Schwalmtal: Schüler lernen Arbeitsalltag kennen

Schwalmtal : Schüler lernen Arbeitsalltag kennen

Acht- und Neuntklässler der Europaschule Schwalmtal und des Förderzentrums West schnupperten im Amerner Pfarrzentrum in sieben Berufsfelder hinein. Das soll ihnen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen

Fallstricke beim Vorstellungsgespräch, der richtige Umgang mit Vorgesetzten und die eigene Beurteilung von Stärken und Schwächen: Zu all diesen Themen konnten am Dienstag und Mittwoch rund 80 Schüler der Europaschule Schwalmtal und des Förderzentrums West ihr Wissen erweitern.

Das Planspiel „Fit für den Arbeitsalltag“ im katholischen Pfarrzentrum „Die Brücke“ in Amern simuliert das spätere Berufsleben und gibt Acht- und Neuntklässlern einen Einblick in sieben Ausbildungsberufe: Boutique, Gärtnerei, Büro, Grafik, Metallhandwerk, Schreinerei sowie Catering. Die Veranstalter legen großen Wert auf den Praxisbezug: „Alle Schüler werden zu Praktikanten und durchlaufen während des Planspiels verschiedene Praktikumsstellen, sogenannte Werkstätten“, erläutert Steffi Kemmerling vom Fachbereich Kirchliche Jugendarbeit des Bistums Aachen.

Der erste Beruf wird jeweils ausgelost, später können sich die Teilnehmer frei aussuchen, welchen Beruf sie noch ausprobieren möchten. In jeder Werkstatt spielt ein Mitglied der beteiligten Kooperationspartner den „Chef“, der das Bewerbungsgespräch führt und die Schüler in die zu erledigenden Aufgaben einweist. Denn nach einem kurzen Vorstellungsgespräch in der jeweiligen Werkstatt absolvieren die Schüler verschiedene Aufgaben, auch schon einmal mit zeitlichem Abstand: „Wir achten wie jeder Arbeitgeber zum Beispiel auf Pünktlichkeit: Wenn der Vorgesetzte dem Praktikanten sagt, er solle in zehn Minuten nochmals kommen, muss sich der Schüler selbst organisieren und rechtzeitig wieder zur Stelle sein.“

Die Aufgaben sind dem jeweiligen Berufsbild angepasst: In der Boutique wird die Schaufensterpuppe dekoriert oder Bekleidung aufgebügelt, in der Gärtnerei werden Blumen eingetopft, im Büro Belege zusammengerechnet oder eine Materialbestellung aufgegeben. Jeder Schüler erhält ein Berichtsheft, das er führen muss, sowie einen Bogen, in dem er selber seine Stärken und Schwächen einschätzen soll.

Am Ende des Planspiels geht jeder Schüler nochmals zu der ersten Werkstatt, die er an diesem Tag besucht hat, und erhält dort in einem Feedback-Gespräch eine Rückmeldung über sein Verhalten während des Praktikums in diesem Bereich. „Die Schüler erhalten in ihren Schulen ja bereits berufsvorbereitende Maßnahmen, das Planspiel soll eine sinnvolle Ergänzung darstellen“, so Kemmerling. „Es geht uns darum, den Schülern die Basics näherzubringen: Pünktlichkeit, Höflichkeit, Kommunikationsfähigkeit. Dazu gehört, dass man die Kappe zum Bewerbungsgespräch abnimmt, aber auch, dass die Jugendlichen lernen, Fragen an mögliche spätere Arbeitgeber zu stellen.“ Das Planspiel sei ein geschützter Raum, um dies zu testen und das Gelernte dann in ihren realen Praktika umzusetzen.

Camilla (15) arbeitet gerade in der Metallwerkstatt, trägt eine Schutzbrille und bohrt konzentriert ein Loch in eine Metallplatte. „Es ist interessant, auch wenn der Bohrer sehr schwer ist“, sagt die Hauptschülerin lachend. Das erste Vorstellungsgespräch habe sie als ungewohnt empfunden. „Ich war so aufgeregt und habe ganz vergessen, meinem Gegenüber die Hand zu geben.“ Zudem müsse man an vieles gleichzeitig denken. Das Planspiel gefalle ihr gut, da es für spätere Vorstellungstermine hilfreich sei. Auch die Aufgaben, die man in den verschiedenen Werkstätten absolvieren müsse, seien sehr abwechslungsreich.

Auch die nächsten Stationen hat sich Camilla bereits überlegt: Als nächstes möchte sie beim Catering und in der Boutique arbeiten. Dort hat soeben Labinot (15) sein Praktikum begonnen. Ihm gefalle das Planspiel gut, es sei sehr interessant und gebe gute Einblicke in das Berufsleben. Später würde er gerne etwas Handwerkliches machen, daher möchte er im Laufe des Tages noch in die Metallwerkstatt und die Schreinerei. Er habe keine Scheu vor der Boutique-Werkstatt gehabt: „Ich dachte einfach, da gehe ich auch mal hin“, sagt der 15-Jährige.

(eva)
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