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Remscheid: Demonstration fürs Orchester

Remscheid : Demonstration fürs Orchester

Dirigent Peter Kuhn unterbrach am Mittwoch das Philharmonische Konzert mitten in der Schumann-Sinfonie: So höre es sich an, wenn Remscheid die Symphoniker abschafft. Das Publikum tobte. Das Haus war ausverkauft.

Das gab es noch nie in einem Philharmonischen Konzert. Zumindest nicht in Remscheid. Mitten im Kopfsatz der vierten Sinfonie von Robert Schumann hört Peter Kuhn plötzlich auf zu dirigieren. Gefühlte 30 Sekunden lang hält er seinen Taktstock in die Luft, und auch im Orchester rührt sich kein Arm mehr. Eine gespenstische Szene, wie in einem Film, der plötzlich mittendrin anhält.

Dann dreht sich Kuhn zu den Zuhörern um. "So hört es sich an, wenn ein Orchester nicht spielt", sagt der Generalmusikdirektor, und sofort bricht minutenlanger, tosender Beifall aus, das Publikum bringt den Musikern Standing Ovations, und irgendwann muss der Dirigent ein deutliches Handzeichen geben, um weiterreden zu können.

Den politisch Verantwortlichen solle allmählich klar werden, dass es nicht darum gehe, ob die Stadt Remscheid sich noch ein Orchester leisten könne, sagte Kuhn. "Die Frage ist, ob Remscheid es sich leisten kann, kein Orchester mehr zu haben." Dann dirigiert er Schumanns Vierte weiter bis zum Schluss, nicht ohne zu bemerken: "Ein Happy End ist nicht gewiss..."

Das Teo Otto Theater war beim neunten Philharmonischen Konzert der Saison restlos ausverkauft, in den ersten Reihen tummelten sich sichtlich viele junge Hörer. Sie begrüßten die Musiker schon mit ostentativ langem Auftrittsapplaus. Um den Schlussbeifall zu beenden, musste Peter Kuhn seine Musiker schon bei der Hand nehmen und von der Bühne führen.

Eigens aus Neustrelitz angereist, um ihrem alten Orchester den Rücken zu stärken war Kuhns Vorgängerin Romely Pfund. Beate Wilding, als Oberbürgermeisterin derzeit Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Symphoniker, wurde nicht gesehen. Der für Kultur zuständige Beigeordnete Christian Henkelmann blieb nur bis zur Pause.

Immerhin bekam er so noch die Ansage der Zugabe mit, die der Solist Bernd Glemser gab: Ferruccio Busonis Klavierbearbeitung von Bachs Choralvorspiel "Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ". Hintersinnig fügte der weltberühmte Pianist hinzu: "Ich hoffe, wir werden erhört!"

(um)