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Rommerskirchen: Projekt gegen Komasaufen gestartet

Rommerskirchen : Projekt gegen Komasaufen gestartet

Am 11. März informieren Polizei, Jugendamt und Caritas über das Projekt "PROJugend statt PROmille". Die Initiatoren setzen auf die Mitarbeit der Vereine in der Gemeinde, um den Alkoholkonsum Jugendlicher zu senken.

Öffentliche Aufmerksamkeit findet das "Komasaufen" von Jugendlichen regelmäßig zu Karneval oder Silvester. Gleichwohl beschränkt sich das Phänomen, Alkohol zu konsumieren, bis buchstäblich der Arzt kommt, nicht auf einige wenige Gelegenheiten im Jahr. Kriminalhauptkommissarin Sabine Rosenthal-Aussem und Michael Hackling vom Kreisjugendamt können dies mit eindrucksvollen Zahlen belegen: Allein zwischen 2000 und 2008 hat es beim Komasaufen einen explosionsartigen Anstieg um 468 Prozent gegeben. Dies ergab eine Studie des Rhein-Kreises Neuss aus dem Jahr 2010, die in diesem Jahr aktualisiert werden soll.

Befragt, ob sie in den vergangenen 30 Tagen das sogenannte "binge drinking" betrieben hätten, bejahten dies 43 Prozent von 900 Jugendlichen und Kindern. Besonders erschreckend: 12,5 Prozent der Elf- bis 13-Jährigen haben bereits Erfahrung mit dieser speziellen Form des Alkoholmissbrauchs, bei den 14 bis 17 Jahre alten Jugendlichen war es gut die Hälfte. "Wir wissen, dass man das Problem allein mit polizeilichen Mitteln nicht lösen kann", sagt Sabine Rosenthal-Aussem. Daher hat die Polizei gemeinsam mit dem Kreisjugendamt und der Caritas das Projekt "PROJugend statt PROmille" initiiert.

Auch Rommerskirchen ist keine Insel der Seligen, was Alkoholexzesse von Minderjährigen angeht: Bei Schützenfesten, im Karneval oder auch bei privaten Partys zeigten Jugendliche "vermehrt einen riskanten Alkoholkonsum", sagt Michael Hackling. "Die Jugendlichen, die Alkohol trinken, trinken mehr als dies noch vor Jahren der Fall war", so der Vertreter des Kreisjugendamts. "Es soll keinen Kreuzzug gegen den Alkohol geben, vielmehr geht es darum, dass die Jugendlichen einen maßvollen Umgang damit lernen", beschreibt Sabine Rosenthal-Aussem die Zielsetzung des auf ein Jahr angelegten Projekts, das sicher nicht zufällig zum Start der Schützenfestsaison beginnt.

Ihr zufolge geht es darum, "das Nein-Sagen zu trainieren": Dies gelte sowohl für Erwachsene, bei denen Jugendliche Alkohol bestellen, als auch letztlich für die Jugendlichen selbst, denen er von Erwachsenen "ausgegeben" wird. Als Partner im Blick haben die Initiatoren insbesondere die Schützen- und Sportvereine in der Gemeinde. Die sind für 11. März zu einer Auftaktveranstaltung geladen, bei der zunächst das Projekt ausführlich vorgestellt wird. Das ehrgeizige Ziel des Projekts: Bis zum Jahresende soll der übermäßige Alkoholkonsum von Heranwachsenden reduziert werden.

Dabei ist die aktive Mithilfe der Vereine gefragt: Jugendwarte, beziehungsweise für den Schützennachwuchs zuständige Funktionäre sollen im März und April eingehend geschult werden. Dabei geht es nicht zuletzt auch um Argumentationshilfen, wenn sich bei der Verweigerung des Alkoholausschanks an Jugendliche Gesprächsbedarf ergeben sollte. Sabine Rosenthal-Aussem zufolge geht es darum zu zeigen, "dass Trinken kein Sport ist." In den Vereinen solle es "keine Ritualisierung des Trinkens" geben.

(NGZ/rl)