Brüggen wird zum Treffpunkt für Harmonium-Begeisterte

Festival : Brüggen wird zum Treffpunkt für Harmonium-Begeisterte

Vom 3. bis 6. Oktober finden zahlreiche Veranstaltungen rund um das Instrument statt. Das Spektrum reicht von Konzerten bis zu Fachvorträgen.

Man kennt das Harmonium aus kleinen Kirchen und Kapellen, in denen es keine Orgel gibt.

Was ist nicht über das Harmonium bekannt? Es hat eine bewegte Vergangenheit. Es war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Hausmusikinstrument, beliebter als das Klavier. Der Grund ist einfach: Die Kosten für ein neues Harmonium betrugen nur 20 Prozent des Einkaufspreises für ein neues Klavier. Und da es zu der Zeit weder Schallplatte noch CD noch Tonband gab, boten Klavier und Harmonium die Möglichkeit, beliebte Oratorien, Symphonien, Opern, Operetten und Wiener Walzer mit einem Ein-Personen-Orchester zum Klingen zu bringen. Wiener Walzer auf dem Harmonium? Es mag verwundern, aber der Walzerkönig Johann Strauß nutzte beim Komponieren nicht das Klavier, sondern sein geliebtes Harmonium. Und sein Fast-Namensvetter Richard Strauss, der raffinierte Instrumentierer, verwendete das Harmonium in seinen Opernpartituren.

Wie kommt ein europäisches Festival nach Brüggen? Klaus Langer, Toningenieur, Musiker und Komponist in einer Person, ist ein Harmoniumfan. Nicht nur das. Im Hauptberuf arbeitet er inzwischen offiziell als Harmonium-Restaurator. Dass er sich über mangelnde Aufträge nicht beklagen kann, zeigt, dass das Harmonium auch heute noch zahlreiche Liebhaber hat. Die Planung eines Festivals beschäftigte ihn schon länger. 2015 fand das erste auf Schloss Paffendorf statt. Das verlief zwar zufriedenstellend. Aber bekanntlich ist das Bessere der Feind des Guten. Langer kannte Burg Brüggen und fand dort das ideales Ambiente für seine Pläne. Mit seiner Anfrage lief er offene Türen ein. Schließlich sahen die Brüggener Verantwortlichen hier nicht nur eine Bereicherung ihres Kultur-Programms.

Bringt das Festival Touristen? Judith Zybell von der städtischen Abteilung Wirtschaftsförderung/Tourismus/Kultur erinnert sich, dass beim vergangenen Festival nicht nur interessierte Laien aus Brüggen und Umgebung angezogen wurden. Schon jetzt haben sich Amateure und Fachleute aus Nord- und Süddeutschland angemeldet. „Europäisch“ im Titel der Veranstaltung ist kein leeres Wort. Auch aus England und den Niederlanden liegen Anmeldungen vor. „Gerade auch die Nähe zu den Niederlanden“, sagt Organisator Klaus Langer, „macht Brüggen zum idealen Ort.“ Gerade dort finden sich zahlreiche Harmoniumfreunde. Und die Stadtverwaltung schätzt zusätzlich noch den weichen Standortfaktor. Natürlich hat man mitbekommen, dass auch die Brüggener Gastronomie von dem Festival profitiert.

Was bietet das Festival? Wer in Theorie und Praxis mehr übers Harmonium erfahren möchte, hat dazu vom 3. bis 6. Oktober reichlich Gelegenheit. Über Original und Bearbeitung in der Harmonium-Literatur informiert nicht nur ein Fachvortrag mit Live-Beispielen. Das Eröffnungskonzert bietet beides mit dem schwedischen Chor „Eskilstuna Oratoriekören“. Unter anderem sind Sätze aus Brahms’ Deutschem Requiem in interessanten Bearbeitungen von Sigfrid Karg-Elert und August Reinhard zu hören. Und für den gemütlichen Abschluss der Tage sorgt ein Salonorchester. Serviert wird dabei nicht nur ein buntes musikalisches Programm mit vielen Evergreens, sondern ganz wörtlich auch Kaffee und Kuchen. Noch viel mehr findet statt. Darüber informiert mit Orts- und Zeitangaben ein Flyer. Kartenreservierungen sind möglich und erwünscht.

Mehr von RP ONLINE