Wesel: Politik denkt an zweite Gesamtschule

Wesel : Politik denkt an zweite Gesamtschule

Hinter verschlossenen Türen hat die Verwaltung mit den Spitzen der Weseler Ratsfraktionen über die Möglichkeit gesprochen, künftig alle Weseler Kinder mit Hauptschulempfehlung in Gesamtschulen zu unterrichten.

Weil die proppenvolle, mittlerweile achtzügige Gesamtschule am Lauerhaas fürs neue Schuljahr rund 25 Viertklässler ablehnen musste, von denen mehrere eine Hauptschulempfehlung haben und die jetzt wegen der auslaufenden Martini-Hauptschule von der Konrad-Duden-Realschule aufgenommen werden müssen, sucht die Politik krampfhaft nach einem Weg, dieses Problem mittelfristig in den Griff zu bekommen ist. Denn die Zahl der Kinder mit Hauptschulempfehlung wird dauerhaft steigen - nicht zuletzt Folge des Zuzugs von Flüchtlingsfamilien. Nach Informationen unserer Redaktion haben am Dienstag unter anderem die Vorsitzenden der Ratsfraktionen zusammen mit den schulpolitischen Sprechern der Fraktionen und der Verwaltungsspitze hinter verschlossener Tür über die Gründung einer zweiten Gesamtschule gesprochen. Wobei sowohl die beiden Weseler Gymnasien als auch die Konrad-Duden-Realschule Bestandsschutz haben sollen.

Für Insider wäre folgende Variante denkbar: Die Lauerhaas-Gesamtschule könnte künftig fünf, die angedachte neue Gesamtschule vier Züge haben. Nicht auszuschließen wäre, dass die neue Gesamtschule in die Räume der Duden-Realschule im Feldmarker Schulzentrum einzieht, die Duden-Realschule im Gegenzug in die Innenstadt wechselt. Und zwar in die Räume der auslaufenden Realschule-Mitte, in denen sich auch die Dependance der Lauerhaas-Gesamtschule befindet. Allerdings könnte es wohl auch die Möglichkeit geben, dass die Düsseldorfer Bezirksregierung neun Züge an der Lauerhaas-Gesamtschule genehmigt. Über die Frage, ob es in Wesel für eine zweite Gesamtschule überhaupt genügend Viertklässler mit Empfehlung für Gymnasium und Realschule gibt, soll bei dem Treffen unmittelbar nach der Ratssitzung nicht gesprochen worden sein. Entweder, weil diese Problematik den Beteiligten nicht wirklich bewusst ist oder sie zum aktuellen Zeitpunkt noch verschwiegen werden soll. Fakt ist aber, dass nach der Gründung einer zweiten Gesamtschule Kinder an fünf Schulen in Wesel das Abitur ablegen könnten: am Andreas-Vesalius-Gymnasium, am Konrad-Duden-Gymnasium, an den beiden Gesamtschulen und am Berufskolleg in der Feldmark.

Öffentlich soll die Debatte erst während der nächsten Sitzung des Schul- und Sportausschusses am Donnerstag, 17. Mai, 16.30 Uhr, geführt werden. Dann dürfte es auf den Besucherplätzen richtig voll werden. Bis dahin werden sich erfahrungsgemäß die Politik und vor allem auch die Vertreter der Eltern zu Wort gemeldet haben. Wie zu hören ist, gibt es bereits Stimmen, die vor der Schließung eines der beiden Gymnasien warnen und eine Abwanderung von Schülern nach Dinslaken beziehungsweise Rees oder Bocholt befürchten.

(RP)
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