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Rommerskirchen: Taubenzucht am Gillbach stirbt nicht aus

Rommerskirchen : Taubenzucht am Gillbach stirbt nicht aus

Der Brieftaubenzuchtverein "Heimattreue" ist stabil – eine Auflösung wie bei anderen Clubs droht nicht.

Der Brieftaubenzuchtverein "Heimattreue" ist stabil — eine Auflösung wie bei anderen Clubs droht nicht.

Noch vor gut einem Jahrzehnt war im Herbst und Winter am Gillbach Hochsaison für diverse Tierschauen. Nachdem sich der Vogelzucht- und Schutzverein Evinghoven Ende 2012 nach 25 Jahren wegen mangelnden Nachwuchses aufgelöst hat, sind die Mitglieder des Brieftaubenzuchtvereins 07274 "Heimattreue" Rommerskirchen aktuell die "letzten Mohikaner" in Sachen Tierausstellungen. Im Prinzip leiden auch die Taubenzüchter an denselben Problemen wie viele andere (Zucht-)Vereine: "Mit 60 kann man bei uns eigentlich noch in der Jugendabteilung mitmachen", sagt Walter Koch, der seit 25 Jahren Vorsitzender der Taubenfreunde ist.

Dennoch stehen die Rommerskirchener Taubenfreunde in der Reisevereinigung Mittelerft noch vergleichsweise gut da. Halten in manchen Traditionsvereinen gerade noch zwei oder drei Mitglieder die Stellung, gibt es in Rommerskirchen immerhin neun reisende Schläge. Womöglich noch wichtiger: "Wir haben fünf Leute in unseren Reihen, die um die 40 sind", sagt der aktuelle Vereinsmeister Günter Dohmen. Und fügt an, dass eine Auflösung "bei uns absolut nicht droht". Fusionen sind eher selten: "Bei den Züchtern gönnt der eine Verein dem anderen nichts", erzählt Walter Koch. Ein weiterer Grund dafür, warum die Rommerskirchener Züchter nach wie vor zu den stärkeren Vereinen ihrer Zunft zählen, liegt daran, dass sie vor Ort bestens vernetzt sind. Dies zeigte die traditionelle Taubenausstellung im Pfarrheim St. Peter, wo sich die Besucher zeitweise fast auf den Füßen standen. Zu den Stammgästen zählt alljährlich der Bürgerschützenverein Eckum, der mit König Dirk Matzke, Präsident Friedhelm Müller und Geschäftsführer Heinz-Willi Vetten auch jetzt vor Ort war. "Taubenzüchter sind wir alle nicht, aber wir gehen gern hierhin", sagt Vetten. Ähnliches gilt für die Artillerie des Bürgervereins Rommerskirchen, der sich seit fünf Jahren um die Bewirtung kümmert.

Die Taubenzucht ist ein vielfach "erbliches" Hobby, wie das Beispiel von Walter Koch zeigt, der mit seinem Sohn Michael eine Zuchtgemeinschaft betreibt. Günter Dohmen wurde von seinem Vater "infiziert", ebenso wie seine beiden in Grevenbroich als Taubenzüchter aktiven Brüder. Eine Ausnahme bildet Walter Koch: Der fand einst im Knechtstedener Chorbusch eine verletzte Taube. Die pflegte er gesund und kam so zur Zucht. Allen Züchtern gemeinsam ist die Vorfreude auf die kommende Saison: Von Mitte April bis Anfang Oktober geht es jeden Samstag zur Einsatzstelle nach Pütz, von wo aus die Tauben ihre Flüge nach Frankreich antreten. 80 bis 100 Tauben nennt jeder Züchter sein eigen, insgesamt 400 kommen jedes Wochenende zum Einsatz. Wobei nicht immer alle auch zurückkehren: Abgesehen davon, dass sich die Tiere schon mal verfliegen, fällt manch eine Taube auch Greifvögeln zum Opfer. "Das Problem wird immer größer" sagt Günter Dohmen, der die Vereinsmeisterschaft gewann und auch den schönsten Jungvogel stellte.

(NGZ/jco)