Plädoyer für Gesang an St. Martin

Plädoyer für Gesang an St. Martin: Wie schön das klingt, wenn jeder singt

Mancherorts leuchten mittlerweile an St. Martin genauso viele Handys wie Laternen. Gesungen wird dafür kaum noch. Ein Plädoyer für etwas mehr gestern – zumindest an St. Martin.

Man will ja als aufgeklärter Mensch, der frohen Mutes in die Zukunft blickt, kaum glauben, dass früher wirklich alles immer besser war. In einem aber, und da trügt uns die Erinnerung wohl kaum, war früher wirklich alles besser: Früher wurde an St. Martin noch wirklich mitgesungen, und zwar nicht nur von den Kindern, sondern auch von den Erwachsenen. So ein Martinszug ist nämlich keine Betroffenheitswanderung im Dunkeln, kein Schweigemarsch für das Teilen. Nein, an St. Martin soll kräftig gesungen werden, ruhig laut, und gerne auch ein Lied dreimal. Lasst uns froh und munter sein!

Die Wahrheit sieht vielerorts anders aus. Als Dreifachpapa habe ich in den vergangenen Jahren so manchen Zug am Niederrhein mitgemacht. Zunehmend fehlte mir in den vergangenen Jahren der Gesang bei dieser Veranstaltung. Parallel dazu nahm allerdings das Leuchten der Mobiltelefone zu. Natürlich will man seine Kinder für die Nachwelt einmal fotografieren. Aber zumindest die Weltnachrichtenlage könnte für die Dauer des Martinszuges egal sein. Am besten wirkt so ein Martinszug nämlich, wenn nur die Laternen leuchten.

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Das Martinsfest ist das schönste aller Feste für Kinder, weil es auch eine Feier der Lichter ist. Die Kinder können ihre hübschen Fackeln präsentieren, die sie mit Hilfe der Eltern mühevoll gebastelt haben. Das Tröstliche: Selbst die misslungenste Laterne fällt nicht weiter schlecht auf, weil der Clou eben die Kerze oder die Birne darin ist. So leuchtet auch wundervoll, was kein vollendetes Kunstwerk ist.

Diese Kolumne soll ein Plädoyer für kräftiges Mitsingen und gegen exzessiven Einsatz des Handys beim Martinszug sein. Wir wollen uns der Moderne nicht verwehren. Es hat schon was für sich, wenn man Oma und Opa das Bild der gebastelten Laterne direkt bei Whatsapp senden kann. Man sollte aber präventiv laut singen an St. Martin – es könnte nämlich sein, dass Oma und Opa zurückrufen und sich für das Foto bedanken. Spätestens dann wird man froh sein, wenn die eigene Stimme das Geräusch des Handys übertönt. Ach: Wie schön das klänge, wenn jeder sänge!

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