1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Ratingen: Sparen mit dem richtigen Dreh

Ratingen : Sparen mit dem richtigen Dreh

Landrat Thomas Hendele gab am Freitag den Startschuss für ein neues Energie-Projekt im Kreis Mettmann. Gemeinsam mit Energieberatung und Handwerkskammer wird für den "hydraulischen Abgleich" geworben.

Wer kennt das nicht? In manchen Räumen wird es nie richtig nicht warm, während in anderen Zimmern die Heizkörper fast glühen. Im Keller ächzen Heizkessel und Umwälzpumpe, es gluckert und rumpelt in den Leitungen — und die Heizkosten steigen von Jahr zu Jahr.

Oft ist das Problem schnell erledigt. "Hydraulischer Abgleich" heißt das Zauberwort, mit dem sich die verborgene "Schatzkiste" öffnen lasse, so Dr. Reinhard Loch von der Verbraucherzentrale NRW. In einer gemeinsamen Aktion mit den beiden Energieberatungsstellen in Ratingen und Langenfeld sowie mit Kreis und Handwerkskammer wird dafür die Werbetrommel gerührt. Landrat Thomas Hendele gab gestern im Ratinger Rathaus den Startschuss für die bundesweite Kampagne "Meine Heizung kann mehr" im Kreis Mettmann.

Angesichts des sehr großen Altbaubestandes im Kreis sieht Hendele noch große Einsparpotenziale. Wichtig seien dabei Ansprechpartner direkt vor Ort: Sie könnten die zahlreichen Internetangebote nicht ersetzen. Daher fördere man sehr gerne die soeben geschaffenen Energieberatung in Ratingen mit jährlich 34 000 Euro.

Der Schlüssel zur Schatzkiste

Susanne Berger startet von Ratingen aus zu den Lokalterminen im Kreis — ebenso wie ihre Kollegen aus Langenfeld. Was steckt nun hinter dem sperrigen Begriff "hydraulischer Abgleich"? Berger kann es mit wenigen Worten erklären: Im Prinzip gehe es darum, das Heizungswasser gleichmäßig zu verteilen — was aber in der Praxis erstens nicht einfach ist und zweitens nicht selten gar nicht funktioniert.

Folge: In unteren Etagen sind die Heizkörper schön heiß, während sie oben nur lauwarm sind — obwohl die Thermostatventile voll aufgedreht sind. Doch genau dort liegt das Schloss der Schatzkiste: Mit einem kleinen Dreh an der Grundeinstellung des Ventils kann der Fachmann dafür sorgen, dass der Wasserdruck überall gleich ist — nur so gelangt die Wärme bis in die hinterste Ecke und bis ins oberste Geschoss des Hauses. Moderne Thermostatventile besitzen diesen versteckt angebrachten Regler schon, bei anderen hilft nur der Austausch.

Der kleine Dreh kann viel Geld sparen, muss aber vom Fachmann erledigt werden: Der berechnet über die Quadratmeterzahl der Räume, aber auch anhand der Beschaffenheit und Zahl der Außenwände den genauen Wärmebedarf. Das geht nicht ohne Ortstermin und lange Rechnerei. Dabei gehen einige Handwerkerstunden drauf: Das kostet bei einem Ein- bis Zweifamilienhaus so etwa ab 650 Euro aufwärts, Austausch der Ventile nicht eingerechnet. Bei Neubauten ist der hydraulische Abgleich seit Jahren bereits Pflicht. Er ist auch Voraussetzung für Fördermittel. Wer den Abgleich nachträglich machen lässt, hat aber die Kosten bereits nach etwa sechs Jahren wieder heraus.

Darüber hinaus kann man dann auch die Leistung der Umwälzpumpe anpassen oder sie besser gleich austauschen. Denn was kaum ein Hausbesitzer ahnt: Die bis zu 70 Watt starken Pumpen sind der größte Energiefresser im Haus — etwa 10 bis 20 Prozent der Stromkosten. Zum Vergleich: Eine elektronisch gesteuerte Hocheffizienzpumpe schluckt gerade mal drei Watt. Die Anschaffung wird übrigens auf Antrag (vor dem Einbau!) von der Bafa gefördert.

Listen von Handwerkern gibt es im Internet von Kreis, Verbraucherzentrale und Fachverband Sanitär Heizung Klima (SHK) NRW.

(RP)