Lokalsport : „Wir sind gerüstet“

Auf Managerseite verfügt der TSV Bayer Dormagen über reichlich Erstliga-Erfahrung: Schließlich bestritt Uli Derad zwischen 1987 und 1998 als Linksaußen 293 Bundesliga-Spiele für FA Göppingen, VfL Gummersbach, TuS Nettelstedt und den TSV Bayer Dormagen, dessen Manager der 41-Jährige seither ist.

Unter seiner Regie gelang dem TSV in der Spielzeit 1998/99 der (Wieder-)Aufstieg in die Bundesliga, dem zwei Jahre später der Abstieg und der freiwillige Rückzug in die Regionalliga folgten.

Jetzt klopft der TSV Bayer Dormagen wieder ans Tor zur Erstklassigkeit - anderthalb Wochen vor dem wohl entscheidenden "Endspiel" sprach die NGZ mit Uli Derad, der inzwischen auch Hauptgeschäftsführer des Gesamtvereins, über die Chancen auf den Aufstieg, die Personalplanungen und die spannende Frage, ob der TSV überhaupt reif für die Erste Liga ist.

Herr Derad, auf dem Handball-Transfermarkt herrscht hektische Betriebsamkeit. Davon ist am Höhenberg zumindest nach außen nichts zu spüren. Ein paar Vertragsverlängerungen, die Abgänge von David Breuer und Marcel Wernicke, mehr haben Sie bislang nicht vermeldet. Wie sieht's aus mit den Personalplanungen?

Uli Derad Natürlich sind auch wir mit den Planungen beschäftigt. Dass der größte Teil der Mannschaft bleibt, ist bekannt und auch Bestandteil unserer Handballphilosophie. Gesucht werden zwei bis drei Verstärkungen.

Auf welchen Positionen?

Derad Absolute Priorität hat ein abwehrstarker Linkshänder, einer, der möglichst ein bisschen länger ist als die Durchschnittsgröße unserer Spieler. Was die anbelangt, haben wir sicher noch Nachholbedarf. Wenn wir den bekommen, hängen davon die die restlichen Verpflichtungen ab. Außerdem möchten wir den einen oder anderen aus der eigenen Jugend in den Kader einbauen.

Sind die Jugendlichen schon so weit? Oder kommt das nicht etwas zu früh?

Derad Natürlich wird keiner aus der eigenen Jugend sich auf Anhieb einen Stammplatz erobern können. Aber bei einem Spieler wie Max Holst sehe ich durchaus Chancen, sich auf Linksaußen an die Bundesliga zu gewöhnen.

Mit ihm würde sich sozusagen ein Kreis schließen, schließlich spielte sein Vater in der Mannschaft, die vor 20 Jahren als erste den Aufstieg in die Bundesliga schaffte.

Derad Genau darum geht es. Wir wollen ein Zeichen setzen nach dem Motto: Bei uns geht das, was bei anderen Vereinen nicht geht. Wenn es so kommt, wäre das der erste Jugendliche seit fast 20 Jahren, der das schafft. Das dürfte auch die anderen anspornen. Wie ich überhaupt den Eindruck habe, dass sich die Tatsache, dass wir nicht nur im Handball, sondern auch in anderen Abteilungen Leistungssport betreiben, anspornend auf den Gesamtverein auswirkt.

Mal von der Mannschaftszusammensetzung abgesehen: Ist der TSV Bayer überhaupt erstliga-tauglich?

Derad Erst einmal müssen wir den Aufstieg überhaupt schaffen. Erste Voraussetzung dafür ist, dass wir am Samstag unser letztes Heimspiel gegen Concordia Delitzsch gewinnen. Wir wollen das Endspiel in Essen und wir wollen auch da zeigen, dass wir den besseren Handball spielen.

Wenn wir den direkten Aufstieg schaffen, hat das gegenüber der Relegation noch einen riesengroßen Vorteil: Wir hätten viel mehr Zeit, uns auf die neue Saison vorzubereiten, Zeit, die wir nutzen könnten, um auch im athletischen Bereich zu arbeiten.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ist der TSV für einen Aufstieg vorbereitet?

Derad Ich denke schon. Ich bin überzeugt, dass wir uns im Falle eines Aufstiegs auch noch weiterentwickeln werden. Wobei wir uns über eines klar sein müssen: Die Erste Liga ist eine andere Welt, und das meine ich nicht nur vom Spielerischen her, das gilt auch für das gesamte Drumherum.

Und da kann Dormagen mithalten? So schön das TSV-Bayer-Sportcenter ist, es wäre in der nächsten Saison die kleinste Halle der Liga.

Derad Nicht ganz, die neue Halle in Balingen ist noch etwas kleiner. Unsere Halle ist mit Sicherheit erstliga-tauglich und stellt trotzdem für die anderen Erstligisten eine besondere Herausforderung dar, weil die Atmosphäre viel dichter ist als in den größeren Hallen. Das hat man ja in der vergangenen Saison gegen Wilhelmshaven oder im Pokalspiel gegen Kiel gesehen.

Ich bin überzeugt, dass wir dadurch einen gewissen Heimvorteil haben werden. Und lassen Sie mich eines gleich klarstellen: Für unsere Fans wird sich nicht viel ändern, Vip-Räume oder dergleichen wird es auch in der Ersten Liga bei uns nicht geben. Wir gehören zusammen und das wollen wir auch nach außen zeigen. Aber wie gesagt, erst einmal müssen wir da hinkommen.

Wie sieht die wirtschaftliche Seite aus. Spült ein Aufstieg gleich mehr Geld in die Kasse oder erhöht er nur die Kosten?

Derad Beides. Es kommen auf jeden Fall höhere Kosten auf uns zu, das fängt mit dem Spielklassenbeitrag an und endet bei den höheren Schiedsrichterkosten noch lange nicht. Die Reisekosten werden sich nicht viel verändern, vielleicht kommen ein paar mehr Übernachtungen hinzu. Außerdem brauchen wir einen fernsehtauglichen Boden. Auf der anderen Seite werden wir aber gerade durch die Möglichkeit, ins Fernsehen zu kommen, auch für Sponsoren interessanter.

Stehen die bei Ihnen jetzt Schlange?

Derad Ein Aufstieg in die Erste Liga bedeutet nicht automatisch, dass man mehr Geld zur Verfügung hat. Das muss man sich erarbeiten, und dafür braucht man Zeit. Ich bin überzeugt, dass wir jetzt schon ein attraktiver Partner sind, dass wir als Erstligist aber noch attraktiver werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender werden in der nächsten Saison 40, das DSF 30 Bundesliga-Spiele übertragen, dazu kommt das demnächst per Pay-TV weltweit empfangbare HBL-Fernsehen - da werden auch Spiele von uns dabei sein.

(NGZ)