Wesel: Schulleiterinnen vertrauen auf Schulfrieden

Nach Streit um zweite Gesamtschule: Rektorinnen vertrauen auf Schulfrieden

Die Schulleiterinnen der beiden Gymnasien und der Konrad-Duden-Realschule sehen in der geplanten zweiten Gesamtschule keine direkte Gefahr. Im Vorfeld hatten sie sich kritisch geäußert, jetzt setzen sie auf Versprechen von Politik und Verwaltung.

Ihre anfänglichen Sorgen wegen der geplanten Gründung einer zweiten Gesamtschule haben die Schulleiterinnen der weiterführenden Weseler Schulen, Realschule und Gymnasien, abgelegt. Das hat eine Umfrage unserer Redaktion bei den Schulleiterinnen ergeben. Tenor: Generell wird schulpolitisch die Gründung der zweiten Schule inhaltlich immer noch abgelehnt. Inzwischen haben aber sowohl die Gymnasialdirektorinnen Dorothée Brauner (AVG) als auch Karen Schneider (KDG) sowie Ina Gaastra (Realschule Nord) das Gespräch mit der Verwaltung und der Politik gesucht. „Ich schenke dem Zahlenwerk, das uns präsentiert worden ist, Vertrauen“, sagt Dorothée Brauner. „Wir bauen auf die Eckdaten der Stadt.“ Die Verwaltung habe mit der Politik versprochen, dass die Gymnasien nicht gedeckelt werden. Heißt konkret: Eine Begrenzung der Zügigkeit der Gymnasien als Folge möglicher zu geringer Oberstufenschülerzahlen in der neuen Gesamtschule wird von den Verantwortlichen derzeit ausgeschlossen. KDG-Leiterin Karen Schneider sagt: „Solange dieses Versprechen gehalten wird, sind auch perspektivisch keine Nachteile zu erwarten.“

Zur Vorgeschichte: Monatelang hatte der Weseler Schulstreit für Wirbel in Politik und Schullandschaft gesorgt. Im Mai eskalierte sogar eine Schulausschusssitzung, an der auch die Schulleiterinnen teilnahmen. Zunächst plädierte nur das Linksbündnis aus SPD, Grüne und Linke im Weseler Rat für die zweite Gesamtschule. Dann sagte CDU-Fraktionschef Jürgen Linz, dass auch seine Fraktion sich dem anschließe. Er begründet diese Position damit, dass es keine vernünftige Alternative zur zweiten Gesamtschule gebe. Auch die von FDP und WfW vorgeschlagene Sekundarschule sei nicht erfolgversprechend, meint Linz nach Rücksprache mit Christdemokraten anderer umliegender Städte.

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Realschulleiterin Ina Gaastra betont: „Ich sehe die neue Schule nicht als Konkurrenz.“ Ihre Schule habe im System eine spezielle Berechtigung. Karen Schneider, Leiterin des Konrad-Duden-Gymnasiums, wiederum sagt klar: Ich halte es aber nach wie vor für die falsche Entscheidung, eine zweite Gesamtschule in Wesel zu gründen, weil es nicht ausreichend Schüler geben wird, die dort in die gymnasiale Oberstufe eintreten und ein Abitur machen werden.“ Dies werde aber nach ihrer Ansicht keine Auswirkungen auf die Schülerzahlen am KDG haben. „Denn die Kinder, die ein Abitur machen wollen, werden wie auch in der Vergangenheit, mit großer Mehrheit eines der beiden Weseler Gymnasien wählen. Am Gymnasium sind gymnasial geeignete Kinder sehr gut aufgehoben, die Schulform wird von den Eltern bevorzugt gewählt.“ Sie betont, dass ihre traditionsreiche Schule schon lange erfolgreich arbeite und die neue Konkurrenz durch die Gesamt­schule nicht fürchte. Eine „Gefahr“ sei die neue Schule deshalb nicht: „Das Konrad-Duden-Gymnasium wird keine Schüler an eine neue Gesamtschule in Wesel verlieren. Ich habe auch die Gesamtschule am Lauerhaas bislang nie als Konkurrenz für das KDG wahrgenommen, da die Ausrichtung doch eine andere ist.“ Schneider rechnet sogar damit, dass die Anmeldezahlen in diesem Jahr steigen werden, da sie ab dem kommenden Schuljahr verlässlich am Gymnasium G 9 (in neun Jahren zum Abitur) anbieten kann.

In den vergangenen Jahren hatten die Gesamtschulen einen strategischen Vorteil gegenüber den Gymnasien, da sie schon G 9 anboten. Viele Eltern, die sich vor einem verdichteten Lehrplan mit acht Jahren an der weiterführenden Schule fürchteten, schickten ihre Kinder deshalb auf die Gesamtschule. Dieses Konzept wird auch mit dafür gesorgt haben, dass die Gesamtschule Lauerhaas in den vergangenen Jahren so erfolgreich war. „Damit verliert die Gesamtschule dieses Alleinstellungsmerkmal in Wesel“, betont Karen Schneider. Auch Dorothée Brauner sagt: „G 9 macht unsere Schule zusätzlich attraktiv. Wir packen jetzt eine Menge an.“ Das weitere Schuljahr bedeute nun mehr Zeit für individuelle Förderung, aber auch für mehr Zeit für zusätzliche Angebote wie zum Beispiel Zirkus, Orchester oder naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaften, erklärt Schneider.

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