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40 Jahre Rhein-Kreis Neuss: Der Mann, der für sauberes Wasser sorgt

40 Jahre Rhein-Kreis Neuss : Der Mann, der für sauberes Wasser sorgt

Im Wasserwerk Büttgen-Driesch kümmert sich Wassermeister Dirk Offer darum, dass aus Rohwasser Trinkwasser wird.

Es ist einer der alltäglichsten Vorgänge überhaupt: Man dreht den Hahn auf und heraus kommt klares, sauberes Trinkwasser. Duschen, Wäsche waschen, Kaffee kochen oder mit dem Gartenschlauch den Rasen sprengen wäre ohne diesen zur Selbstverständlichkeit gewordenen Luxus nicht möglich. Wie das Grundwasser aus der Tiefe zu dem wird, was am Ende aus dem Duschkopf oder der Toilettenspülung kommt, das weiß im Rhein-Kreis-Neuss kaum jemand besser als Dirk Offer. Er ist Wassermeister im Wasserwerk Büttgen-Driesch, eines von dreien der Kreiswerke Grevenbroich. Hin und wieder bringt ihn die Beobachtung der Wasserverbrauchswerte auch zum Schmunzeln.

"Eigentlich habe ich mein ganzes Berufsleben lang mit Wasser zu tun gehabt", sagt Dirk Offer, der 1985 seine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur begonnen hat. Nachdem er anschließend einige Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet hatte, wechselte er 1991 zu den Kreiswerken Grevenbroich. Dort war er in den ersten Jahren für die Wartung und Neuverlegung der Rohrnetze im Kreisgebiet verantwortlich. "Im Jahr 2000 wurden dann neue Wassermeister gesucht, das passte ganz gut, denn ich hatte meinen Wassermeister zwischenzeitlich in Dresden gemacht", sagt Offer. Zusammen mit zwei Mitarbeitern sorgt er nun seit 15 Jahren dafür, dass die hochmodernen und komplizierten Anlagen im Driescher Wasserwerk zuverlässig funktionieren.

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Aus 30 Metern Tiefe wird das Grundwasser über acht Brunnen, die in der Nähe der Anlage in einem Waldstück stehen, in die Höhe geholt. Das ist eine verhältnismäßig geringe Tiefe, was an dem gut gewählten Standort der Brunnen liegt. "Wir sind hier entsprechend weit von den Tagebauten entfernt - im Wickrather Werk wird auf 99 Meter Tiefe gebohrt, weil dort das Grundwasser künstlich abgesenkt wird, damit es nicht in die Tagebaugruben läuft", erklärt Offer. Mindestens einmal täglich fahren der Wassermeister oder einer seiner Kollegen zu ihren Brunnen, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. "Die Sicherheit steht eben an erster Stelle. Auch wenn die Brunnen durch Zäune und Absperrungen gut gesichert sind, überzeugen wir uns trotzdem jeden Tag selbst davon, dass sich niemand daran zu schaffen gemacht hat", sagt der 46-Jährige.

Über Rohre wird das Wasser, etwa 200 Kubikmeter pro Stunde, in das Werk geleitet, bevor es die drei bis vier Stunden dauernde Verwandlung von Grund- in Trinkwasser durchläuft. Was genau mit dem wertvollen Rohstoff alles passiert, zeigt eine eindrucksvolle Schaltzentrale an Dirk Offers Arbeitsplatz. Auf dem sogenannten Mosaikbild, einer etwa acht Meter langen Stellwand mit schematischer Darstellung des gesamten Wasserwerks, blinken rote und grüne Lämpchen, die die Aktivitäten der einzelnen Vorgänge dokumentieren. "So etwas Aufwendiges wird heute gar nicht mehr hergestellt, meistens gibt es das nur noch in digitaler Form. Hier hat man alles sehr anschaulich auf einen Blick", sagt Offer nicht ohne Stolz. Regelmäßig führt er auch Besucher durch das Gelände und erläutert die Funktionsweise der Anlage. "Das besondere an unserer Anlage ist die Schnellentkarbonisierung, die hier seit 1992 stattfindet", erläutert Offer, "das bedeutet nichts anderes, als dass wir aus hartem Wasser weiches Wasser machen. Früher hatte das Wasser einen Härtegrad von 30, heute liegen wir bei zwölf bis 15. Der Vorteil - egal ob für private Kunden oder Unternehmen - ist, dass sie schlichtweg weniger entkalken müssen."

Kommt das Grundwasser im Werk an, wird es zunächst vorgefiltert und dann von oben in die sogenannten Riesler gefüllt. "Hier findet die Entsäuerung statt, das Wasser läuft über Kunststoffplatten nach unten, ähnlich wie bei einem Waschbrett", ruft Offer gegen den tosenden Lärm der Anlagen. "So wird die Kohlensäure ausgeschüttelt, wir bringen das Wasser quasi aus dem Gleichgewicht." Anschließend gelangt das Rohwasser in Reaktoren, die mit Kontaktsand gefüllt sind, und an denen sich der Kalk absetzt. "Dadurch entsteht die Kornmasse, die von Landwirten als Dünger genutzt wird. Am Tag kommen da drei bis acht Tonnen zusammen", sagt der Rommerskirchener, während er die holunderbeerengroßen, weißen Kügelchen durch seine Hand rieseln lässt.

In riesigen Stahlkesseln, die 60 Kubikmeter fassen, wird das Wasser erneut gefiltert, Trübstoffe setzen sich ab - und heraus kommt reines Wasser. Mitarbeiter des Gesundheitsamts nehmen alle 14 Tage Proben des Wassers, um seine Qualität zu kontrollieren. In einem Becken, das wirkt wie eine Mischung aus Swimming Pool und geheimnisvoller Grotte, wird das Reinwasser gesammelt. Klar und blau schimmernd lagert es dort, abgetrennt durch eine verschlossene Glastür. "Das ist das Ergebnis der ganzen Arbeit. Immer, wenn ich hier stehe und es mir ansehe, denke ich, ich habe wirklich einen schönen Job", sagt Offer mit Blick auf das Wasser.

Dennoch: Viel Zeit hat er nicht, um sich an dem Anblick des Reinwassers zu erfreuen. Je nach Jahreszeit werden 9000 bis 17000 Kubikmeter Wasser pro Tag abgegeben. Die Anlage läuft zwar voll automatisch und 24 Stunden am Tag, aber zu tun gibt es für die Mitarbeiter des Wasserwerks immer genug.

"Mehr als 205 000 Menschen haben wir im vergangenen Geschäftsjahr mit dem erfrischenden Lebensmittel Nummer Eins versorgt", sagt Stefan Stelten, Geschäftsführer der Kreiswerke Grevenbroich. Und um das gewährleisten zu können, ist wiederum eine "wahnsinnig komplizierte Technik" notwendig, wie Dirk Offer betont.

An manchen Tagen können er und seine Kollegen auch eindeutige Rückschlüsse auf das Verhalten der Menschen im Versorgungsgebiet ziehen. "Am 13. Juli vergangenen Jahres ging bei uns der Wasserdruck gegen 21.50 Uhr schlagartig von etwa 100 auf 1000 Kubikmeter hoch, ein sehr auffälliger Wert", erinnert sich der Wassermeister. Die Erklärung war so offensichtlich wie logisch, wie Offer mit einem Lächeln auf den Lippen sagt: "Es war das Finale zwischen Deutschland und Argentinien, zu der Uhrzeit war gerade Halbzeitpause, das haben wohl enorm viele Menschen für einen kurzen Toilettengang genutzt."

(NGZ)