Billard : Die Billard-WM wird sich verändern

Jean Claude Dupont, Präsident des Weltverbandes, machte in den Vertragsgesprächen Entwicklungsvorschläge.

Jean Claude Dupont saß unweit der Billard-Tische, an denen gerade seine belgischen Landesleute Eddy Merckx und Frédéric Caudron zum dritten Mal in Folge Weltmeister wurden, und schaute sich mit zufriedenem Blick in der Viersener Festhalle um. Dupont, Präsident des Billard-Weltverbandes UMB, mag die Atmosphäre bei der Weltmeisterschaft, die seit 25 Jahren in der Kreisstadt ausgetragen wird. "Die Halle und das Umfeld sind ideal", sagte Dupont. Darum hat er sich auch gefreut, als Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen bei seiner Abschiedsansprache nach der Siegerehrung auch von politischer Seite grünes Licht gab für den Verbleib des Weltturniers in Viersen. "Ich bin sehr froh", sagte Dupont.

Am Rande der Dreiband-WM wurden in den Hinterzimmern der Festhalle die nötigen Gespräche geführt, um die Verlängerung des auslaufenden Vertrages auszuhandeln. Dupont machte klar, dass der Weltverband mit der WM zufrieden ist. Aber auch, dass sie sich entwickeln muss — das ist seine Bedingung für die Vertragsverlängerung. Er will das Turnier möglichst attraktiv machen. Für die Spieler. Für die Fans. Und für die Medien und Sponsoren. Darum gab Dupont der Deutschen Billard-Union (DBU) während der Verhandlungen einige Anregungen, die WM zu verbessern. "Vieles ist gut, aber man kann immer etwas machen", sagte Dupont.

Vor allem ist ihm wichtig, dass immer die besten Spieler da sind. "Das muss bei einer WM so sein", sagte Dupont. In diesem Jahr fehlte keiner der Topleute — was als Liebesbeweis der Spieler für die WM in Viersen gewertet werden darf, dass ihnen die WM wichtig ist. "In den Jahren zuvor war aber zum Beispiel Marco Zanetti nicht da, und auch Frédéric Caudron fehlte lange", sagte Dupont. Das Problem: Die Spieler sind Profis und bei der WM gibt es kein Preisgeld. "Das Turnier muss für Spieler so attraktiv sein, dass sie keinen Grund haben, abzusagen", so der erste Mann des Welt-Billards. "Es geht noch nicht mal nur um Preisgelder. Die Spieler kommen ja gern zur WM. Aber es sollte schon so sein, dass sie nicht auch noch draufzahlen müssen", sagte Michael John, Präsident der DBU.

Ideen sind gefragt bei der Geldbeschaffung. Die Stadt Viersen hat jedoch einen Doppelhaushalt und die DBU ist auch nicht eben reich. Mehr Sponsoren würden natürlich hilfreich sein, die wiederum angezogen würden durch mehr Präsenz im Fernsehen. Für Klaus Grefkes, den Vorsitzenden des Viersener Stadtsportverbandes, unterstützt. "Die WM ist wichtig für die Stadt, es ist das einzige internationale sportliche Großereignis in Viersen. Der Werbewert für unsere Stadt ist gigantisch", sagte Grefkes. Noch muss der Rat das Thema WM durchwinken, doch Günter Thönnessens eindeutige Erklärung in der Festhalle lässt eigentlich keinen Rückzieher der Politik mehr zu. WM-Moderator Frank Schiffers schlägt vor, die Bürger einzubinden: "Wir haben in Viersen 16 500 Sportler. Wenn jeder nur einen Euro zahlt, kommt schon was zusammen."

Dupont fordert auch inhaltliche Änderungen. "Es muss mehr Flexibilität bei den Aufstellungen geben. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Team nicht mehr nur aus zwei, sondern aus drei oder vier Spielern besteht und die Aufstellung jeder Mannschaft erst kurz vor den Spielen festgelegt wird. Das bringt mehr Spannung und stärkt den Teamgedanken, der ein besonderer Aspekt bei der WM ist", sagte Dupont.

DBU-Chef Michael John kann sich auch vorstellen, ein Doppel spielen zu lassen. "Das hätte Charme", sagte er. Den vor 2013 eingeführten Spielmodus bis 40 Punkte will er indes nicht ändern, auch wenn dieser etwas weniger Raum für Überraschungen lässt. Auch die Anzahl der Teams (aktuell 24) wird diskutiert. "Es wäre schön, wenn wir schon bei der nächsten Weltmeisterschaft ein paar Änderungen sehen", sagte Dupont. Eines aber wird sich nicht verändern: Die Billard-WM bleibt in Viersen.

(RP)