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Rommerskirchen: Hamster hat in der Politik wenig Freunde

Rommerskirchen : Hamster hat in der Politik wenig Freunde

Dass die Bauarbeiten am Nettesheimer Weg wegen einer dort vermuteten Hamsterpopulation gestoppt wurde, stößt auf wenig Verständnis. Politiker fürchten eine langfristige Blockade wichtiger Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.

Ob der Feldhamster derzeit in natura wirklich noch in der Gemeinde vorhanden ist, bleibt einstweilen offen. Auf die politische Tagesordnung indes ist er nach dem Stopp der Bauarbeiten am Nettesheimer Weg zurückgekehrt. Bei den Vorsitzenden der Ratsfraktionen sorgt dies allerdings vorwiegend für Erheiterung und Kopfschütteln.

Ulrike Sprenger (UWG) erinnert an einen Aprilscherz der Wählergemeinschaft, den die NGZ am 1. April 2005 veröffentlichte. Angesichts der damals wegen des Feldhamsteraufkommens im Butzheimer Bruch anstehenden Trassenverlegung für die Umgehungsstraße B 477n hatte die UWG behauptet, in eigener Regie Feldhamster zu züchten.

"Noch Jahre später bekamen wir Anfragen, ob wir noch Hamster hätten. Man wollte sie irgendwo aussetzen, um ein Industrieprojekt zu verhindern. Was damals ein Aprilscherz war, soll nun dank tatsächlicher Züchtungen in Holland Wirklichkeit werden", zeigt sich die UWG-Fraktionschefin amüsiert. "Wir hatten schon gefordert, die Hamster umzusiedeln, als deren Population dank bester Fütterungsbedingungen der Landwirte am Butzheimer Bruch die damals geplante Trasse verhindert hat."

Ulrike Sprenger zufolge "muss man sie noch nicht einmal einfangen. Es reicht, sie durch leckere Getreideangebote in umliegende Gebiete zu locken." Martin Mertens (SPD) spekuliert darüber, ob der Hamster vielleicht zum neuen Rommerskirchener Wappentier wird. "Bis es soweit ist, können wir ja im Internet auf der Seite www.feldhamsterverleih.de ein paar dieser possierlichen Tierchen ausleihen", so der Sozialdemokrat. So schützenswert Feldhamster seien, für Martin Mertens "kann es nicht sein, dass für ein paar Nagetiere die Lebensqualität der Menschen immer weiter eingeschränkt wird. Menschen soll Straßenlärm und Dreck zugemutet werden, aber für ein paar Tiere wird riesiger Aufwand betrieben.

Wichtige Infrastrukturmaßnahmen werden über Jahre hinweg blockiert." Auch Stephan Kunz (CDU) ist kein flammender Anhänger des Hamsters: "Rommerskirchen ist eine liebens- und lebenswerte Gemeinde. Aber bitte nicht für den Feldhamster an der Stelle, wo die Baulandpolitik der nächsten Jahre umgesetzt werden soll." Kunz will bei der Suche im Frühjahr "gern behilflich sein". Sollte er dabei tatsächlich einen Feldhamster finden, "würde ich ihn überzeugen, nach Osterath umzusiedeln — dort könnte man ihn aktuell vielleicht gebrauchen", meint Kunz mit Blick auf die dortige Diskussion um den Amprion-Stromkonverter.

"Ich bin Optimistin und gehe davon aus, dass wir im Frühling feststellen, dass der Feldhamster nicht unsere neuen Baugebiete besiedelt hat", sagt Eva Alice Oßwald (FDP). Für den Fall, dass sich der Verdacht bestätigt, dass es am Nettesheimer Weg Feldhamster gebe, "sollten wir uns eine zweite Meinung holen. Beim letzten Mal war es scheinbar ein Irrtum, der Zeit und Geld gekostet hat", schlägt die Liberale vor. Für Jupp Kirberg (Bündnis 90/Die Grünen) ist eine Feldhamsterpopulation "ein Impuls, dass wir vorsichtiger mit den landwirtschaftlichen Flächen umgehen müssen".

Laut Kirberg sollte die Gemeinde eine Untersuchung vornehmen lassen, welcher Freiraum zum Erhalt und zur Anreicherung der biologischen Vielfalt aufgewertet werden kann. Die Züchtung in den Niederlanden sieht er positiv: "Wir hoffen, dass die Feldhamster-Nachzuchtversuche uns den Aufbau einen neuen Population an günstiger Stelle bringen werden."

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(NGZ/rl/top)