Ein Besuch im Dorv-Laden in Viersen-Boisheim

Einkaufen in Viersen : Ein Dorf und sein Laden

Seit 2015 haben die Boisheimer wieder einen eigenen kleinen Supermarkt — den einzigen im Ort. Das Angebot werde gut angenommen, sagt der Geschäftsführer. Doch es sei noch Luft nach oben.

Rindfleisch aus der Metzgertheke, Aufschnitt und eine Packung Kochbeutel-Reis hat die Kundin an diesem Vormittag schon in ihren Einkaufskorb gepackt. Als nächstes möchte sie noch bei Verkäuferin Aspasia Kamps am Tresen Brot bestellen, denn „das ist hier sehr lecker“, sagt die 48-jährige. Gerade hat sie bezahlt, da kommt auch schon die nächste Kundin zur Kasse: mit dem Autoschlüssel in der einen und dem Korb in der anderen Hand. „Ich bin häufiger hier“, erzählt die 77-Jährige, während sie eine Honigmelone und eine Packung Waschpulver auf den Tresen legt. „Ich finde es sehr gut, dass es diesen Laden gibt, deshalb möchte ich ihn unterstützen“, ergänzt sie. Seit Oktober 2015 existiert der Boisheimer Dorfladen mittlerweile, und das Angebot werde gut angenommen, sagt Geschäftsführer Michael Wolter. „Es ist aber noch Luft nach oben.“

Vom angrenzenden Café aus hat Geschäftsführer Michael Wolter freie Sicht ins Ladenlokal. Foto: Nadine Fischer

Als Wolter 2005 nach Boisheim zog, war im Ort schon kein Supermarkt mehr angesiedelt. „Wir hatten hier noch einen Bäcker und einen Kiosk, zwischendurch mal zwei Metzger“, erzählt der 66-Jährige. Auch einen Treffpunkt für Vereine habe es nicht gegeben. 2014 beschlossen deshalb ein paar Boisheimer, das ausgediente Feuerwehrgerätehaus am Pütterhöfer Weg zum „Dorv“-Zentrum mit angeschlossenem Laden umzubauen. Die Abkürzung „Dorv“ setzt sich aus „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung“ zusammen, die Boisheimer waren am Beispiel Jülich auf das Prinzip aufmerksam geworden und haben es übernommen.

Die gemeinnützige Boisheim GmbH gründete sich, dahinter steht eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts als alleiniger Gesellschafter – mit rund 70 Anteilgebern aus Boisheim, die etwas mehr als 25.000 Euro einbrachten, erklärt Geschäftsführer Wolter. Sponsoren gaben auch Geld dazu, sodass ein Laden und ein Café im Feuerwehrhaus eingerichtet werden konnten.

Seit Oktober 2015 betreiben Boisheimer ehrenamtlich das Dorv-Zentrum mit Laden und Café. Foto: Nadine Fischer

„Wir sind gemeinnützig, wir erzielen keine Gewinne“, sagt Wolter. „Der Gewinn ist immer ein lebendiges Dorfzentrum“, ergänzt er dann – und darum gehe es auch bei der ganzen Sache. Die Einnahmen aus Laden und Café seien vor allem dazu da, um das Gebäude als Treffpunkt für die Boisheimer unterhalten zu können. Dort können Vereine Versammlungen abhalten, Senioren sich beim Kaffee zusammensetzen, Nähgruppen an ihren Maschinen arbeiten, es gibt Beratungsangebote der Polizei und einen Weihnachtsbasar. „Wir möchten gerne noch mehr anbieten“, sagt Wolter und denkt dabei an Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen. Doch um das stemmen zu können, müssten die Boisheimer in Café und Laden noch ein bisschen mehr Geld ausgeben.

Zum Sortiment gehören Produkte für den täglichen Bedarf. Foto: Nadine Fischer
Michael Wolter ist Geschäftsführer, Aspasia Kamps ist dort eine von drei Angestellten. Foto: Nadine Fischer

Drei Angestellte wechseln sich im Dorfladen ab, geöffnet ist montags bis freitags von 8 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, samstags von 8 bis 13 Uhr. Auf 100 Quadratmetern seien geschätzt 1000 Artikel für den täglichen Bedarf verfügbar, erzählt Wolter. Zahnbürsten, Nudeln, Tiefkühlpizza, Konserven, Putzmittel, Obst und Gemüse gehören ebenso zum Sortiment wie Molkereiprodukte, Getränke, frische Backwaren und Fleisch vom Metzger aus der Region. Zweimal in der Woche liefere ein Zwischenhändler Ware, erzählt Wolter. Pro Tag registriere die Kasse im Durchschnitt 120 bis 130 Verkaufsvorgänge, ergänzt er. Im Eingangsbereich können die Kunden gleich noch am Geldautomaten ein paar Scheine abheben, kostenlos Lektüre aus dem Bücherschrank mitnehmen oder sich am Info-Stand über Aktivitäten im Ort informieren. Ursprünglich sei die Idee ja gewesen, mit dem Laden ein Angebot für die älteren Boisheimer zu schaffen, die nicht mobil sind: „Aber es hat sich schnell gezeigt, dass auch viele junge Leute das Konzept gut finden und annehmen“, sagt Wolter. Das hat auch Mitarbeiterin Aspasia Kamps festgestellt. „Eigentlich haben wir hier alle Altersklassen vertreten“, sagt sie. Die meisten Kunden kommen aber nicht nur, um einzukaufen: „Viele kommen auch, um zu plaudern“, sagt die 44-Jährige. Einmal im Monat haben sie dazu donnerstags besonders lange Zeit – dann ist am Pütterhöfer Weg Dorv-Abend und der Laden schließt erst um 21 Uhr.

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