1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Die heilsame Wirkung des Singens

Klinik Wersbach in Witzhelden : Die heilsame Wirkung des Singens

Die Klinik Wersbach in Leichlingen-Witzhelden erhielt jetzt das Zertifikat „Singende Krankenhäuser“. Musiktherapeutin Kerstin Kellermann hat das entspannte, gemeinsame Singen mit Patienten erfolgreich in den Klinikalltag integriert.

Singen kann entspannen, messbar beruhigend wirken, das gute Gefühl von Gemeinschaft vermitteln. Wer erinnert sich nicht gerne an das Wohlbefinden und die Geborgenheit, wenn Eltern am Bett ein Gute-Nacht-Lied sangen, man als Kind es bis zum Einschlafen mitsummte oder mitsang? Ähnlich positive Gefühle weckt das heilsame Singen, das mittlerweile in einigen Krankenhäusern für Patienten angeboten wird.

Auch die Klinik Wersbach für seelische Gesundheit in Leichlingen-Witzhelden lädt Menschen zu dieser Form eines leistungs- und wertfreien Singens einfacher, eingängiger Lieder aus verschiedenen Kulturen ein. Wie andere Krankenhäuser hat sie diese Form der Musik in den Klinikalltag integriert und wurde dafür vom Verein „Singende Krankenhäuser“ zertifiziert. Die Singgruppe im Krankenhaus gilt nicht als Therapieansatz, sondern als eine gute Ergänzung, die Menschen einen leichten Zugang zum Singen eröffnet.

„Das ist ein Bausteinchen unserer Arbeit. Das heilsame Singen ist einfach gestaltet, mit ganz vielen Wiederholungen. So ist es fast wie ein Mantra-Singen. Es schafft einerseits Gemeinschaft, andererseits findet man auch zu sich selbst“, sagt Kerstin Kellermann zu den positiven Wirkungen des Singens in der Gruppe. Die Musiktherapeutin der Klinik Wersbach trägt als Beispiel ein Willkommenslied vor, das die Gruppe oft zu Beginn eines Treffens gemeinsam anstimmt. Schon nach wenigen Takten kann jeder die einfache Melodie mitsummen und mit Textblatt auch mitsingen. Es wirke beruhigend, verbinde, schaffe ein Gefühl von Zusammenhalt, Gemeinschaft, Angenommen-Sein, sagt Kellermann.

Manchen Patienten koste es anfangs Überwindung vor anderen zu singen, weil sie in der Schulzeit mit Vorsingen negative Erfahrungen gemacht hätten. Anfängliche Hemmschwellen werden behutsam überwunden. Den Teilnehmenden vermittelt Kerstin Kellermann, dass es beim Singen nicht um richtig und falsch geht, sondern um eine ungezwungene Singerfahrung. Es wird Wert auf einen respektvollen Umgang miteinander gelegt. Begleitet wird der Gesang teilweise mit Gitarre, Rasseln oder Percussion-Instrumenten. Zweimal in der Woche gibt es dieses offene, einstündige Angebot zum Start in den Tag oder zum Ausklang. In Corona-Zeiten bedeutet dies trotz regelmäßiger Schnelltests aller Patienten: möglichst draußen zu singen mit viel Abstand und Maske in einer Gruppe von bis zu zehn Patienten oder auch nur zu summen statt zu singen. Kellermann: „Was derzeit möglich ist, spreche ich immer mit der Geschäftsführung ab.“

Zum Repertoire gehören auch schwung- und stimmungsvolle Lieder oder und Wunschsongs der Patienten. Die Auswahl passe sie der jeweiligen Gruppe an. Ein künstlerischer Anspruch wird nicht erhoben. „Es geht um den spontanen Stimmausdruck, oft ergänzt durch leichte Bewegungen oder einer Beobachtung der Natur“, beschreibt die Musiktherapeutin die Praxis des heilsamen Singens. Es fördere nicht nur die Selbstheilungskräfte, sondern auch die Dialogfähigkeit mit anderen und mit sich selbst. Und die Texte können eine Auseinandersetzung mit der Sinnhaftigkeit des Lebens fördern – wobei Singende Krankenhäuser nicht konfessionsgebunden seien. Insgesamt erhalte sie eine positive Resonanz auf das heilsame, Freude weckende Singen, viele seien begeistert.

Um das Angebot im Haus etablieren zu können, hat Kerstin Kellermann in mehreren Ausbildungsmodulen eine Zusatzqualifikation als Singleiterin erworben.

Die Idee der „Singenden Krankenhäuser“ geht auf die Initiative des Singforschers und Musiksoziologen Karl Adamek zurück. Sein Ziel: ein Alltagssingen wegen seiner vielfachen positiven Wirkungen zu fördern.