Insolvenz bei Testrut wegen Streits mit Aldi: Zwölf Jobs fallen weg

Weseler Unternehmen: Testrut-Insolvenz wegen Streits mit Aldi: Zwölf Jobs fallen weg

Der Discounter will stark ins Online-Geschäft einsteigen. Offenbar bestellten aber die Kunden die angebotenen Gartenmöbel nicht in dem Maße wie von Aldi erhofft. Testrut blieb auf der Ware sitzen.

Rund zwei Monate nach Verkündigung der Insolvenz hat sich das Weseler Unternehmen Testrut mit Sitz im Gewerbegebiet Am Schornacker zu seinen Zukunftsplänen geäußert. Zum Unternehmen mit 140 Mitarbeitern in Wesel gehören mehrere Gesellschaften. Geplant ist nun, dass der Geschäftsbetrieb der Robert Testrut GmbH & Co. KG mit zwölf Mitarbeitern eingestellt wird. Für die weiteren rund 130 Mitarbeiter in den anderen beiden Gesellschaften geht es im Unternehmen weiter, auch für 50 Mitarbeiter in Thüringen. Das Unternehmen werde sich weiter „zukunftsfähig aufstellen“, hieß es in einer Mitteilung von Geschäftsführung, Sachwalter sowie Beratern der Kanzlei Görg. Maßgeblich beigetragen zur Entwicklung habe besonders das große Engagement der gesamten Mitarbeiterschaft in den vergangenen Wochen.

Testrut betreibt an der Straße Am Schornacker ein Handelshaus, lagert nach eigenen Angaben 5000 unterschiedliche Artikel, vom Pfannenwender bis zur Gartenmöbel-Sitzgruppe. Das über 80-jährige inhabergeführte Unternehmen handelt mit Produkten rund um Haus und Garten und vermarktet dabei an den Einzelhandel: stationär wie online. In Wesel gibt es einen eigenen Showroom. 140 Millionen Euro Umsatz pro Jahr verzeichnet Testrut. Einer der großen Geschäftspartner ist das Unternehmen Aldi.

Im August hatte Testrut auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt, dass eine nicht abgenommene Menge an Gartenmöbeln die wirtschaftliche Lage bei Testrut strapazierte. Aus unternehmensnahen Kreisen von Testrut wurde nun am Freitag Folgendes bekannt: Der Geschäftspartner Aldi habe zur Saison 2018 stärker ins Online-Geschäft einsteigen wollen. Die gesamte Prozesskette für das Online-Geschäft mit Dienstleistungen bis hin zur Lieferung an den Endverbraucher sollte dabei von Testrut abgedeckt werden. Die Bestellungen von Online-Artikeln gingen aber nicht in der Zahl ein wie angenommen. Letztlich blieben die Kosten bei Testrut hängen. Testrut teilte am Freitag mit: „Die von der Robert Testrut GmbH & Co KG vorgehaltene Saisonware, insbesondere handelte es sich dabei um Gartenmöbel, wurde nicht wie geplant abgenommen. Dies hatte letztendlich auch zu dem Liquiditätsengpass der weiteren Unternehmen der Testrut-Gruppe beigetragen.“

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Unsere Redaktion befragte auch Aldi Süd mit Sitz in Mülheim. Eine Unternehmenssprecherin teilte nur mit: „Wir sind in unserer Zusammenarbeit mit der Firma Robert Testrut GmbH & Co. KG allen unseren vertraglichen Verpflichtungen nachgekommen. In intensiven Gesprächen haben wir darüber hinaus gemeinsam an einer Lösungsfindung gearbeitet – leider jedoch ohne Erfolg.“

Das zuständige Amtsgericht hatte Andreas Röpke von der Kanzlei hrm, Henneke Röpke Rechtsanwälte, zum 1. November dieses Jahres zum Sachverwalter bestellt und auch die Eigenverwaltung für die beiden Testrut-Gesellschaften angeordnet.

Die eingeleitete Restrukturierung wird für die Testrut GmbH und Testrut Service GmbH auch in den nun eröffneten Verfahren, in denen Löhne und Gehälter für rund 130 Beschäftigte in Wesel und 50 in Triptis (Thüringen) nun wieder regulär durch die Gesellschaften gezahlt werden, planmäßig fortgeführt. Die Testrut GmbH schreibt: „Besonders nachdenklich macht, dass die kritische Situation für die Robert Testrut GmbH & Co KG nach fast 20 Jahren der Zusammenarbeit und im Rahmen einer strategischen Partnerschaft der Parteien eingetreten ist“, sagt Robert Testrut, Geschäftsführer der Gesellschaft. Sachwalter Andreas Röpke betont, dass eine Fortführung der Geschäftsbeziehung nicht möglich sei. Das Unternehmen richtete seinen Dank in der Mitteilung an die weiteren Geschäftspartner.

(sep)
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