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Neuss: Schülertheater mit vielen Eigenproduktionen

Neuss : Schülertheater mit vielen Eigenproduktionen

Zum 30. Mal findet im RLT die Schülertheaterwoche statt. Acht Aufführungen stehen in der ersten Juniwoche auf dem Spielplan.

Das Programm der 30. Schülertheaterwoche im RLT ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Denn nicht nur im Teilnehmerfeld spiegelt sich ein Umbruch, sondern auch bei den Produktionen: Nur zwei Neusser Gymnasien haben sich angemeldet, Real- und Hauptschulen sind gar nicht dabei, und die gezeigten Stücke bestehen zu einem wesentlichen Teil aus eigenen Produktionen.

Beides hängt zusammen, sagt Stefanie Schnitzler, die als Theaterpädagogin des RLT an ihrem Haus die Woche organisiert. "Die Gymnasien haben derzeit genug mit dem doppelten Abi-Jahrgang zu tun", sagt sie und erklärt weiter: "Sie brachten sonst häufig die Klassiker auf die Bühne." Und dass Real- und Hauptschulen in diesem Jahr fernbleiben, führt sie auf die derzeit ungesicherte Zukunft dieser Schulformen zurück. Die meisten Theatergruppen an Schulen würden von Lehrern geleitet, "und die haben im Moment wohl anderes zu tun", sagt sie.

Ob sich das wieder ändern wird, bleibt abzuwarten. Gleichwohl spricht ein dennoch zustande gekommener Spielplan mit acht verschiedenen Aufführungen dafür, dass sich die Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen verlagert oder in andere Bereiche vordringt. Was die Theaterpädagogin in Stefanie Schnitzler auch sehr zufrieden macht, denn unter den Teilnehmern sind erstmals zwei Förderschulen und gleich zwei Theatergruppen einer sozialen Jugendeinrichtung.

Schon im vergangenen Jahr hatte sich bei der Schülertheaterwoche eine Gruppe aus dem Geschwister-Scholl-Haus angemeldet, aber dann doch wieder einen Rückzieher gemacht – weil sie sich den Auftritt wohl nicht zutrauten, vermutet Schnitzler. Aber die Jugendlichen haben sich alle anderen Stücke angeschaut und dabei den Beschluss gefasst, für das kommenden Jahr zu proben. Mit gleich zweifachem Erfolg: Eine Kindergruppe (sieben bis 11 Jahre) zeigt das Musical "Dschungelbuch", und ein weitere Gruppe aus Jugendlichen (13–16 Jahre) hat sich mit der Ikone Marilyn Monroe beschäftigt und ein Stück dazu geschrieben ("Einfach Marilyn").

Aus Mönchengladbach kommt die Karl-Barthold-Schule für Behinderte, die poetische und skurrile Texte zu einem Stück unter dem Titel "Was für ein Theater!?" zusammengefasst haben. Die Neusser Schule am Wildpark mit dem Schwerpunkt Lernen wiederum fragt sich "Was wäre, wenn...?" (zum Beispiel ein Krieg ausbricht) und hat dazu eine szenische Collage zusammengestellt.

Zusammen mit "Lochland" von der Grevenbroicher Käthe-Kollwitz-Gesamtschule sind insgesamt vier Eigenproduktionen zu sehen – für Schnitzler ein schönes Zeichen, "dass die Jugendliche ihre Theaterarbeit an der eigenen Wirklichkeit orientieren". Aber auch die Stückauswahl der Theaterguppe des Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, die "Die Welle" von Reinhold Tritt zeigt, und des Nelly-Sachs-Gymnasium, die "Creeps" von Lutz Hübner auf die Bühne bringt, zeige, dass "den Jugendlichen Realitätsnähe wichtig ist".

Eingeleitet wird die Schülertheaterwoche indes wie im vergangenen Jahr vom RLT-Jugendclub "Bühnenstürmer", der seine neue Produktion "Sinn" von Anja Hilling präsentiert. Und was auch nicht fehlt, ist der Workshop für die Teilnehmer - dieses Mal allerdings unter ganz anderen Vorzeichen. Unter sehr lauten, denn Schnitzler hat dank finanzieller Unterstützung des RLT-Fördervereins sowie der Sparkasse und dank des großen Entgegenkommens der Künstler selbst die Trommlergruppe Wadokyo verpflichten können.

Die Musiker werden an ihren großen japanischen Trommeln mit ausgewählten Beteiligten aller Gruppen arbeiten und auch den Boden für die Kurzpräsentationen aller Produktionen bei der offiziellen Eröffnung bereiten: "Sie laden alle, bevor sie auf die Bühne gehen, mit ihren Trommeln auf", sagt Schnitzler schmunzelnd.

(NGZ)