Solingen : Gelebte Einheit

Seit 18 Jahren ist Aue Partnerstadt von Solingen. Waren direkt nach der Wiedervereinigung die Kontakte in den Westen besonders wichtig, sagt Oberbürgermeister Heinrich Kohl heute: „Es hat sich alles normalisiert.“

Vor ein paar Jahren war Heinrich Kohl noch des öfteren in Solingen. Nämlich dann, wenn die hiesigen Handballer die Mannschaft aus Aue zu einem Spiel begrüßten. „Aber als Solingen in die erste Bundesliga aufgestiegen ist, sind diese Besuche eingeschlafen“, sagt der Oberbürgermeister von Aue. Nun, da der Bergische HC mit den Handballern aus der Erzgebirgsstadt wieder in der zweiten Bundesliga Süd spielt, „möchten wir das gerne wiederbeleben“.

1990 wurde die Städtepartnerschaft zwischen Solingen und Aue gegründet. Und in diesen 18 Jahren ist viel passiert. Vorrangig aber eins: „Es hat sich alles normalisiert“, berichtet Kohl. „Man trifft sich auf Konferenzen, weil Solingen noch mit einem Prozent an unseren Stadtwerken beteiligt ist, und auf dem Städtetag; man besucht sich im Rahmen von Bürgerfahrten.“

Zum morgigen Tag der Einheit werde das Sinfonische Blasorchester der Musikschule Solingen in Aues größter Kirche, der Friedenskirche, ein Konzert geben. Heinrich Kohl begrüßt diese Normalität. „Das zeigt doch, dass die Partnerschaft ihren Zweck erfüllt hat – und dass die Wiedervereinigung geklappt hat.“

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Hochwasserschäden behoben

Geklappt hatte vor allem die klingenstädtische Unterstützung, als ein Hochwasser 2002 ganze Stadtviertel von Aue überschwemmt hatte. Knapp 286 000 Euro spendeten die Solinger daraufhin für die Partnerstadt. „Die Spenden halfen dort, wo kein Geld da war“, berichtet der Oberbürgermeister, der die Katastrophe als Stadtoberhaupt managen musste. 2006 wurde er für sieben Jahre wiedergewählt.

Mittlerweile seien alle Schäden behoben. „Außerdem sind uns erhebliche Landes- und Bundesmittel für Hochwasserschutzmaßnahmen zur Verfügung gestellt worden.“ Bislang hätten sich diese neuen Schutzeinrichtungen aber nicht bewähren müssen, da die Stadt von weiteren großen Hochwassern verschont geblieben sei.

Dafür habe Aue – wie andere Städte auch – mit anderen Problemen zu kämpfen. „Mit 12,3 Prozent liegt unsere Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie in durchschnittlichen westdeutschen Städte“, berichtet Kohl. Gleichzeitig fehlten Fachkräfte, insbesondere in der Industrie, aber auch Mediziner. „Die Ärzte aus dem Westen gehen nach England und Norwegen, und unsere Ärzte gehen nach Westdeutschland.“ Zu manchem Facharzt müsse man daher 30 bis 40 Kilometer weit fahren.

„Selbst in der öffentlichen Verwaltung suchen wir gut ausgebildete Leute.“ Habe man früher auf eine Stelle über 100 Bewerbungen bekommen, seien es heutzutage nur noch zehn bis 15. Die Abwanderung sei nur zum Teil Schuld daran. Die Hauptursache sei eine andere: „Nach 1990 sind zu wenig Kinder geboren.“

Doch aktuelle Probleme hin oder her, bei einem ist sich Heinrich Kohl sicher: „Das 20-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Solingen werden wir groß feiern.“

(RP)