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Rommerskirchen: Jim Knopfs Spuren im Feldbahnmuseum

Rommerskirchen : Jim Knopfs Spuren im Feldbahnmuseum

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer sind bei Kindern die beliebtesten Figuren der seit 60 Jahren im Fernsehen vertretenen Augsburger Puppenkiste. Auch im Oekovener Feldbahnmuseum fragen Kinder eifrig nach ihren Helden.

Eigentlich ist Marcus Mandelartz kein großer Freund von Klischees, aber manche sind halt derart stark, dass niemand dagegen ankommt. Dass Kinder im Zusammenhang mit Eisenbahnen irgendwann unvermeidlich auf Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer zu sprechen kommen, ist dem Chef des Oekovener Feldbahnmuseums jedenfalls nur allzu vertraut. Bei den Betriebstagen des Museums taucht die Frage nach den Kultfiguren der Augsburger Puppenkiste allerspätestens dann verstärkt auf, wenn es der Weihnachtszeit entgegen geht und die Nikolausfahrten auf dem Programm stehen.

Die Puppenkiste, die vor fast genau 60 Jahren erstmals im Fernsehen auftauchte, feierte mit Jim Knopf, Lukas und der Lokomotive "Emma" einen ihrer größten TV-Erfolge überhaupt: Nach der Erstausstrahlung einer Inszenierung von 1961/1962 gab es 1976 auch eine Aufführung in Farbe. Die entsprechende DVD existiert heute in vielen Kinderzimmern — und auch bei Eisenbahnern selbst hat die Geschichte längst ihre Wurzeln geschlagen. "Es gibt einen Atlas, der hat Lummerland als Legende eingebaut", verweist Marcus Mandelartz auf eine Ausgabe des "Eisenbahnatlas Deutschland" aus dem Jahr 2000, der eine farbige Abbildung der "Insel mit zwei Bergen" enthält.

Auch das Museum selbst hält das eine oder andere Dampfgefährt bereit, das mit etwas (kindlicher) Phantasie als "Emma" durchgehen könnte: Ute Mandelartz präsentiert hier gern eine D 6 Schmalspureisenbahn. Die ist "die letzte, die in Deutschland gebaut wurde", erzählt Marcus Mandelartz und verweist auf die 1956 von der Phönix Rheinrohr gebaute Lokomotive. "Sie wurde für den Schlacketransport in der Stahlindustrie eingesetzt", erläutert Mandelartz. Im Vergleich zu "Emma" eine wenig abenteuerliche Sache, doch Klischees sollten halt auch nicht überfrachtet werden.

Natürlich ist Marcus Mandelartz (49) die Augsburger Puppenkiste aus seiner Kindheit bekannt. Prägende Wirkung mag er ihr allerdings nicht zugestehen, insbesondere was sein Faible für Eisenbahnen angeht. Ihm kommt als erstes "Kater Mikesch" in den Sinn, während bei seiner Frau Ute von der Augsburger Puppenkiste vor allem "Urmel" in Erinnerung geblieben ist. Die Begeisterung für Eisenbahnen ist bei Marcus Mandelartz folglich auch nicht durch Jim Knopf entfacht worden: "Ich bin mit meinen Eltern immer mit dem Auto nach Köln gefahren", erinnert sich der gebürtige Mönchengladbacher. Auf der Strecke lag auch das Feldbahnmuseum, das bei ihm auf nachhaltiges Interesse stieß. Weil seine Eltern nicht so recht mitspielten, machte Mandelartz sich eines Tages im Jahr 1978 mit dem Fahrrad auf nach Oekoven — wo er bis heute seinem großen Hobby frönt und seit einigen Jahren auch wohnt.

Mag der Verdacht auch naheliegen: Seiner lang anhaltenden Leidenschaft für Eisenbahnen mag er keinen allzu großen Einfluss auf seine Berufswahl zugestehen. "Es hat sich eher parallel entwickelt", sagt Marcus Mandelartz, der Lokomotivführer war und später eine eigene Firma für Eisenbahndienstleistungen gründete.

Seit Anfang des Jahres ist er als Abteilungsleiter beim Unternehmen Siemens tätig — wobei es allerdings kein Zufall ist, dass er dort gleichfalls für den Bahntransport zuständig ist.

(NGZ/rl)