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Uniformkrise in der Schützenstadt Neuss

Schützenstadt Neuss : Uniformkrise in der Schützenstadt

Die Corona-Pandemie hat keiner der Neusser Uniform-Verleiher wirtschaftlich überlebt. Eine Folge: Die Nachfrage bei den verbliebenen Anbietern im Umland steigt. Und die Uniform-Schneidereien sind zum Teil auf Monate ausgebucht.

Die selbst ernannte Schützenhauptstadt Deutschlands steckt in einer Uniformkrise. Denn die zwei Jahre Corona-Pandemie ohne ein einziges echtes Schützenfest hat keiner der Uniform-Verleiher in Neuss wirtschaftlich überlebt. Und das jetzt, zum Start in die Saison.

Denn die Schützen treten an diesem Wochenende erstmals auf breiter Front und öffentlichkeitswirksam in Erscheinung. Anlass dazu bieten zwei Korpsschießen in Neuss, das zumindest die Gilde am Samstagabend mit einem Open-Air-Event am Hamtor krönt. Dazu kommen aber – und vor allem – die Frühkirmes in Norf mit einem Königsvogelschießen und gleichartige Wettkämpfe in Weckhoven, auf der Furth und in Rosellerheide-Neuenbaum.

Zumindest das Regiment der Peter-und-Paul-Bruderschaft auf der Heide zieht zu diesem Anlass Uniform an. Wer auf eine geliehene Kluft angewiesen ist, besorgt die sich inzwischen fast ausschließlich  im Uniformhaus Rütten in Nievenheim, berichtet Vereinssprecherin Brigitte Pieper. Dort merkt man durchaus, dass einige Akteure aus dem Markt ausgeschieden sind, bestätigt Inhaber Gregor Rütten. „Die Nachfrage steigt.“

 Manche Neusser Uniform ist recht speziell, sodass ein Ausweichen auf einen Verleih außerhalb der näheren Region selten weiterhilft.
Manche Neusser Uniform ist recht speziell, sodass ein Ausweichen auf einen Verleih außerhalb der näheren Region selten weiterhilft. Foto: Endermann, Andreas (end)
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Vor Corona gab es in Neuss selbst zwei Anbieter, die Uniformen leihweise zur Verfügung stellten. Einer davon war die Firma „Uniform-Neuss“ von Sascha Tillenburg. Die Internetseite gibt es noch, „zumindest bis zum Jahresende“, bestätigt der Inhaber, der auch das Ladenlokal an der Bergheimer Straße noch hält. Dort ist er aber nur noch nach  Terminabsprache anzutreffen – und das auch nur, um den Totalausverkauf der ehemals mehr als 400 Uniformen abzuschließen. Der Verleih sei neben dem Handel mit Sport-Equipment sein zweites Standbein gewesen, sagt Fallschirmsportler Tillenburg. Der Sportbereich wuchs zuletzt stark, dem Uniformverleih misstraute Tillenburg zunehmend. „Alleine in meinem Zug sind vier Kameraden passiv geworden“, nennt er einen Grund. Und weil er nicht dauerhaft auf zwei Hochzeiten tanzen könne, fiel die Entscheidung, den Verleih aufzugeben.

„Uniform Neuss“ ist ebenso in der Abwicklung begriffen wie das Tochterunternehmen, das Jürgen Ulrich unter dem Dach seiner Firma Mandrillus für den Verleih etabliert hat. Für dieses Geschäft hatte Ulrich den Uniformbestand der Firma Schumacher aus Norf übernommen und selbst nach eigenen Angaben einiges investiert. 2018 und 2019 seien gute Jahre gewesen, sagt er, 2020 und 2021 lag sein Umsatz bei Null. „Dann war der Verleih platt“, sagt Ulrich. Das führte zum Zerwürfnis der Partner, der einen noch nicht ausgefochtenen Rechtsstreit nach sich zog.  Die Uniformen selbst seien derweil eingemottet worden, sagt Ulrich, stünden weder zum Verkauf noch zum Verleih.

Wer einen Kauf erwägt, kann in Neuss zum Beispiel beim „Regiments“-Schneidermeister Mustafa Tezgör fündig werden, der auch Uniformen auf Maß schneidert. Ein Service, den auch Gregor Rütten anbietet. Allerdings, schränkt er ein, sind die Auftragsbücher schon rappelvoll, denn auch einige Uniformschneidereien – etwa in Düsseldorf oder im benachbarten Nettesheim-Butzheim – gebe es wegen Corona nicht mehr. Rüttens Schneiderei selbst ist schon jetzt bis Mitte September ausgebucht. „Das ist nicht schön“, sagt er selbst, „denn ich kann meine Kunden nicht bedienen.“

Bleibt im Zweifel der Verleih. Rütten selbst sieht sich mit 2000 Uniformröcken auch für eine wachsende Nachfrage noch gerüstet. Das aber auch nur, weil es mit dem Uniform- und Kostümverleih Hintzen in Korschenbroich noch einen zweiten Anbieter mit großem Fundus gibt. Auch dort bittet man schon um Geduld und darum, Anfragen am besten per Mail zu formulieren. „Der aktuelle Kundenzulauf und die Corona-Situation lassen eine bessere Erreichbarkeit derzeit nicht zu“, heißt es  bedauernd auf der Internetseite. Rütten: „Für nächstes Jahr müssen wir was tun.“