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Neuss: Neuss wartet auf Carsharing-Anbieter

Neuss : Neuss wartet auf Carsharing-Anbieter

Während es im benachbarten Düsseldorf bereits sechs Carsharing-Anbieter gibt, ist das "Auto-Teilen" in Neuss noch nicht angekommen. Dabei signalisieren die Anbieter durchaus Interesse. Auch Politik und Verwaltung zeigen sich offen.

Mit anderen ein Auto zu teilen, also "Carsharing" zu betreiben, wird deutschlandweit immer beliebter. Doch während in Düsseldorf bereits mehrere Anbieter um Kunden werben, ist Neuss — obwohl nur wenige Kilometer entfernt — ein weißer Fleck auf der Carsharing-Landkarte. Dabei haben die Autovermieter die Quirinusstadt durchaus im Blick — und auch Politik und Verwaltung sind dem Konzept des "Auto-Teilens" nicht abgeneigt.

"Neuss ist für uns als Standort durchaus interessant", sagt Matthias Kall, Geschäftsführer bei Stadtmobil. Ähnlich sieht es Andreas Allebrod von Drive Carsharing: "Ich kann mir gut vorstellen, dass auch in Neuss unsere Autos stehen könnten", sagt der Geschäftsführer. "Für den Anfang brauchen wir allerdings Kooperationspartner," erklärt er.

Partner könnten die Stadt, die Stadtwerke oder auch Unternehmen sein, die bereit sind Anfangsinvestitionen mitzutragen oder einen ersten Kundenstamm mitbringen. Erste Gespräche führten allerdings noch zu keinem Ergebnis — obwohl Planungsdezernent Christoph Hölters sich offen zeigt. "Wir sind bereit, im Rahmen unserer Möglichkeiten einem Carsharing-Projekt beim Start zu helfen", sagt Hölters.

Beim Vergleich der Anbieter zeigt sich, dass es verschiedenen Varianten des Carsharing gibt. Der Klassiker ist das stationsbasierte System, bei dem ein Auto seinen festen Standplatz hat, dort abgeholt und wieder abgestellt wird. Daneben gibt es flexible Angebote, die Autos stehen überall in der Stadt und können für einen Minutenpreis gebucht werden. Hinzu kommt privat vermitteltes Carsharing, das über das Internet abgewickelt wird.

In Düsseldorf gibt es mittlerweile sechs Anbieter auf dem Carsharing-Markt, doch den Schritt nach Neuss haben diese Firmen noch nicht gewagt. Das habe damit zu tun, dass Neuss kein Ballungsraum ist, begründen die Unternehmen ihre Vorsicht — die Zahl der potenziellen Kunden ist einfach geringer als in Düsseldorf. Außerdem hatte es in Neuss bereits einmal eine Carsharing-Station gegeben, die wegen mangelnder Nachfrage jedoch wieder eingestellt worden war.

Dabei ist auch auf politischer Ebene Interesse gegeben: "Wir wären durchaus bereit, die Möglichkeiten für die kommunale Unterstützung eines solchen Angebots zu prüfen", sagt Helga Koenemann Fraktionsvorsitzende der CDU. Naturgemäß sind auch die Grünen "pro Carsharing" eingestellt — spart das Auto-Teilen doch Sprit und schont die Umwelt. "Ich kenne einige Bürger, die sich daran beteiligen würden und auch ich selbst wäre sofort dabei", sagt Grünen-Sprecher Roland Kehl, der vor einem Jahr sein Auto abgeschafft hat.

Die größten Chancen habe ein Carsharing-Projekt, wenn ein großes Unternehmen mit im Boot sei, dass in der Anfangszeit eine gute Auslastung der Fahrzeuge sicherstellt, erläutert Stadtmobil-Chef Kall. Dann könnte alles ganz schnell gehen. "Innerhalb von vier Wochen wären die ersten Autos zum Teilen auf der Straße", sagt Kall.

(NGZ/rl)