Neusser haben zusammen mit zwei Künstlern aus Armenien am Sevansee gearbeitet

Künstler in Neuss : Neusser Künstler im Austausch mit Armenien

Im Kulturzentrum am Sevansee der Werhahn-Mees-Stiftung haben Neusser zusammen mit zwei Künstlern aus Armenien gearbeitet.

Das Ende des Aufenthalts markiert eine Ausstellung in einer Galerie in Yerevan, aber sie soll nicht das Ende des Projekts sein. Zum ersten Mal haben vier Künstler aus Neuss zusammen mit zwei Kollegen aus Armenien gearbeitet, im Kulturzentrum der Werhahn-Mees-Stiftung in dem Dorf Tzovadsard am Sevansee.

Das Kulturzentrum der Stiftung am Sevansee. Foto: Wehrhahn-Mees-Stiftung

Der Bildhauer Martin Hensel, die Malerinnen Angela Harmeier und Beate Krempe sowie Monika Werhahn-Mees haben auf Einladung der Stiftung und mit finanzieller Unterstützung des Neusser Kulturamtes zwei Wochen am Sevansee zusammen mit den armenischen Künstlern Artur Assoyan und Samvel Kazarian gearbeitet und das Ergebnis in der Galerie Darland gezeigt. Im April nächsten Jahres soll genau diese Ausstellung dann im Romaneum gezeigt werden.

Für Beate Krempe war es schon der zweite Besuch im Kulturzentrum der Stiftung. Aber der erste, an dem nur Künstler beteiligt waren. Auch wenn der deutsche Alltag sie längst wieder in den Fängen hat – Krempe ist immer noch begeistert von den Begegnungen mit den Menschen dort, von den Ausflügen und dem Kennenlernen der armenischen Landschaft und Kultur.

„Jeder von uns hatte vorher eine Themenliste erarbeitet“, sagt sie, „aber gerade der Sevansee hat uns immer wieder zu unserer Arbeit inspiriert.“ Martin Hensel zum Beispiel habe aus dem Fundholz des Sees, das die Stiftung gelagert hatte, nachdem der See tiefer gelegt worden sei (inzwischen sei der Wasserspiegel wieder gestiegen), Skulpturen gemacht.

Krempe hatte immer Zeichenstift und Block dabei, diese Zeichnungen dann in Collagen verarbeitet. Der Besuch eines Friedhofes mit hunderten Grabstätten und Kreuzsteinen in allen Größen und aus allen Jahrhunderten habe sie besonders beeindruckt. „Viele alte Frauen sitzen dort, stricken Strümpfe und Topflappen, die sie verkaufen“, sagt Monika Werhahn-Mees und ergänzt: „Das sind herrliche Motive zum Zeichnen und Photographieren.“ „Diese Frauen sind eins mit ihrer Kultur“, sagt Krempe und zeigt auf eine Arbeit, in der ein Frauenkopf aus einem Kreuzstein herauszuwachsen scheint.

Völlig überrascht wurden die Neusser hingegen von Herzlichkeit und Aufwand, die mit einer Einladung zu einem Gymnasium in Gavar verbunden war. Die Werhahn-Mees-Stiftung hatte dort die Renovierung eines Klassenzimmers finanziert: „Der Bürgermeister, der Polizeichef, Schüler, die getrommelt und getanzt haben für uns, die Lehrer, die Schulleiterin – alle waren da und haben uns hochoffiziell begrüßt“, erzählt die Stiftungsgründerin und staunt immer noch ob dieses Empfangs für die Neusser. Rund 5000 Euro hat die Stiftung investiert – und Gavar mit der Zusage verlassen, das nächste Klassenzimmer in Angriff zu nehmen.

Allerdings zeigten sich in Armenien auch die Schattenseiten: „Obwohl eine ganze Menge Steine im Weg lagen, haben wir eine kreative und fruchtbare Zeit verbracht“, sagt Werhahn-Mees zwar und meint das auch wörtlich. „Seit der ,Samtenen Revolution’ 2018 haben sich die Gesetze verändert, niemand weiß genau, was er tun darf und was nicht. Alle haben die sowjetische und die korrupte Zeit noch in den Knochen und haben Angst“, sagt die Stiftungsgründerin und muss zusammen mit Artur Assoyan auch immer wieder gegen nachbarlichen Widerstand im Dorf Tzovadsard kämpfen.

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