Willich: Nutzfahrzeug-Museum präsentiert Lkw von Kaelble

Willich : Neue Projekte im Nutzfahrzeug-Museum

Das Willicher Nutzfahrzeug-Museum im Stahlwerk Becker zeigte seinen Besuchern beim Tag der offenen Tür drei aktuelle Projekte: einen Kaelble-Lastwagen, einen Büssing-Bus und ein stromlinienförmiges Fahrzeug.

Wenn erwachsene Männer leuchtende Augen bekommen wie kleine Kinder beim Auspacken ihrer Weihnachtsgeschenke, dann ist wieder Tag der offenen Tür im Nutzfahrzeug-Museum von Klaus Rabe. Am Sonntag gab es wieder Neues zu bestaunen. Drei Großprojekte sind zurzeit in Arbeit: Da ist zum einen ein sehr seltener Kaelble-Lkw, mit dessen Restauration begonnen wurde. Dann wird ein Büssing-Bus von 1947 aufgearbeitet. Und auch der stromlinienförmige Bus mit der Aluminium-Haut beschert dem Team um Klaus Rabe noch so manche Arbeitsstunde.

So, als könnten sie es kaum erwarten, waren viele Besucher schon vor der offiziellen Öffnung am Sonntagmorgen gekommen. Sie freuten sich auf unzählige Benzin- beziehungsweise Dieselgespräche mit Gleichgesinnten. Der graue Kaelble-Lkw war eine der Hauptattraktionen. Die Besucher erfuhren unter anderem, dass er in Backnang bei Stuttgart gebaut worden war und dass er besonders im Westteil des geteilten Berlin relativ häufig anzutreffen war. Klaus Rabe nannte den Grund: „Kaelble war der einzige Lkw-Hersteller, der Spediteuren in West-Berlin Kredite gewährte.“

Die Fahrzeuge galten als sehr robust. Während später die Motoren von Mercedes gekauft wurden, hat das Exemplar, das derzeit in Arbeit ist, noch einen Kaelble-Motor unter der langen Haube. Am Sonntag konnte auch das Führerhaus im Rohbau bestaunt werden. Es besteht aus Holz und wurde von einem Spezialisten im Sauerland gefertigt. Das Monster mit 14 Litern Hubraum und 180 Pferdestärken hatte Klaus Rabe bei einem Sammler in Süddeutschland entdeckt. Der 66-Jährige ist froh, dass zu seinem Tüftler-Team auch der erst 29 Jahre alte Johannes Hafermann gehört. Der gelernte Auto-Mechatroniker scheut auch kniffligste Arbeiten nicht. „Manchmal müssen wir aber auch Arbeiten an Spezialisten vergeben“, erklärte Hafermann.

Der Büssing-Bus, eine Vorkriegskonstruktion, wie es sie auch in Viersen gegeben hat, braucht noch jede Menge Arbeit. Klaus Rabe hofft, dass ihm noch jemand Fotos besorgen kann, auf denen dieses Modell auf den Straßen Viersens zu sehen ist. Johannes Hafermann hat noch ein eigenes Projekt, in das er jede Menge Sachverstand, aber auch Herzblut investiert: einen Eicher-Traktor, der als solcher noch nicht zu erkennen ist. Respekteinflößend sind jedoch sein Motor und das Getriebe, das er komplett neu aufgebaut hat und das von einem rosa geblümten Bettbezug vor Staub geschützt wird. „Ich habe ein halbes Jahr auf Teile gewartet“, sagte Hafermann. Nicht zuletzt aufgrund der Ersatzteilversorgung ist es unmöglich, Fertigstellungstermine für die Fahrzeuge zu nennen.

Das gilt auch für den Bus, der 1953 von der Nordwestdeutschen Fahrzeugbau in Wilhelmshaven gebaut worden war. Der Konstrukteur Professor Focke hatte früher Flugzeuge konstruiert, deshalb sieht der Bus auch vergleichsweise futuristisch aus: „Er hat einen hervorragenden Luftwiderstandswert: Wenn man den früher als Fahrer eines VW Käfer im Rückspiegel sah, dann hat man besser Platz gemacht“, erklärte Klaus Rabe. Auf einem Bauernhof in Frankreich habe er das seltene Fahrzeug entdeckt.

Rabe nennt seine kleine Gruppe von Restauratoren „Zupacker“. Was ihn ein wenig bekümmert: „Die Männer werden älter, einige können zwar noch ihre Erfahrungen einbringen, aber nicht mehr selber mit anpacken.“

Kerstin Achilles hatte Autos gebacken und dabei ebenso wie die Oldtimer-Freunde wahre Handarbeit geleistet, auch auf kleinste Details geachtet. Für die Männer liegen Lust und Frust oft eng beieinander. Johannes Hafermann weiß, dass man oft ein Problem löst und gleichzeitig fünf neue Probleme erkennen muss. Dass man im Nutzfahrzeug-Museum aber eine gute Arbeit leistet, hatte sich bis zu VW in Wolfsburg herumgesprochen. Der Autoriese kaufte einen Werksbus, der in Willich restauriert worden war. „Wir wollen im kommenden Jahr mal die Autostadt von VW besichtigen und uns in dem von uns restaurierten Bus herumkutschieren lassen“, sagte Klaus Rabe.