Willichs Kämmerer Willy Kerbusch hat den Haushaltsplan 2019 vorgestellt.

Haushaltsplan 2019 : Willich spart schon für morgen

Gestern Abend hat Willichs Erster Beigeordneter und Kämmerer Willy Kerbusch den Haushaltsplan 2019 vorgestellt. Die Lage entspannt sich weiter. Schulden abbauen und Rücklagen bilden, lautet die Devise.

Das Bild des sinkenden Schiffs hatte Willichs Kämmerer Willy Kerbusch in den vergangenen Jahren immer wieder gern bemüht, wenn er über die Finanzlage der Stadt sprach. Die Wirtschaftskrise hatte eben auch hier deutliche Spuren hinterlassen – kräftige Einsparungen und höhere Steuern für Bürger und Unternehmen waren die Folge. Seit 2016 läuft es aber wieder besser, es gab ein Plus von fast 700.000 Euro, das Jahr 2017 wird voraussichtlich mit einem Überschuss von sechs Millionen Euro abschließen, und auch 2018 sieht es gut aus: Mit 31 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer hatte Kerbusch gerechnet, eingenommen sind bis jetzt bereits 34 Millionen Euro. Am Ende dürfte ein Plus von rund vier Millionen Euro oder vielleicht sogar mehr  realistisch sein.

Gestern Abend brachte der Kämmerer den Haushaltsentwurf 2019 ein, die Politik wird diesen jetzt diskutieren. Auch das kommende Jahr wird mit einem kleinen Plus von 46.000 Euro abschließen (Kerbusch rechnet lieber vorsichtig), die folgenden Jahre sollten noch besser laufen, 2020 rechnet Kerbusch mit 1,9 Millionen Euro, 2022 könnten schon 3,8 Millionen möglich sein – wenn alles gut läuft, versteht sich. Trotz der guten Ausgangslage warnt Kerbusch die Politik allerdings davor, jetzt allzu großzügig Geschenke zu verteilen. „Natürlich gibt es beispielsweise Zuschüsse an Vereine, die gerechtfertigt und sinnvoll sind, ich bin aber kein Freund davon, die Vereinszuschüsse pauschal zu erhöhen“, so Kerbusch im Pressegespräch zum Haushalt.

Grund für die gute Entwicklung ist vor allem, dass die Einnahmen aus der Gewerbesteuer wieder sprudeln. 2008 war mit rund 38 Millionen Euro das Spitzenjahr, infolge der Finanzkrise sackten sie aber 2009 auf 23 Millionen Euro ab. „Früher hatten wir drei bis fünf Gewerbesteuerzahler, die jeweils mehr als eine Million Euro zahlten, inzwischen haben wir keinen mehr über 700.000 Euro. Aber wir haben jetzt einen guten Branchenmix mit 90 Prozent Mittelständlern und sind nicht mehr so konjunkturabhängig, wenn es in einzelnen Branchen kriselt“, sagte Kerbusch.Große Geschenke an die Bürger sieht seine Planung denn auch nicht vor, vielmehr solle die vor zwei Jahren eingeleitete Abkehr von drastischen Sparmaßnahmen weitergeführt werden, vor allem brauche die Stadtverwaltung wieder mehr Mitarbeiter, besonders in Bereichen, in denen es der Bürger unmittelbar spürt. Stichwort „Bearbeitungszeit von Bauanträgen“. Aber auch neue Kitas sind nötig, und für die braucht es Personal.

Die Tribüne der Schlossfestspiele Neersen hat ausgedient. 2019 soll es eine neue geben. Foto: Marc Schütz

Ein Ziel des Kämmerers ist  es, die Ausgleichsrücklage der Stadt wieder aufzufüllen, in der sich einmal 28 Millionen Euro befanden, die 2015 aber aufgebraucht war. Derzeit sind wieder sechs Millionen Euro drin, bis 2022 soll sie auf 15 Millionen oder mehr angewachsen sein. „Die Rücklage brauchen wir, um auch kritische Zeiten zu überstehen, ohne dass es gleich wieder ans Eingemachte geht.“ Zudem möchte Kerbusch die teuren Kassenkredite – vergleichbar mit dem Dispo – weiter reduzieren, von mehr als 27 Millionen Euro Ende 2015 auf unter zehn Millionen spätestens 2022.

Bei aller Sparerei soll es wie in den vergangenen Jahren, in denen die Infrastruktur in allen Stadtteilen ausgebaut wurde, aber durchaus weiterhin Investitionen geben. Beispielhaft nannte Kerbusch den Bau einer neuen Kita im Wohngebiet Wekeln X, den Kunstrasenplatz des DJK/VfL Willich, die Innenstadtgestaltung und natürlich die neue Feuerwache in Willich. Und: Für die Schlossfestspiele Neersen soll es schon in der Spielzeit 2019 eine neue Tribüne geben, „da die alte in jeder Beziehung nicht mehr den Anforderungen entspricht“, so Kerbusch. 200.000 Euro sind dafür im Haushalt 2019 eingeplant, den die Politik jetzt beraten, hier und da verändern und in der Ratssitzung am 18. Dezember beschließen wird.

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