Lokalsport : Aufstieg!

Seit Samstag 18 Uhr ist der TSV Bayer Dormagen zurück in der 2. Handball-Bundesliga. Nach dem 32:24-Sieg beim ATSV Habenhausen floss das Feierbier in Strömen . . .

Punkt 18 Uhr am Samstagabend kehrte der TSV Bayer Dormagen nach zweijähriger Abwesenheit in den erlauchten Kreis der 38 besten deutschen Handballteams zurück. Sieben Minuten später schleppten Kapitän Alexander Kübler und der eigens für das Aufstiegsfinale beim ATSV Habenhausen aus seinem Studienort Reutlingen angereiste Sebastian Linnemannstöns den ersten Kasten Kölsch in Richtung ihrer Teamkollegen . . .

Es sollte nicht der letzte bleiben an diesem Abend, auch wenn die ganz große Aufstiegssause erst beim letzten Heimspiel steigen soll, das am Samstag um 19 Uhr im Bayer-Sportcenter gegen den VfL Gummersbach II angepfiffen wird. "Wir sind alle glücklich, aber auch alle platt - die Saison war sehr, sehr anstrengend", erklärte Ulli Kriebel, warum bei ihm und seinen Schützlingen nach dem 32:24-Sieg über den bereits als Absteiger feststehenden Bremer Vorortklub nicht die ganz großen Emotionen hoch kochten, "vielleicht kommt das noch nächste Woche." Der Trainer selbst hatte "fünf Minuten vor dem Abpfiff ein bisschen geweint", wie er im Nachhinein eingestand. Kein Wunder, schließlich hat der 40-Jährige gleich seine erste Spielzeit im Seniorenbereich mit einem Aufstieg gekrönt. "Ein Jahr früher als geplant", wollte Handball-Geschäftsführer Björn Barthel festgehalten wissen, bevor er in der ersten von mehreren Bierduschen ertrank.

Es war ein merkwürdiges Szenario an diesem sonnenbeschienenen Nachmittag im beschaulichen Bremer Stadtteil und der vom ATSV Habenhausen in Eigenregie errichteten Hinni-Schwenker-Halle. Die war zu gut zwei Dritteln mit Anhängern der Gäste gefüllt, was bei insgesamt 110 zahlenden Zuschauern nicht ganz so schwer war. Die sahen eher müden Sommer-Handball als einen begeisternden Aufstiegskrimi. Und zur Halbzeitpause, in die die Gäste einen bescheidenen Ein-Tore-Vorsprung (15:14 nach 9:4-Führung und 13:13-Zwischenstand) mitnahmen, hatte mancher die mehr als vierstündige Anreise über die staugeplagte A 1 schon bereut: "Ich glaube, die schaffen das nicht," war mehr als einmal im Durchgang zur nur zwei Sitzreihen umfassenden Tribüne zu hören.

Eine Dreiviertelstunde später war davon keine Rede mehr. Zur Qualität eines echten Fans gehört eben auch das schnelle Vergessen-Können. Und spätestens, als achteinhalb Minuten vor dem Schlusspfiff - das Habenhausener Trainergespann Marc Winter und Lars Müller-Dormann hatte gerade angesichts eines Dormagener Zwischenspurts von 26:21 auf 29:21 eine Auszeit genommen - Björn Barthel den Karton mit den Aufstiegs-T-Shirts Richtung Spielerbank schleppte, war jedem klar, dass es eine beschwingte Rückfahrt würde.

Im Sitzen verfolgte keiner mehr die Schlussphase, auch nicht auf der Bank, wo Ulli Kriebel seine Spieler schon Minuten vor dem Abpfiff herzte und drückte. Am Ende durfte dann auch Nuno Carvalhais, der den TSV nach nur einer Saison ebenso verlässt wie Alexander Kübler und Jan Hüfken, einen Treffer per Gegenstoß beisteuern. Das Endergebnis - 32:24 aus Sicht der Gäste - dürfte den wenigsten Mitwirkenden bekannt gewesen sein an diesem Abend. Letztlich war es auch egal, hätte auch ein Sieg mit einem Tor Unterschied gereicht. "Das war nicht so deutlich, aber darüber spricht in einer Woche keiner mehr", brachte Lukas Stutzke die vorherrschende Gemütslage auf den Punkt. Dem Junioren-Nationalspieler war vielleicht am deutlichsten die Anstrengung der zurückliegenden Monate und die Anspannung des "Nicht-noch-auf-der-Zielgeraden-patzen" anzumerken.

Dass es nicht richtig spannend wurde gegen keineswegs nur wie ein Sparringspartner auftretende Bremer, war vornehmlich einem Trio zu verdanken: Janis Boieck mit einem Dutzend Paraden und der Flügelzange Tim Wieling (11/2) und Sebastian Linnemannstöns (5/2), die zusammen die Hälfte der Gästetreffer erzielten. Das reichte, um nach 1983 (in Altjührden), 2002 (in Angermund) und zuletzt am 3. Mai 2014 in eigener Halle zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte in die Zweite Liga aufzusteigen.

"Jetzt geht die Arbeit erst richtig los", stellte Tobias Plaz nüchtern fest. Vor vier Jahren, als ein 31:22 über die ebenfalls schon als Absteiger feststehende TSG A-H Bielefeld den Aufstieg bescherte, hatte er als Rechtsaußen drei Tore zum Sieg beigesteuert, jetzt gehört der 36-Jährige dem Kompetenzteam an, das Björn Barthel ehrenamtlich unterstützt. Der sieht die Hausaufgaben in einer Hinsicht schon auf guten Weg gebracht: "Wirtschaftlich stehen wir besser da als vor vier Jahren." Was auf sportlicher Seite noch zu tun ist, gab ihm sein Habenhausener Kollege Thomas von der Heyde mit auf den Heimweg: "Unsere Jungs haben gut dagegen gehalten, aber in der Zweiten Liga warten sicher andere Kaliber auf euch . . ."

(NGZ)