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Solingen: Bei Corona-Impfungen muss das Tempo erhöht werden

Ansichtssache : Bei Corona-Impfungen muss das Tempo erhöht werden

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt. Andererseits auch die Zahl der Testungen. Konkrete Hilfe erreicht man aber nur durch mehr Impfungen.

Die Zahlen steigen. Allerdings zurzeit nur jene mit den Corona-Neuinfektionen. Auf deutlich über 100 stabilisiert sich dieser Tage der Inzidenzwert in der Klingenstadt. Auch sind immer mehr Todesopfer zu beklagen. Eine Ende der Pandemie ist also längst noch nicht in Sicht. Solingen nimmt, gemessen allein am Inzidenzwert, sogar seit geraumer Zeit in NRW einen Spitzenplatz ein. Allerdings ist das jeweils nur eine Tagesbetrachtung, die schon schnell wieder Vergangenheit sein kann.

Denn Solingen testet viel. Selbst in den Kindertagesstätten. Denn gerade hier werden verstärkt Infektionen festgestellt. Zurzeit sind sechs Kitas betroffen. Die städtische Strategie sieht nun auch in Kooperation mit der Universität Köln den Einsatz sogenannter Lolli-Tests in zunächst 26 innerstädtischen Kitas vor, zumal gerade in der Stadtmitte das Infektionsgeschehen hoch ist. Die Mutationen sorgen überdies dafür, dass sich in den Familien deutlich mehr mit dem Virus anstecken.

Wer viel testet, findet auch viel. Das liegt in der Natur der Sache. Aber die Stadt hat den Anspruch, stets vor der Lage zu sein und nimmt in Kauf, dass die Infektionszahlen steigen. Aber sie bilden dann auch das realistische Geschehen ab. Andere Städte werden nicht umhin kommen, die Tests auszuweiten.

Dennoch: Der Lockdown schlägt bei vielen erheblich aufs Gemüt. Ärger und Frust machen sich breit. Mitte dieser Woche konnte eine weitere Zahl vernommen werden, die es in sich hat: 100 Tage Lockdown. Existenzen stehen auf dem Spiel. Die Furcht, dass manche Geschäfte, Hotels oder Gaststätten gar nicht mehr aufmachen können, wächst von Tag zu Tag, je länger der Lockdown dauert. Aber unter anderem auch Taxi-Fahrer oder Fitnessstudios leiden unter den angeordneten Schließungen

Dass die Spitzenpolitik am Mittwoch bei ihren Beratungen eventuell Lockerungen für Gastronomie und/oder Handel beschließt, damit ist derzeit kaum zu rechnen. Zumal die Virusmutationen, insbesondere die britische Variante B 1.1.7., in hoher Anzahl auch in Solingen nachgewiesen wurde und weiter wird. „Die Mutante wird zur Dominate“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach am Donnerstag.

Immerhin machen am Montag die Friseure wieder auf. Und auch Kitas und Grundschulen sowie Abschlussklassen sind wieder an den Start gegangen. Letztere mit Wechselunterricht, den Solingen gerne schon vor Monaten angeboten hätte, um das Infektionsrisiko zu reduzieren. Aber das Land ließ die Experten vor Ort nicht zum Zuge kommen.

Die Klingenstadt geht frühzeitig einmal mehr einen eigenen Weg und nimmt auf freiwilliger Basis verstärkt Testungen in den Einrichtungen vor. Letztlich helfen Tests aber nicht, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Hier hilft nur eins: Impfen – und das möglichst rascher als bisher. Sonst steigen die Infektionszahlen weiter.