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Kreis Viersen: Die richtige Reaktion auf Exhibitionisten

Kreis Viersen : Die richtige Reaktion auf Exhibitionisten

In den vergangenen Tagen meldete die Polizei mehrere Vorfälle, bei denen Frauen von Männern auf offener Straße belästigt wurden. Die Polizei gibt Tipps, wie man richtig reagiert.

Eine Frau geht allein am Aachener Weg spazieren. Neben sich bemerkt sie einen Mann auf einem Mountainbike, der sein Geschlechtsteil entblößt und sie dann berührt. Eine andere Frau begegnet einem Mann, der sie auffordert, zuzusehen, wie er onaniert. Nur zwei von gleich mehreren Fälle von Exhibitionismus, die der Polizei im Kreis Viersen in den vergangenen Tagen gemeldet wurden.

Eine der betroffenen Frauen schrie den Exhibitionisten an, um ihn zu vertreiben. Die andere, eine junge Frau aus Krefeld, lief weiter, bis sie auf andere Menschen traf und der Mountainbiker verschwand. Zu welchem Verhalten aber rät die Polizei, wenn es um Exhibitionismus geht? "Das Beste ist, den Exhibitionisten vollkommen zu ignorieren und einfach weiterzugehen. Man sollte kein Erschrecken zeigen, ihn nicht beschimpfen oder ansprechen. Das ist aber im ersten Schock nicht leicht", sagt Antje Heymanns, Sprecherin der Polizei Viersen. Ereigne sich der Vorfall in einsamer Gegend, sei es ratsam, sich zielstrebig zu einem belebteren Platz zu begeben. Die junge Krefelderin habe es daher genau richtig gemacht, als sie in ein Wohngebiet lief.

Wichtig sei es, den Exhibitionisten im Vorbeigehen so gut wie möglich zu beobachten, damit der Polizei zur späteren Fahndung eine gute Personenbeschreibung vorliegt. Denn Exhibitionismus ist strafbar, wenn er von den Belästigten zur Anzeige gebracht wird. "Außerdem ist die Polizei sofort über den Notruf 110 zu verständigen", sagt Heymanns.

Wenn andere Menschen in der Nähe sind, sei es ratsam, sie um Hilfe zu bitten. "Sprechen Sie dann die Menschen konkret an. Zum Beispiel so: ,Sie im schwarzen Mantel, mit dem Fahrrad, fahren sie hinter dem Exhibitionisten her.' Dann können wir zu dem Menschen geführt werden", rät die Polizeisprecherin. Erst recht müssten sich Betroffene Hilfe suchen, wenn es nicht nur beim Exhibieren bleibe — so wie kürzlich geschehen, als die Frauen auch berührt wurden. Das sei dann schon eher sexuelle Nötigung als Exhibitionismus, sagt Heymanns. "Die, die sich nur zeigen wollen, sprechen oder fassen die Opfer nicht an", sagt Heymanns.

Käme es also zu direktem Kontakt mit dem Täter, sei es richtig, diesen anzuschreien und sich zu wehren. "Es geht dabei nicht darum, den Täter zu Boden zu bringen und festzuhalten, sondern darum, sich die Möglichkeit zur Flucht zu verschaffen", sagt Heymanns. Gerade körperlich unterlegene Frauen könnten das erreichen, indem sie dem Täter etwas entgegenschmeißen, wie zum Beispiel einen Schlüsselbund. "Alles, was man zur Hand hat, kann verwendet werden, um den Täter abzulenken. Wer es sich aber nicht zutraut, sich zu wehren, dem kann daraus später kein Vorwurf gemacht werden", sagt Heymanns.

Vom Gebrauch von Reizgas rät die Polizei ab. Das dürfe zwar mitgeführt werden, müsse meist aber erst in der Tasche gesucht werden. "Dann ist es oft schon zu spät. Außerdem kann der Wind dazuführen, dass das Opfer es selbst abbekommt oder der Täter es gegen einen einsetzt", sagt Heymanns. Pfefferspray dürfe ohnehin nur gegen Tiere eingesetzt werden.

(RP)