Mit Mahnfeuern machten die Landwirte im gesamten Kreis Viersen auf ihre aktuelle Situation aufmerksam

Mahnfeuer : Bauern setzten loderndes Zeichen

Mit Mahnfeuern machten die Landwirte im gesamten Kreis Viersen auf ihre aktuelle Situation aufmerksam. In Neersen brannte das Feuer auf dem Schützenplatz Klein Jerusalem.

„Ist der Bauer ruiniert, wird das Essen importiert“, „No Farm, no Food, no Future“, „Redet mit den Bauern, nicht über sie“ und „Gute Ware, faire Preise“ – die Transparente, die an den schweren Schleppern befestigt und im Licht der Traktorenscheinwerfer gut zu lesen sind, machen es deutlich. Die Landwirte haben mit der geplanten Agrarreform ein Problem und möchten ihre Sorgen und Nöte darstellen. „Uns Landwirten wird die Schuld für Insektensterben und Grundwasserverunreinigung in die Schuhe geschoben. Wir können nicht alles auffangen, was an ökologischen Problemen auftaucht. Alle tragen zu den Problemen bei, und alle zusammen müssen daran arbeiten“, bringt es der Willicher Ortslandwirt Helmut Oellers auf den Punkt.

Die Mahnfeuer in der gesamten Region waren ein erster Schritt, um mit Bürgern und Politik ins Gespräch zu kommen, die eigene Situation darzustellen und zu erläutern, wo nicht mit wissenschaftlich absicherten Erkenntnissen, sondern mit Halbwahrheiten und Fehlmeldungen gearbeitet wird. „Wir müssen Dinge, die wir verändern wollen, auch begleiten“, sagte Uwe Schummer. Der CDU-Bundestagsabgeordnete brachte den Landwirtschafts-Gipfel ins Spiel. Mittels Facharbeitsgruppen, bei denen auch die Landwirtschaft beteiligt ist, sollen Lösungen gefunden werden. „Wir müssen auch bereit sein, Leistungen zu belohnen. Wenn ein Landwirt Ackerfläche für Blühstreifen zur Verfügung stellt, dann muss dies honoriert werden“, betonte Schummer.

Er verwies auch auf den gigantischen Flächenverbrauch für Industrie und Wohnbebauung, der den Landwirten immer mehr Flächen wegnehme. Das Problem der fehlenden Fläche muss auf der anderen Seite mit extensiverer Landwirtschaft aufgefangen werden, um die Menge und Qualität der angebauten Lebensmittel zu erhalten. Das steht wiederum im krassen Widerspruch zu Zielen wie Artenvielfalt schützen und Grundwasser schonen. „Wie sollen wir da agieren? Immer weniger Fläche, aber gleiche Ansprüche an die Waren“, fragt sich nicht nur Oellers.

Maßnahmen für begrünte Dächer in Industriegebieten, Entsiegelungsprogramme für nicht mehr benötigte Flächen und das Verhindern von Schottergärten sind Möglichkeiten, der Natur zu helfen, wie Schummer verdeutlichte. Trotzdem braucht Landwirtschaft Fläche, um weiterhin wie bisher im Einklang mit der Natur arbeiten zu können. In Willich geht die Versiegelung indes mit Münchheide V und VI weiter. „Wir werden die Fläche bebauen. Wir brauchen Gewerbefläche“, sagte Dietmar Winkels. Die Aussage des designierten SPD-Bürgermeisterkandidaten, dass dafür Ausgleichsflächen geschaffen werden, ließ Landwirte und Besucher den Kopf schütteln. Zusätzliche Flächen gebe es schließlich nicht. Es handele sich um bestehende Flächen, die dann nur anders genutzt werden und womöglich auch der Landwirtschaft genommen werden.