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Ratingen: Wie Frauen das Brauchtum pflegen

Ratingen : Wie Frauen das Brauchtum pflegen

Der Verein "Ratinger Weiter" feierte am Wochenende sein 30-jähriges Bestehen mit einem Festakt im Angersaal. Vorgestellt wurde dabei auch das dritte Buch "Unsere alte Stadt" und außerdem noch die Johanna-Flinck-Ehrennadel verliehen.

Man spricht sie "We-iter" aus. Weiter täte es auch; denn die mundartlich begeisterten Frauen, deren Verein sich nach dem plattdeutschen Wort für Mädchen nennt, diese Mädchen fortgeschrittenen Alters mühen sich redlich um Erhalt und Pflege des Ratinger Platt. Und hier und da greift es ja auch. Vor drei Jahrzehnten gründeten sie ihre Gemeinschaft und feierten jetzt diesen Geburtstag. Fast ohne Blumen, doch mit vielen blumigen Worten.

Die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Korzonnek, Pastor Arnold, befreundete Vereine, und manches Weit gingen zum Mikrophon, Vorsitzende Hildegard Pollheim wusste die Gästeschar mit Rückblicken und Vereinsgeschehen gut zu unterhalten. Zum 30. Geburtstag präsentierten die Ratinger Mädchen den dritten Band von Lore Schmidt, in dem die inzwischen fast 88 Jahre alte Mundartdichterin unter dem Titel "Unsere alte Stadt" Gedichte und Erzählungen verfasst hat, auf Hochdeutsch und op Platt. Der Weiter-Verein hat auch diesen, den dritten Band, finanziell unterstützt und damit ein Zeitzeugnis möglich gemacht, das sonst der Öffentlichkeit nicht zugänglich wäre. Damit wie mit Hilfe der Bände aus den Jahren 1987 und 1997 können sich Interessierte vielleicht in Ratinger Platt üben. Und es gibt dort Gedichte, die Lore Schmidt schon als 14-Jährige verfasst und jetzt veröffentlicht hat. Hildegard Pollheim trug sie gekonnt vor.

Die Weiter hatten nicht nur Poesie und Gratulationscour für den eigenen Verein zwischen Sekt zum Hochleben und Bütterkes zum Weiterleben gebettet, sondern ehrten noch einen verdienten Mitbürger. Sie tun das alle zwei Jahre mit der Johanna-Flinck-Ehrennadel zur Erinnerung an die verdiente Fürsorgerin. Diesmal war Erhard Raßloff, Leiter des Amts für Soziales, Wohnen und Integration, der Geehrte, und zwar "für sein vielfältiges Engagement in einem breiten sozialen Bereich, das weit über seine Pflichten als langjähriger Beamter der Stadt Ratingen hinausgeht". Noch ist das Eintrittsalter der Weiter rund um 60 Jahre; 112 Frauen gehören derzeitig zum Verein, der sich — wie die Jonges — die Förderung und Aufrechterhaltung heimatstädtischer Belange, die Pflege des Brauchtums und der Ratinger Mundart, heimatkundliche Exkursionen und gesellige Kontakte auf die Fahnen geschrieben hat. Was aber bei der Geburtstagsfeier ans Tageslicht kam: Der Verein ist äußerst sparsam. Die Buchveröffentlichung war nur möglich, weil die Weiter darauf gespart haben.

(gaha)