Solingen: „Angemessene Abfindungen“

Solingen : „Angemessene Abfindungen“

Bei Flora Frey, das nach Quedlinburg gehen will, laufen Gespräche über einen Sozialplan. Die Geschäftsleitung verspricht faire Ausgleichzahlungen, während man im Osten den Fluss von Fördergeldern dementiert.

Wer sich irgendwo auf der Welt für das Harz-Städtchen Quedlinburg interessiert, der kann sich die Informationen via Internet auf der Homepage der Kommune beschaffen. Koreanisch, Japanisch, Chinesisch? Kein Problem! Am Osthang des Harzes spricht man viele Sprachen. Allein die Kommunikation zwischen Quedlinburg und Teilen der Solinger Politik erscheint gestört. Nachdem bekannt wurde, dass der Sämerei-Betrieb Flora Frey aus dem Dyker Feld in den Osten übersiedelt und sich Solingens SPD-Fraktionschef Ernst Lauterjung über eine angebliche Subventionspolitik mit „künstlichen Billiglohn-Bedingungen“ mokierte, folgt jetzt das Dementi aus Sachsen-Anhalt. Quedlinburgs Wirtschaftsförderer Hans-Joachim Witzel: „Es sind keine Fördergelder geflossen“.

Darin bestätigt wird er von Flora Frey-Geschäftsführer Carsten Ax, der betont, allein „betriebswirtschaftliche Gründe“ hätten den Ausschlag gegeben, fast 90 Arbeitsplätze in Solingen zu streichen und in Quedlinburg neu anzufangen. Zurzeit laufen zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat Verhandlungen über einen Sozialplan, da wohl nur die wenigsten Mitarbeiter bereit sein werden, mit nach Sachsen-Anhalt zu gehen. „Die Leute werden angemessene Abfindungen bekommen“, erklärt Ax, der dementiert, es habe jemals den Plan gegeben, die Gehälter zu kürzen, um Flora Frey in Solingen zu halten.

„Es geht wieder nach vorne“

Tatsächlich bewegt sich die Firma, bei der es nach Worten von Ax im Moment „wieder nach vorne geht“, auf einem wirtschaftlich schwierigen Feld. Die Globalisierung hat auch vor der Sämerei-Branche nicht Halt gemacht. Heute konkurrieren die in Deutschland ansässigen Betriebe zum Beispiel mit Firmen aus Ländern wie Jordanien, wo drei Mal pro Jahr – auch finanziell – abgeerntet werden kann.

Doch Quedlinburg liegt genauso wenig wie Solingen unter südlicher Sonne – und wenn darüber hinaus auch keine Fördergelder in den Osten lockten, stellt sich schon die Frage, warum für Flora Frey ausgerechnet im Ostharz jene betriebswirtschaftlichen „Berechnungen“ aufgehen sollen, die vor der Verlagerungsentscheidung angestellt wurden. Denn immerhin geht es der Branche, die traditionell in Quedlinburg zu Hause ist und die Blüte der Stadt im 19. Jahrhundert begründete, ebenfalls nicht rosig. Erst Anfang der Woche geriet nach Informationen von Wirtschaftsförderer Witzel eine ortsansässige Firma in Schieflage. „Es sollen schon geraume Zeit keine Gelder mehr geflossen sein“, berichtet Hans-Joachim Witzel, der aber auch weiß, dass der dortige Betriebsrat inzwischen „positive Signale“ erhielt.

Einen Zusammenhang mit dem Flora Frey-Umzug kann Witzel „weder dementieren, noch bestätigen“. In Quedlinburg hatte man schlicht noch keinen Kontakt zum Unternehmen, es liegt auch keine Standortanfrage bezüglich eines Grundstücks in einem der zwei städtischen Gewerbegebiete vor.

(RP)
Mehr von RP ONLINE