Trotz Bauboom fehlen in Kreis Viersen noch Wohnungen

Zu wenig Wohnungen : Mehr als 640 Neubauwohnungen im Kreis Viersen

Was nach viel klingt, wird nicht reichen, um den Bedarf zu decken. Das legen verschiedene Untersuchungen nahe

Vom Single-Apartment bis zum Bungalow: Im Kreis Viersen sind im vergangenen Jahr 643 Neubauwohnungen entstanden – 265 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Darauf wies am Donnerstag das Verbändebündnis Wohnen hin, in dem sich Baugewerkschaft IG Bau und Bauwirtschaft zusammengeschlossen haben. Das Bündnis beruft sich bei den Zahlen auf die aktuelle Bau-Bilanz der fertiggestellten Wohngebäude, die das Statistische Bundesamt.herausgegeben hat. Insgesamt haben die Bauherren im Kreis Viersen demnach im vergangenen Jahr knapp 130 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen investiert. „Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn die Wohnraum-Offensive der Bundesregierung klappen soll“, sagt Holger Vermeer (IG Bau) vom Verbändebündnis.

Die NRW-Bank hatte in ihrem im vergangenen Jahr vorgelegten Wohnungsmarktreport das Defizit an Wohnraum für den Kreis Viersen auf insgesamt bis zu 2000 Wohnungen pro Jahr beziffert. Der Kreis, so geht aus dem Report hervor, hat insbesondere deshalb Probleme, weil in keiner anderen Stadt und in keinem anderen Kreis in NRW die Zahl der Alleinlebenden so stark zunehmen wird wie dort – bis 2030 um bis zu drei Prozent.

Das Institut Inwis Forschung und Beratung in Bochum, das vor einem Jahr eine neue Prognose für die Stadt Viersen erstellt  hat, gab den Neubaubedarf für die Kreisstadt mit
424 Wohneinheiten pro Jahr bis 2020 an. Die Baulobby im Verbändebündnis kritisiert: Insgesamt seien bundesweit im vergangenen Jahr nicht einmal 285.000 Wohnungen neu gebaut worden. Dabei habe die große Koalition von Union und Sozialdemokraten eine ganz andere Messlatte gelegt:
1,5 Millionen Neubauwohnungen bundesweit bis 2021 – also 375.000 pro Jahr.

„Das bedeutet, dass der Wohnungsneubau schon in diesem Jahr um satte 32 Prozent zulegen müsste“, rechnet Holger Vermeer vor. „Danach sieht es allerdings bislang weder in Nordrhein-Westfalen noch bundesweit aus.“

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