Brandstifter waren Mitglieder der Feuerwehr Willich. Gericht verhängt Bewährungsstrafen

Brände in Schiefbahn, Willich und Tönisvorst : Bewährungsstrafe für zwei Brandstifter

Vor knapp zwei Jahren erschütterten Brandstiftungen die Willicher Feuerwehr: Die Täter waren selbst Mitglied der Wehr. Zwei von ihnen wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt. Ein weiteres Verfahren ist Ende des Monats.

Den Abend des 10. September 2016 werden die Bewohner des Mehrfamilienhauses an der Wilhelm-Busch-Straße in Schiefbahn sicher nicht vergessen – und auch den Feuerwehrkameraden wird der Tag wohl im Gedächtnis bleiben. Denn das Feuer, das wegen der mangelnden Luftzufuhr zum Glück auf den Keller des Hauses begrenzt blieb, war von einem langjährigen Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr gelegt worden. Der damals 33-Jährige wurde jetzt vom Amtsgericht Krefeld zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung wegen versuchter schwerer Brandstiftung verurteilt.

Willichs Feuerwehrchef und Stadtbrandmeister Thomas Metzer konnte es damals kaum fassen, dass ein Feuerwehrmann zu einer solchen Tat fähig ist: „Wir bringen uns Tag und Nacht für die Bürger unserer Stadt ein, und dann kommt einer aus unseren eigenen Reihen und tut genau das, was wir eigentlich verhindern wollen. Das habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt.“ Es sollte jedoch nicht das letzte Mal sein, dass ein Mitglied der Wehr zündelt.

Schon wenige Monate später, Anfang Februar 2017, gestanden zwei Angehörige der Willicher Jugendfeuerwehr, diverse Feuer in Willich, Tönisvorst und Umgebung gelegt zu haben. Auch einer dieser beiden damals 17-Jährigen wurde jetzt verurteilt: Er bekam eine Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung plus einen „Warnschussarrest“ von vier Wochen wegen Brandstiftung und Sachbeschädigung in acht Fällen, so Richter Maximilian Kuhn, Pressesprecher des Krefelder Amtsgerichts, auf Nachfrage unserer Redaktion. Das Verfahren gegen den anderen 17-Jährigen wurde abgetrennt, es wird Ende Oktober unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. An der Tat beteiligt war auch ein damals 21-jähriger Krefelder.

Anfang 2017 hatte die Kripo eine Häufung von Sachbeschädigungen durch Anzünden von Müll- und Altkleidercontainern in Willich festgestellt. Hinzu kamen Brandstiftungen in einer Garage in Willich, in zwei Gartenhäusern in St. Tönis sowie der Brand einer Strohmiete in Willich – rund 250 Strohrundballen standen in Flammen. Menschen kamen bei den Bränden glücklicherweise nicht zu Schaden. Die drei bis dahin unbescholtenen jungen Männer hatten angegeben, sich bei einem Feuerwehreinsatz beim Fotografieren der Feuerwehrarbeit kennengelernt zu haben. Als Motiv für ihre Taten gaben sie an, von den ausrückenden Feuerwehrfahrzeugen mit ihren Handys Videos zu drehen und diese ins Internet zu stellen. Der jetzt verurteilte junge Mann habe sich geständig gezeigt, so Pressesprecher Kuhn.

Anfang 2017 brannten 250 Strohballen an der Schiefbahner Straße in Willich. Dieses und andere Feuer hatten drei junge Männer gelegt. Foto: Günter Jungmann

Auch der damals 33-jährige Feuerwehrmann aus Schiefbahn gab seine Tat zu – es habe sich um eine „Spontantat“ gehandelt, die er bereue. Am späten Samstagabend des 10. September 2016, gegen 23.20 Uhr, wurden die Löschzüge Schiefbahn und Willich zu dem Kellerbrand gerufen. Als das erste Löschfahrzeug eintraf, wurde der Kellerbrand bestätigt, sodass die Alarmstufe wegen der vielen Menschen im Haus erhöht und Sirenenalarm für die Löschzüge Schiefbahn, Willich und Neersen ausgelöst wurde. Zwei Trupps unter Atemschutz gingen jeweils mit einem C-Strahlrohr in den Keller zur Brandbekämpfung vor. Weitere Atemschutztrupps wurden bereitgestellt und unterstützten die beiden Angriffstrupps. Die Bewohner, die sich noch im Haus befanden, wurden angewiesen, in den Wohnungen zu bleiben und Türen und Fenster geschlossen zu halten. Eine Person wurde durch Einatmen von Rauchgas leicht verletzt.

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