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Interview: Ist der Bahnhofsvorplatz ein Denkmal?

Interview : Ist der Bahnhofsvorplatz ein Denkmal?

Dr. Albert Pauly, Vorsitzender des Heimatvereins, will die historisch gewachsenen Strukturen im Viersener Stadtbild erhalten.

Die Stadt Viersen will den Viersener Bahnhofsvorplatz umgestalten und modernisieren. Der Politik wurden jetzt erste Pläne vorgestellt. Die Rheinische Post sprach über dieses Projekt mit Dr. Albert Pauly, Vorsitzender des Heimatvereins, und Jutta Curtius, Landschaftsarchitektin und Sachverständige für Gartendenkmalpflege.

Der Heimatverein hat das Amt für Denkmalpflege gebeten, zu prüfen, ob der Bahnhofsvorplatz denkmalwürdig ist. Warum?

Pauly Wir wollen die historisch gewachsenen Strukturen im Viersener Stadtbild erhalten. Dies ist langfristig ein Gewinn für die Stadt: Orte und Plätze haben ihre Besonderheit. Diese gilt es zu erkennen und zu bewahren.

Was ist besonders am Bahnhofsvorplatz?

Curtius Er spannt den Raum zwischen zwei bedeutenden Bauwerken auf, die jeweils in ihrer Eigenart unter Denkmalschutz stehen: dem Empfangsgebäude des Bahnhofs und dem Fahrenkampschen Siedlungsbau. Der Platz steht als Mittler zwischen diesen selbstständigen Bauwerken mit unterschiedlicher Herkunft und Funktion. Er bietet den Raum, den die Gebäude benötigen, um sich zu entfalten. Die Vermittlung zwischen der Formensprache der Bauwerke ist architektonisch hervorragend gelöst.

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Wann ist der Platz entstanden?

Curtius 1938, als die Fahrenkampsche Siedlungsbebauung abgeschlossen wurde. Emil Fahrenkamp ist einer der richtungsweisendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Als er in Viersen arbeitete, war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Er hat den Siedlungsbau im Auftrag von "Kaisers Kaffee Geschäft" geplant. Die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes geht auf die Fahrenkampsche Architektur ein, stellt aber mit den Wasserbecken auch axiale Bezüge zum Bahnhofseingang her. Die architektonisch angeordneten Pflanzbeete, die sich in Quadrate und schmale Bänder aufteilen, heben die strenge Formensprache auf. Das Eingangsgebäude des Viersener Bahnhofs wurde 1920 unter Führung renommierter und in ganz Deutschland wirkender Architekten für Bahnhofsgebäude fertiggestellt.

Wenn damals der Vorplatz erst etwa 18 Jahre nach dem Eingangsgebäude des Bahnhofs entstand - warum sollte man ihn nicht nach heutigen Anforderungen gestalten?

Pauly Es stellt sich die Frage, ob die Möglichkeiten zur Erhaltung der vorhandenen Substanz in Bezug auf die heutigen Anforderungen überhaupt überprüft worden sind. Wir haben nichts gegen eine angemessene Veränderung. Kontinuität ist aber ebenfalls wichtig. Wenn vorhandene Besonderheiten gepflegt werden, ermöglicht dies eine Bindung an die Heimat. Der Denkmalschutz steht gegen die Gleichförmigkeit und die Beliebigkeit des heute weit verbreiteten städtebaulichen Handelns. Denkmalpflege ist per se Ressourcen schonend, da vorhandene Materialien und Strukturen genutzt werden. Der wissenschaftliche Ansatz der Denkmalpflege braucht den gesellschaftlichen Dialog. Es gilt, das kulturelle Erbe der Stadt zu pflegen. Erst, wenn man die Qualität des Überkommenen kennt und zu schätzen weiß, kann man angemessen hiermit umgehen. Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen hat zu Beginn seiner ersten Amtszeit auf der Jahreshauptversammlung erklärt, der Verein habe nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, sich einzumischen. Die in Viersen praktizierte Bürgerbeteiligung verdient aber diesen Namen nicht. Dies ließe sich mühelos und mit Erfolg ändern, wenn man dies nur ernsthaft und mit Respekt für die Meinung der Bürgerschaft wollte.

(RP)