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40 Jahre Rhein-Kreis Neuss: Im Dauereinsatz für die Sicherheit der Bürger

40 Jahre Rhein-Kreis Neuss : Im Dauereinsatz für die Sicherheit der Bürger

Rund 1000 Anrufe gehen täglich in der Leitstelle für den Rettungsdienst und Feuerschutz ein - Christoph Müller behält den Überblick

Der Name klingt eher unspektakulär: Amt für Sicherheit und Ordnung. Den meisten Menschen fällt da wohl als erstes das letzte Knöllchen an der eigenen Windschutzscheibe ein. Hinter dem Namen verbirgt sich allerdings nicht nur die Allgemeine Ordnungs- und die Ausländerbehörde, sondern auch die Fachabteilung Gefahrenabwehr/Gefahrenvorbeugung.

Hier laufen alle Fäden zusammen, wenn es im Rhein-Kreis-Neuss darum geht, auf Notfälle zu reagieren. Herzstück der Abteilung ist die Kreisleitstelle, von der aus kreisweit alle Feuer- und Rettungswachen, Notarztdienste oder, wenn nötig, überörtliche Einsatzkräfte alarmiert werden. Gefordert sind die Mitarbeiter wie Disponent Christoph Müller bei unterschiedlichsten Angelegenheiten - bei Naturkatastrophen genauso wie bei Klagen über akute Zahnschmerzen am Wochenende.

"Hinter der Glastür wird es ernst", sagt Hans-Joachim Klein, der das Amt seit 20 Jahren leitet. Dort beginnt der so genannte blaue Bereich, acht Arbeitsplätze, die mit ihren zahlreichen Bildschirmen und rot blinkenden Lämpchen wirken wie kleine Kommandozentralen. Hier landet jeder, der im Rhein-Kreis die Notfallnummer 112 wählt. "Die Leitstelle ist rund um die Uhr besetzt, meine Kollegen und ich koordinieren sämtliche Rettungs- und Feuerwehreinsätze im Kreisgebiet", sagt Hauptbrandmeister Christoph Müller, der seit 2007 Disponent in der Leitstelle ist.

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Rund 1000 Anrufe gehen dort täglich ein, in Ausnahmesituationen, wie am Tag des Sturms "Ela" im Sommer vergangenen Jahres, sind es auch schon mal 5000 Telefonate, die die Disponenten am Tag entgegennehmen. "So etwas bleibt schon im Gedächtnis. Die Leitstelle war voll besetzt, unsere zwei zusätzlichen Arbeitsplätze waren eingerichtet, es war ein sehr hoher Geräuschpegel, natürlich lag auch eine gewisse Anspannung in der Luft", erinnert sich Müller, der selbst lange Zeit als Feuerwehrmann im Einsatz war. "Bei einem derart großen Aufkommen von Anrufen mussten wir natürlich Prioritäten setzen und haben uns auf die medizinischen Notfälle konzentriert. Ein Ast, der auf der Straße gelandet ist, ist dann erstmal nicht so wichtig, wie jemand, der einen Herzinfarkt erlitten hat."

Auch an Tagen ohne Unwetter oder anderen außergewöhnlichen Bedingungen sind die Disponenten im Dauereinsatz. "Wir sind für sechs Städte und zwei Gemeinden zuständig, in denen insgesamt knapp 450 000 Menschen leben. In diesem Gebiet gibt es rund 100 Kilometer Autobahn, 50 Kilometer Rheinufer, drei Einflugschneisen und drei Häfen - daraus ergibt sich ein hohes Gefahrenpotenzial", erklärt Klein.

Rettungsdienst, Feuerschutz und Katastrophenschutz werden über die Leitstelle koordiniert - den Überblick zu behalten ist neben funktionierender Technik das A und O für die Mitarbeiter. "Man muss innerhalb von kürzester Zeit entscheiden, welches Ausmaß welcher Notruf hat, wie viele Einsatzwagen nötig sind, welche Art von Einsatzfahrzeugen gebraucht werden oder ob sogar einer der Hubschrauber angefordert werden muss", sagt Müller.

Innerhalb von acht Minuten müssen die jeweiligen Helfer vor Ort sein, in ländlichen Regionen dürfen laut Vorschrift bis zu zwölf Minuten vergehen. "Die Uhr tickt, sobald der Anruf entgegen genommen wird. Ein Telefonat sollte auch nicht länger als 90 Sekunden dauern, das gelingt allerdings nicht immer", berichtet der 43-Jährige Disponent aus seinem Arbeitsalltag. "Wenn jemand in einer Notfallsituation anruft und gerade irgendwo auf einem Feldweg steht, kann es schon mal dauern, bis wir herausgefunden haben, wo genau sich der Anrufer befindet."

Damit die Telefonate so effektiv wie möglich ablaufen, wurde die strukturierte Notrufabfrage entwickelt, eine Software, die durch logische Schlüsselfragen hilft, die richtige Diagnose zu stellen. "Das ist eine Hilfe für beide Seiten. Wir erleben, dass selbst Profis, die eigentlich wissen, wie man einen Notruf absetzt, dazu kaum noch in der Lage sind, wenn sie sich selbst in einer Notsituation befinden", sagt Müller.

Auch bei medizinischen Notfällen bleiben die Disponenten länger am Telefon, zum Beispiel dann, wenn es sich anbietet, eine Telefonreanimation durchzuführen. Anrufer, die einen bewusstlosen Menschen vorgefunden haben, bekommen dann von den Disponenten genaue Instruktionen, wie sie eine Reanimation durchführen können, das kann die Überlebenschancen des Patienten deutlich erhöhen. "Die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte, die gleichzeitig verständigt werden, wird so zudem überbrückt. Wir holen den Anrufer ab, geben ihm mit unseren konkreten Anweisungen, welche Handgriffe er durchführen muss, Sicherheit." Angst, dem Patienten durch die Herz-Druck-Massage zu schaden, muss dabei niemand haben. "Bei einer Reanimation kann man gar nichts falsch machen, nur nichts zu tun ist absolut falsch", sagt Müller. Auf die Frage, wie sich Anrufer beim Telefonat verhalten sollten, hat Müller eine einfache Antwort: "Er sollte einfach auf das antworten, was die Leitstelle von ihm wissen will."

Doch auch wenn die Retter am Telefon Gelassenheit ausstrahlen und gleichzeitig hochkonzentriert sein müssen, gehen die Notfälle nicht spurlos an ihnen vorbei. "Gerade wenn Kinder betroffen sind, gehen einem die Fälle oft nicht aus dem Kopf", berichtet Müller, der selbst Familienvater ist. Daher stehen nicht nur den Rettungskräften vor Ort, sondern auch den Disponenten die Seelsorger der Psychologischen Dienste aus Dormagen und Düsseldorf zur Verfügung, etwa jeden dritten Tag werden sie angefordert.

Immer wieder komme es auch vor, dass Bürger die 112 wählen, ohne dass sie sich in einer Notfallsituation befinden. "Die Hemmschwelle ist niedriger geworden, Jugendliche erlauben sich nach der Schule schon mal einen Scherz. Wir hatten aber auch schon den Fall, dass ein älterer Mitbürger anrief um sich zu erkunden, wer denn Neusser Schützenkönig geworden sei", erinnert sich Müller. Und auch der "Klassiker" passiert immer noch. "Es ist ein Klischee, aber den Anrufer, der die Katze auf dem Baum meldet, ja, das kommt vor", erzählt er augenzwinkernd.

(NGZ)