Viersen: So soll die neue Rettungswache in Dülken aussehen

Viersen : Stadt zeigt Pläne für neue Rettungswache

Einstimmig beauftragte Viersens Politik die Stadtverwaltung, die Planung für den Bau in Dülken voranzutreiben – obwohl ein Kreis-Gutachten einen anderen Standort vorsieht. Mit dem Kreis sollen Gespräche geführt werden

Zuckerbrot und Peitsche – das sind die beiden Komponenten, mit denen die Viersener Politik den Zwist mit dem Kreis Viersen um den Rettungsdienstbedarfsplan lösen will.

Zum einen sprachen sich die Politiker des Viersener Ordnungsausschusses am Dienstagabend nach zweistündiger, teils erregter Diskussion einstimmig dafür aus, dass die Viersener Stadtverwaltung Abstimmungsgespräche mit dem Kreis für den geplanten Neubau einer Rettungswache am Ransberg in Dülken aufnimmt. Ein Gutachten des Kreises Viersen sieht den idealeren Standort hingegen in Mackenstein. Und: Die Viersener Politiker verzichteten darauf, ein Gegengutachten zum Standort in Auftrag zu geben. Versöhnliche Signale also.

In der geplanten Rettungswache sollen zehn Arbeitsplätze entstehen. Die Stadtverwaltung soll die Bauleitplanung einleiten. Foto: Stadt Viersen

Zum anderen erteilten der Ordnungsausschuss einstimmig der Stadtverwaltung den Auftrag, die Planungen für die neue Rettungswache am Ransberg in Dülken fortzuführen und das Bauleitplanverfahren einzuleiten. Zudem soll die Verwaltung Vorgespräche mit den Krankenkassen aufzunehmen, die die Baukosten tragen müssen. Beides dürfte eher in die Abteilung „Peitsche“ fallen – denn beide Maßnahmen stehen den Empfehlungen des vom Kreis Viersen beauftragten Gutachters diametral entgegen. Viersens Ordnungsdezernent Norbert Dahmen präsentierte bereits erste Entwürfe des geplanten Neubaus. Botschaft: Uns ist es ernst mit dem Neubau am Ransberg. Und: Einstimmig sprachen sich die Viersener Politiker dafür aus, dass die Kreisleitstelle weiterhin an die Feuerwehr Viersen angebunden bleibt. Im Gutachten des Kreises wird das kritisch gesehen.

Die Stadt Viersen plant ihre Rettungswache (rechts im Bild) am Ransberg in Dülken, neben dem VW-Händler an der Dülkener Straße. Foto: Stadt Viersen

Weil es in der Vergangenheit insbesondere in Dülken und St. Tönis zu massiven Verletzungen der vorgeschriebenen Hilfsfristen gekommen ist – acht Minuten im städtischen Raum, zwölf Minuten im ländlichen Gebiet –, will die Kreisverwaltung das Rettungswesen im Kreis Viersen neu ordnen. Dabei sollen Gemeindegrenzen keine Rolle mehr spielen. Diverse Kommunen im Kreis reagierten auf das Gutachten gereizt, weil ihre Planungen darin nicht berücksichtigt wurden und weil mit den Trägern der Rettungsdienste nicht vorab gesprochen wurde. Diese Gespräche sollen nun in naher Zukunft stattfinden, kündigte der Kreis an.

Frank Kersbaum, Leiter der Viersener Feuerwehr, kritisierte im Ordnungsausschuss das vorgelegte Gutachten massiv. „Die Ist-Struktur wurde zu wenig berücksichtigt, so hat sich der Gutachter die Rettungswachen nicht angesehen.“ Eisenbahnlinien seien nicht hinreichend erwähnt. „Wenn ich die nicht habe, dann ist die ganze Ableitung mangelhaft.“ Zwar sei der Gutachter rund 360 Kilometer durchs Kreisgebiet gefahren, „das ist aber zu wenig“, kritisierte Kersbaum. „Wir sind die Experten. Wir wissen, dass wir vom Standort Gerberstraße in der Rush Hour nicht innerhalb von acht Minuten in Süchteln sein können. Leider wurden wir nicht gefragt. Darüber sind die Kameraden mies gestimmt.“ Weder der Leiter der Kreisleitstelle noch der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes seien bei der Erstellung des Gutachtens gefragt worden, so Kersbaum.

Die schlechten Werte bei den Einsatzzeiten in Dülken sind seit Mai passé – da nahm die Stadt Viersen an der Sternstraße eine Interims-Rettungswache in Betrieb, hat auch einen zusätzlichen, vierten Rettungswagen im Einsatz. Kersbaum warb noch einmal für den Standort am Ransberg. „Von dort erreichen wir innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist 77.000 Menschen. Es ist der ideale Standort.“

Jörg Dickmanns (SPD) erinnerte an die Vorgeschichte: „Bereits Anfang 2017 haben wir erste Planungen zum Bau der Rettungswache am Ransberg vorgenommen. Im August beauftragte der Kreis den Gutachter, zwölf Tage später haben wir dem Kreis unsere Planungen für den Standort Ransberg zurückgemeldet. Wir nehmen das Gutachten des Kreises zur Kenntnis, bleiben aber bei unserem Ziel, die Rettungswache am Ransberg zu bauen.“

Stephan Seidel (CDU) erklärte, auch seine Fraktion sei für den Standort am Ransberg, wolle aber vor einer Entscheidung zunächst den Gutachter hören. „Es gibt eine ganze Menge Fragen, die wir beantwortet haben wollen.“ Er wies auf das Patt hin: „Der Kreis muss Einvernehmen mit uns erzielen, aber er muss auch den Standort genehmigen. Wir sollten daher an den Tisch der Sachlichkeit zurückkehren. Wenn wir uns bis aufs Blut bekämpfen, kommen wir keinen Schritt weiter.“

Die Sitzung wurde unterbrochen, anschließend verabschiedeten die Politiker einen geänderten Beschluss: Das von der Verwaltung vorgeschlagene „Gegengutachten“ für den Standort Ransberg wird zunächst nicht in Auftrag gegeben. Außerdem soll die Stadtverwaltung Abstimmungsgespräche mit dem Kreis führen. Aber: Die Planungen für Ransberg sollen weitergeführt werden. Und: Der Gutachter wird zu einer Sondersitzung eingeladen.

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