Solingen: Arbeiten im Provisorium

Solingen : Arbeiten im Provisorium

Trotz abgeschalteter Internet- und Telefonleitungen waren Mitarbeiter des Jugendamtes zwei Wochen am Wasserturm untergebracht. Sie seien dennoch erreichbar gewesen, versichert die Stadt. Das sieht nicht jeder so.

Als der Umzugswagen vor drei Wochen anrollte, um die städtischen Büros des Verwaltungsgebäudes Schlagbaumer Straße leer zu räumen, hatten die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) — der zum Jugendamt gehört — alle Hände voll zu tun. Einerseits hieß es auch für sie Kistenpacken, andererseits durften diese Kisten nicht, wie die der anderen Stadtmitarbeiter, von dem Umzugsunternehmen ins neue Rathaus gebracht werden. Denn anders als noch kurz zuvor angekündigt, zogen die acht ASD-Mitarbeiter nicht mit um. "Zimmer bitte nicht ausräumen!!" stand deshalb an ihren Türen.

Seitdem warteten sie auf den Marschbefehl, das Gebäude endgültig zu räumen. Schließlich hatte Aldi — der neue Besitzer — angekündigt, das Haus direkt nach dem Auszug der Stadtverwaltung abreißen zu lassen und dort eine neue Filiale zu errichten.

Arbeit nur eingeschränkt möglich

Doch wann und wohin es für die ASD-Mitarbeiter gehen sollte, war zunächst noch nicht klar. Und weil die Telefonleitungen pünktlich, wie geplant, abgeschaltet wurden, saßen sie ohne ihre bisherigen Telefon- und Internetverbindungen in den Büros. Eine Situation, die nicht jedem von ihnen geheuer war angesichts des übrigen leeren Gebäudes. Und die auch bei manchem zu Verstimmungen führte, der den Allgemeinen Sozialen Dienst am Wasserturm erreichen wollte. Denn die Arbeit war unter diesen Umständen nur noch eingeschränkt möglich.

"Wer die ASD-Mitarbeiter erreichen wollte, musste das Glück haben, ihre Diensthandynummer zu kennen", beschwert sich ein Morgenpost-Leser, der nicht namentlich genannt werden will. "Wenn man die Problematiken in manchen Familien sieht, ist das doch unglaublich, dass die städtischen Mitarbeiter in Notfällen nicht erreichbar waren." Dem widerspricht die Stadt allerdings.

"Die Telefone waren alle umgestellt auf die Vorzimmer von Herrn Eberhard, Leiter des Stadtdienstes Jugend, oder von Herrn Pauli, Leiter des ASD", berichtet Pressesprecherin Birgit Wenning. "Sofern bei einem Anruf Handlungsbedarf bestand, wurden die Mitarbeiter an der Schlagbaumer Straße über Handy oder drahtloses Laptop informiert. So haben wir versucht, die Erreichbarkeit völlig herzustellen."

Mittlerweile gehört die Situation der Vergangenheit an. Diese Woche zogen die ASD-Mitarbeiter vom Wasserturm in einen ehemaligen Pavillon der Bauaufsicht hinter dem Walder Rathaus. Allerdings sind auch die neuen Räume nur ein Provisorium. Ende des Jahres müssen die acht Jugendamts-Mitarbeiter erneut ihre Sachen packen. Dann ziehen sie mit in das Gebäude des Walder Bürgerbüros an der Friedrich-Ebert-Straße.

(RP)
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