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Fußball: Am Klavier so ambitioniert wie am Ball

Fußball : Am Klavier so ambitioniert wie am Ball

Yvonne Hoff ist eine der jüngsten Spielerinnen im Kader des Frauenfußball-Niederrheinligisten SV Budberg. Doch das erste Jahr ihrer Vereinszugehörigkeit war eine Leidenszeit. Die 19-jährige Torhüterin hatte mit Verletzungen zu kämpfen.

Mehr als ein Jahr ist es her, dass Yvonne Hoff die erste große Verletzung ihrer noch jungen Fußballkarriere hinnehmen musste. Als wäre es gestern, erinnert sich die Torhüterin des Fußball-Niederrheinligisten SV Budberg an die Partie im November des vergangenen Jahres. "Bei einer 1:1-Situation wurde ich von der Gegenspielerin übel gefoult". Den Körper voll gepumpt mit Adrenalin, bemerkte die heute 19-Jährige ihren gebrochenen Zeh und den Bänderriss im Sprunggelenk zunächst nicht. Sie biss die Zähne zusammen und brachte die Partie noch zu Ende. Später im Krankenhaus folgte dann die traurige Diagnose: sechs Wochen Pause. Die Hinrunde war für sie damit gelaufen.

Einige Wochen vorher war das Nachwuchstalent vom FCR Duisburg zum ambitionierten Rheinberger Club gewechselt. Alles begann so gut, bis eben zu dieser Verletzung, die sich fortan hartnäckig an ihre Fersen heftete. "Nach den diagnostizierten sechs Wochen hatte ich immer noch Schmerzen im verletzten Fuß" erklärt Hoff, "ich war leider nur zu ehrgeizig, um mir Ruhe und Zeit zu gönnen, bis die Verletzung wirklich ausgeheilt war." Zur Wintervorbereitung stieg sie wieder ins Training ein.

Im April war dann jedoch wieder Schluss. Nachdem die junge Torsteherin während eines Meisterschaftsspiels eine Gehirnerschütterung erlitt, musste sie die Handschuhe wieder ausziehen. Und auch der seinerzeit in Mitleidenschaft gezogene Fuß machte wieder Probleme. Dort hatte sich ein Ganglion, eine Art Überbein, gebildet, das im Mai operativ entfernt wurde.

Die Wochen verstrichen, und bei Hoff wollte sich partout keine Besserung einstellen. Nach einem Arztwechsel stellte sich heraus, dass bei der Operation Nerven im Fuß beschädigt wurden, sich die Sehnen und Bänder verkürzt hatten und die Keeperin deswegen kein Gefühl im Zeh verspürte.

Seit August kämpft sich Hoff nun mit regelmäßiger Physiotherapie auf den Platz und in die Mannschaft zurück. Bis die Schonhaltung ihres Fußes komplett überwunden ist, wird es aber noch etwas dauern. Derzeit freut sich die Sportlerin aber schon über den Fortschritt, dass sie ins Lauftraining einsteigen konnte. Denn die Bewegung hat der Studentin gefehlt. Das Spiel mit den Tasten stellte für die leidenschaftliche Klavierspielerin nicht den Ausgleich dar, den sie im Sport findet. "Für mich war das keine einfache Zeit. Ich muss mich zwischendurch auspowern", erklärt die athletische Torhüterin, die aus Krefeld-Uerdingen zum Training und zu den Spielen anreist.

Bereits bei den Bambini eiferte Hoff ihrem drei Jahre älteren Bruder nach und begann zu kicken. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr spielte sie mit Jungen zusammen und entschied sich erst nach einer zweijährigen Pause dazu, in einer reinen Mädchenmannschaft mit dem Fußball weiter zu machen. Durch Zufall fand die mit 1,69 Metern nicht gerade großgewachsene Torhüterin den Weg zwischen die Pfosten und wird seitdem gefördert. Ihre Größe macht sie mit ihrer Sprungkraft wett. Auch SVB-Coach Daniel Peetz hat ihre Stärken erkannt. "Yvonne ist ein absoluter Gewinn für die Mannschaft. Es ist bezeichnend, wenn man einem Torwart sagt, er ist ein sehr guter Feldspieler. Auf der Linie beeindruckt ihre Reaktionsstärke, bei Flankenbällen hingegen ist sie noch lernfähig", meint der Budberger Coach, der wegen der Verletzung von Hoff vor der aktuellen Saison mit Sarah Pakulat (Viktoria Krefeld) eine erfahrene Nummer Eins holte.

Von einem erbitterten Konkurrenzkampf ist bei den Keeperinnen nichts zu spüren. "Von Sarah kann ich viel lernen. Wir bauen uns gegenseitig auf. Bis ich wieder einsatzbereit bin, vergeht noch einige Zeit", prognostizierte Hoff wehmütig. Voraussichtlich zur Vorbereitung auf die Rückserie wird das junge Talent wieder voll ins Training einsteigen. Mit Hoffs unermüdlichen Ehrgeiz wird es aber wohl nicht ewig dauern, bis sie das versäumte Jahr aufgeholt hat. Ihre Mannschaftskolleginnen, die die Uerdingerin über alle Maße schätzt, werden ihr beistehen - so wie sie es während der langen Verletzungspause auch getan haben.

Einen Wunsch hat Hoff nach der Leidenszeit für die Zukunft - verletzungsfrei zu bleiben.

(sfk)