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Torsten Sträter begeistert in Tönisvorst

Kabarett : Ein Feuerwerk der Fantasie

Torsten Sträter, der Mann mit der Mütze, war auf Einladung des Stadtkulturbundes zu Besuch in Tönisvorst. Mehr als 500 Zuschauer kamen zum Kabarettabend und ließen sich fast drei Stunden lang bestens unterhalten.

Dieser Mann ist ein Phänomen. Torsten Sträter braucht nicht mehr als frischen Kaffee in großen Mengen, hin und wieder einen Schluck Wasser und eine Bühne, um fast drei Stunden lang mehr als 500 Menschen mit den abstrusesten Geschichten bestens zu unterhalten. Am Freitagabend war der 51-Jährige auf Einladung des Stadtkulturbundes zu Gast im Corneliusforum. Die Veranstaltung, mit der die Spielzeit endet, war lange im Voraus ausverkauft.

Seit Sträter bei „Nuhr im Ersten“ zu sehen ist und eine eigene Sendung im WDR hat („Sträters Männerhaushalt“), ist der Dortmunder einer der beliebtesten Kabarettisten des Landes - und das bei Jung und Alt, völlig unabhängig vom Bildungsstand. Sträter ist der Typ, mit dem jeder gerne in der Kneipe sitzt und quatscht. Er ist sehr, sehr lustig, intelligent, bescheiden und wirkt authentisch. Dass er auf der Bühne viel von sich preisgibt, macht ihn sympathisch. Wer ihn einmal erlebt hat, hat das Gefühl, ihn zu kennen.

Und so wundert es nicht, dass sich Sträter in der Pause auf den Schulhof stellt, raucht und völlig ungezwungen plaudert. Im Grunde macht der Dortmunder auch auf der Bühne nichts anderes. Oft spricht er das Publikum an und erzählt ansonsten aus seinem Leben. Auf den ersten Blick hat er keine Botschaft, aber dann kommen doch ein paar Themen zur Sprache, zu denen er Stellung bezieht. So wirbt der 51-Jährige dafür, den Buchhandel in der Stadt zu unterstützen und Plastikmüll zu vermeiden. Die Musik von Kollegah und Farid Bang würde er am liebsten verbieten und Donald Trump abwählen. Dafür lobt er das deutsche Gesundheitssystem, das jeden Bürger krankenversichert.

Der Großteil des Programms „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein“ aber ist lustige Plauderei. Die Zuhörer erfahren, dass Sträter schon mal ins Fitness-Studio geht, aber mehr als „stiller Teilhaber“, vor allem, seit er den Staubroboter mit der Waage verwechselt hat. Elektroautos findet er in Ordnung, allerdings meint er zum Tesla: „Du kannst nicht 100.000 Euro für ein Auto nehmen, das keine 100.000-Euro-Autogeräusche macht.“ Raclette ist nicht sein Ding: „Dieses Lebensmittel-Tetris macht nur Spaß, wenn du alle Pfännchen hast.“

Gerne erzählt der Dortmunder von seiner „Omma“, die auf die Frage, ob der Kuchen noch frisch sei, die Antwort gab: „Der ist sogar schon länger frisch.“ Auch seine liebsten Muttersprüche hat er im Gepäck: „Das Zimmer räumt sich nicht von alleine auf“ oder „Wir sind hier nicht bei den Hottentotten“ sind zwei davon. Die ganz große Stärke von Torsten Sträter aber ist seine unbegrenzte Fantasie. Wie er aus einer kleinen Begebenheit eine völlig abstruse Geschichte konstruiert und so erzählt, dass jeder Zuhörer die Bilder im Kopf hat, ist eine Kunst für sich.

So schildert er zum Beispiel, wie er versucht hat, Intervallfasten zu praktizieren: 16 Stunden lang nichts essen, in der restlichen Zeit kalorienreduziert essen. In Sträters Geschichte, die natürlich „wirklich wahr“ und „echt passiert“ ist, hat er Lauch gegessen, das einzig Kalorienreduzierte, was er mag. „Aber mir hat niemand gesagt, dass man in den acht Stunden nicht nur essen soll.“ Schließlich schwebt Sträter schlafend einen Meter über dem Bett auf einer Methangaswolke. Die Nachbarn sehen es und rufen beim Vatikan an. Der schickt einen Exorzisten, um den Dämon auszutreiben. So geht es noch eine Zeit lang weiter, und die Zuhörer lachen so sehr, dass vermutlich auch im Corneliusforum das ein oder andere Methangaswölkchen entweicht.