiter der Dombauhütte, Johannes Schubert. "Kein Gewicht", sagt er. Das bringe ja schon die große Viktor-Glocke allein auf die Waage. Wichtiger seien die Eigenschwingungen, die sich mit denen des Gemäuers nicht überschneiden dürfe.

Die 42 000 Euro teuren Arbeiten wurden, so der Vorsitzende des Dombauvereins, Hans-Wilhelm Barking, ausschließlich durch Spenden finanziert. Dazu gehören auch die Kosten fürs sicherlich spektakuläre Hochziehen und Einsetzen in den Westturm am nächsten Montag. Am Sonntag um 10.30 Uhr wird Weihbischof Theising die Glocken im Kreuzgang feierlich weihen.

(RP)
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