Künstler stellen im Gründerzentrum aus

Ausstellung im Gründerzentrum : Die vielen Gesichter des Kunstvereins

Der Willicher Kunstverein eröffnet am Sonntag, 11 Uhr, im Stahlwerk Becker die Ausstellung „Das zweite Gesicht“. Mitglieder und Gäste breiten das Thema in abwechslungsreicher Vielfalt aus.

Steht das zweite Gesicht für hellseherische Fähigkeiten, Dialog, seelische Spaltung, Widersprüche? Die Spannweite im Verständnis der Begrifflichkeit ist groß. Entsprechend vielfältig sind die Aspekte, die Mitglieder des Willicher Kunstvereins und Gäste in der Ausstellung „Das zweite Gesicht“ ausbreiten. Die Präsentation wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet. Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Jutta Otto-Gesterling und Bürgermeister Josef Heyes führt Kunsthistorikerin Ute Kaldune in die Werkschau ein.

Techniken und Gestaltung sind auch dieses Mal so verschieden wie die Anzahl der Künstler. Der Rundgang über zwei Etagen bietet spannende Begegnungen zwischen stillen und expressiv herausfordernden Ansichten. Jan van den Bongard bindet das Thema in gegenständlicher Gestaltung an die Lebensalter von Oscar Wildes Romanfigur mit dem menschlichen Wunsch nach ewiger Jugend. Sorgfältig ausgestaltet ist die Darstellung des jungen Dorian Gray, während dessen altes Ich halb verdeckt als Zeichnung angedeutet ist.

Der Niederländer Hans Janssen setzt das Thema skulptural in einer Verbindung von Keramik und Glas um. Seine Figuren sind oftmals betont kopflastig und strahlen eine ausdrucksstarke Bewegung aus.

In Impressionen der sizilianischen Stadt Catania betrachtet Reinhardt Heinen das Thema losgelöst vom menschlichen Gesicht. Im Spiel mit Licht und Schatten, Erhabenheit und Zerfall, zuweilen in dramatisch betonter Untersicht, zeigt der Maler das zweite Gesicht einer Stadt.

Zur Selbstreflexion laden die Folien des Ulrich Dibbern RICHART ein, die den Betrachter auffordern, in der Spiegelung das eigene zweite Gesicht hinter dem Sichtbaren zu entdecken.

Im gedämpften Weiß mit sparsamen Farbakzenten vor heller Wand strahlen die gleich einer Ahnengalerie gehängten „Menschenbilder“ und Objekte der Elisabeth Busch-Holitschke ausdrucksstarke Präsenz aus. Die Konturen der Wandbilder sind genäht. Herabhängende Fäden finden ihr assoziatives Pendant der Vergänglichkeit in genähten Flicken und legen sich teilweise wie Schleier über die Gesichter, deuten Verletzlichkeit an.

Raumbeherrschend ist Rike Oetzels Figur, die aus der Distanz betrachtet ein prachtvolles Gewand zu tragen scheint. Aus der Nähe entfaltet sich die Eigendynamik der verwerteten Materialien mit Alltagsbezug. Abhängig vom Blickwinkel verändert sich die Figur abermals und stellt über die sich wandelnde Ansicht die Frage nach dem wahren Gesicht.

Ursula Riefers Serie der „Lichtgestalten“ in den Bildern „flow images“ birgt fließende Bewegung und geheimnisvoll schillernde Lichteffekte. Der enge Kontakt zu einer muslimischen Familie inspirierte die Künstlerin, schwarz verhüllende Mäntel in die Vorstellung schimmernder Gewänder zu transformieren.

Wolfgang Wolter reflektiert das Thema in seiner quantitativen Bedeutung, addiert um eine Fortsetzung der Zahlenfolge. Bevorzugt im Profil reiht und kombiniert er Gesichter in sechs Aquarellen. Dabei bindet er die Auseinandersetzung mit der Identität eines Wesens in ein Spiel mit der Wahrnehmung ein.

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