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Korschenbroich: Der Engel kehrt heim nach St. Andreas

Korschenbroich : Der Engel kehrt heim nach St. Andreas

Wenn am Sonntag die Christen in die Pfarrkirche St. Andreas zum Weihnachtslieder-Singen strömen, wird ihr Blick nicht nur auf das Friedenslicht gelenkt: Eine Engel-Skulptur kehrt zurück. Sie galt seit dem Bombenangriff 1943 als verschollen.

Frohe Botschaften gibt es in der Weihnachtszeit viele. Und auch in der Pfarre St. Andreas dürfen sich die Christen über einen Engel freuen, der den Bombenhagel auf die Pfarrkirche in der Nacht vom 22. auf den 23. August 1943 fast schadlos überstanden hat. Josef Müllers rettete den fast 60 Zentimeter großen Gottesboten aus den Trümmern. Müllers hatte damals große Sorge, dass der Engel vom Hauptaltar in den Kriegswirren aus der Not heraus verheizt werden könnte. Er blieb bis vor wenigen Wochen verschollen, Sonntag kehrt der Engel nun nach mehr als 60 Jahren an seinen Stammplatz zurück.

Rita Mielke hält die Engelsskulptur vorsichtig in beiden Händen. Die stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende kann ihr Glück kaum fassen. "Kaum jemand hatte eine Ahnung von dieser Existenz", beschreibt sie das Weihnachtsgeschenk, das Ursula Wanders der Andreas-Pfarre in dieser Woche machte. Auch die Wahl-Gladbacherin sagt: "Der Engel kehrt heim. Ich möchte, dass er dort seinen Platz findet, wo er einst weggeflogen ist." Damit spricht sie den Fund ihres Vaters an, der den "kostbaren Schatz" zunächst in ihrem Elternhaus, direkt an der Kirche, vor möglichen Übergriffen Dritter hütete. "Wir haben damals am Kirchplatz 3 gewohnt", sagt Ursula Wanders. Als sie Fünf war, zog sie mit ihren Eltern nach Mönchengladbach — und der Engel zog mit. In der Wohnung von Anni und Josef Müllers erhielt der Gottesbote einen Ehrenplatz. Er stand auf einem eigens für ihn angefertigten Holzpodest in der Diele.

Mittlerweile sind die Eltern von Ursula Wanders verstorben, ihre frühere Wohnung wurde umgebaut. In diesem Zusammenhang suchte sie nach dem rechtmäßigen Besitzer der Heiligenfigur: "Ich weiß, hier ist der Engel in guten Händen, hier gehört er hin", sagt sie.

Alois Müller spricht von "einer ganz besonderen Weihnachtsüberraschung". Der frühere Andreas-Pfarrer, auch als Kunstkenner bekannt, hatte erst im Herbst den Bronze-Engel über dem Verkündigungsportal auf seine Kosten restaurieren lassen. Und zu dem Heimkehrer stellt Müller erfreut fest: "Der Engel ist wirklich gut erhalten. Selbst an den Flügelrücken lassen sich noch Originalfarbspuren erkennen." Dass der Engel mehr als 120 Jahre auf dem Buckel hat, belegt Alois Müller mit Aufzeichnungen von Jakob Bremer. Er beschreibt den Hauptaltar, der 1892 vom damaligen Erzbischof Fischer geweiht worden war. Dabei handelt es sich um ein Werk des Bildhauers Ferdinand Hachenberg (Mülheim), polychromiert wurde der Hochaltar dann 1907 von Franz Wirth aus Aachen. Dass es seinerzeit zwei Engel gab, zeigt eine Uralt-Fotografie. Ihr Platz war auf dem Hauptaltar, den sie rechts und links einfassten.

Ursula und Hartmut Wanders, die bei der Übergabe morgen nicht dabei sein können suchten den Kontakt zur Andreas-Pfarre über den Korschenbroicher Kulturbahnhof. Dort trafen sie auf Ulrike Strijbos, die sofort Rita Mielke informierte. Welchen Platz der Engel künftig in der Pfarrkirche einnehmen wird, ist noch offen. "Die Entscheidung treffen wir im neuen Jahr in aller Ruhe", sagt Rita Mielke, um allen Spekulationen vorzubeugen. "Morgen werden wir mit dem Weihnachtssingen erst einmal die Heimkehr feiern." Ab 18 Uhr heißt es dann: "Und der Engel sprach: Fürchtet Euch nicht!"

(NGZ/ac)