Messe "World of Hifi" zum ersten Mal in der Stadthalle Neuss

„World of Hifi“ in Neuss : Vinyl ist noch lange nicht außer Mode

Für Liebhaber und solche, die es werden wollen, fand in der Neusser Stadthalle zum ersten Mal die Messe „World of Hifi“ kombiniert mit einer Schallplattenbörse statt.

Die Zeiten sind längst vorbei, als in jedes gutbürgerliche Wohnzimmer eine leistungsfähige Stereoanlage gehörte. Mit dem Smartphone und den Streaming-Diensten reichte vielen Musikfreunden plötzlich eine kleine Bluetooth-Box für 100 Euro. Aber es gibt sie noch, die Freunde ausgefeilter HiFi-Technik. Am Wochenende kamen sie in die Neusser Stadthalle zur „World of HiFi“. Diese Veranstaltung fand jetzt zum ersten Mal in Kombination mit einer Schallplattenbörse statt. Vinyl ist noch lange nicht out, lautete dort die Botschaft. Natürlich waren auch Plattenspieler im Angebot.

Ali Ibrahim von der High-End-Society in Wuppertal, die die Messe organisiert hatte, war mit der Resonanz zufrieden. „Der Eintritt ist frei und wir zählen die Besucher nicht, aber wir sind zufrieden, nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Die Besucher seien derzeit überwiegend männlich und in der Regel über 45 Jahre alt. Das wurde auf den ersten Blick deutlich. Ihre Rucksäcke boten genügend Platz für Prospektmaterial und für die Tupperdose für die Butterbrote.Darüber hinaus sehen die Aussteller aber auch Potenzial für neue Zielgruppen: Jüngere und weibliche HiFi-Fans sollen gezielt angesprochen werden.

Wer sucht, wird fündig. Vinyl-Liebhaber kamen bei dem Plattenangebot auf ihre Kosten. Foto: Andreas Woitschützke

Peter Gansemer war eigens aus Iserlohn angereist: „Ich habe zwar eine vernünftige Stereoanlage, besuche aber regelmäßig etliche solcher Messen“, erklärte der 68-Jährige. Reinhard Teigelkamp stieß in dasselbe Horn: „Ich habe eigentlich keinen Bedarf und im Vergleich zu anderen Messen ist das Angebot hier relativ klein“, erklärte der 68-Jährige. Ali Ibrahim weiß, dass dieser Eindruck nicht täuscht: „Hier sind 40 Aussteller auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern, während auf der ebenfalls von uns organisierten Messe in München 550 Aussteller auf 30.000 Quadratmetern ihre Angebote präsentieren.“

 In den einzelnen Räumen, in denen Stereoanlagen vorgeführt wurden, saßen die Besucher andächtig da wie in einer Kathedrale. Sie achteten auf Feinheiten, schlossen die Augen und genossen den mehr oder weniger perfekten Klang. Martin Bühler von der Firma Nubert in Schwäbisch Gmünd bewarb die neue „Soundbar“: Ihre Aufgabe ist es, den immer flacheren Fernsehern zu einem satten Sound zu verhelfen. „Unsere Produkte werden zu 60 Prozent in Deutschland gefertigt“, erklärte Bühler. Nubert sei Marktführer bei aktiven Lautsprechern. Etwas fürs Auge und fürs Ohr: Die Produktpalette von T & A, vom Design her im Stil der früheren Braun-Geräte. Arne Beckmann hatte immer volles Haus, seine edlen Geräte „Made in Germany“ waren ein Publikumsmagnet. Jürgen Mayer aus Oberhausen vertreibt Plattenspieler der Marke Dual weltweit.

Unter den HiFi-Marken mit klangvollen Namen hat es Dual geschafft, ist nicht vom Markt verschwunden. Und das Schöne an der Sache: „Produziert werden die Plattenspieler nicht in Fernost, sondern im Schwarzwald“, erklärte Mayer. Die Preisspanne reicht von 299 bis 1500 Euro. In einer ganz anderen Liga spielte da der Plattenspieler für 29.000 Euro.

Ulrich Laube aus Düsseldorf hatte die Plattenbörse organisiert: „Es ist ein Experiment, sie findet erstmals zusammen mit der HiFi-Messe statt“, erklärte der 68-Jährige. Jürgen Busch, Schallplattenhändler aus Koblenz, hatte rund 2500 Platten mitgebracht. Er weiß sehr genau, was läuft und was nicht: „Rock, Pop, Jazz, Blues und Reggae gehen immer gut, Schlager schlecht und Volksmusik verkauft sich auf der Börse fast gar nicht.“

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